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Der Tonkopf -Selbstportraits-
Schule:
Hauptschule Norden
An der Wildbahn
26506 Norden
www.sz-wildbahn.de


Hauptschule
 
Kooperationspartner:
Kunstschule Norden e.V
Renate Bonn
Uffenstr. 1
26506 Norden
Tel/Fax:04931/919661
www.kunstschule-norden.de
 
Beteiligte Schüler:
19
9te KLassen
Wahlpflichtkurs Kunst
 
Beteiligte Lehrkräfte:
1 Hauptschullehrerin: Diana Wischnewski1 Kunstpädagogin (Dozentin der Kunstschule Norden) Uta Jakob
 
Stundenvolumen:
2 Doppelstunden/Woche über 6 Monate
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Das Projekt "Köpfe", erarbeitet mit 19 Jugendlichen der 9ten Klassen der Hauptschule Norden, wurde aus dem Thema: Bewerbung, Lebensweg, Selbstfindung entwickelt.
Die Jugendlichen haben sich über das künstlerische Gestalten, plastizieren ihrer eigenen Köpfe aus Ton, mit ihrem "Ich auseinandergesetzt.
Fragen, wie :Wer bin ich? Wie sehe ich aus? Was will ich und wohin führt mein Weg? bestimmten das Projekt, aber auch die Arbeitshaltung, das Durchhaltevermögen und die Freude an der Arbeit spiegelten den Jugendlichen ihre Kompetenzen wieder.
Der Gesamtgestaltungsprozess hatte unterschiedliche Phasen:
1. Das Material ( Ton) wurde gedrückt, geknetet, angefasst, es wurde Besitz vom Material ergriffen. So entstand eine Verbindung zum Material.
2. Die Materialqualität wurde erkannt. Der Ton war biegsam, formbar, nachgiebig
3. Die Phase des Hervorbringens. Ausser dem vom Material gesetzten Grenzen war alles möglich. Es entstand etwas unter den Händen.
4.Die Plastik nahm Gestalt an, es wurde eine Aussage erkannt. An den ersten Gesten und Mimiken wurde dann gearbeitet.
5. Die Plastik begann als etwas Eigenständiges empfunden zu werden. Ein Dialog zwischen der Plastik und dem Schaffenden entsteht.
6. Die Form und deren Wirkung wurde erkannt
7. Die Vollendung wurde erreicht. Im Werk bei sich selbst angekommen. Die Wirkung wurde ganz verinnerlicht. Inneres und Äußeres sind deckungsgleich.
8. Die Loslösung. Die Plastik wird etwas Eigenständiges, sie steht "einem Äußeren" gegenüber.

Das Plastizieren setzt formbildende Kräfte frei. Plastizieren bedeutet im wesentlichen immer „Formveränderung“. In dem die innerlich erlebte Beziehung zum Werk ausgereift ist, ist auch das Selbstbild des Gestaltenden entsprechend anders geworden. Eine geklärte Gestaltung lässt ein entsprechendes Bewusstsein entstehen und damit das Gefühl der Erhabenheit, des Staunens, der Achtung der eigenen Identität.

Um den Jugendlichen Material und das Ausdrucksmittel "Kunst" näher zu bringen, wurden, während des Projektes, eine Exkursion in eine Ziegellei und eine Museumsfahrt in die Kunsthalle in Emden zu der Austellung "Die obere Hälfte" von Rodin bis Funakoshi,unternommen.
Abschließend wird von den Schüler/Innen eine Ausstellung in einem öffentlichen Raum organisiert und durhgeführt.

 
Projektauslöser/Idee:
Die Kooperation Kunstschule Norden und der Hauptschule Norden besteht schon seit 2004. Anfangs als Angebot in der Nachmittagsbetreuung entwickelte sich schnell ein fächerübergreifendes Arbeiten mit Lehrerkollegen und Sozialarbeiter. Es wurden Schulprojekte über 1 Woche veranstaltet, Schulraumgestaltung gemacht und ein offenes Atelier angeboten. In Zusammenarbeit mit der Lehrerin Diana Wischnewski entstand die Idee, das Hauptthema der Jugendlichen in den 9ten Klassen "Bewerbung,Selbstfindung" intensiver über die künstlerische Auseinandersetzung zu erarbeiten.
 
Projektentwicklung:
Zu Beginn machten sich die Jugendlichen mit dem Material vertraut. Dazu gehörte auch ein Besuch in einer hiesigen Ziegelei. Die Jugendlichen wurden durch den über 100 Jahre alten Betrieb geführt und bekamen erklärt woher der Ton kommt und sie konnten beobachten wie er weiterverarbeitet wird. Spätestens als wir alle im Brennofen standen und den Männer beim Einlegen der Ziegeln zuschauten und oben auf dem Ringofen durch die Löcher in die Glut blicken konnten, waren alle tief beeindruckt.
Aus der Ziegelei nahmen die Jugendlichen jeweils 5 rohe Tonziegel, aus denen sie später die Köpfe plastizieren sollten, mit. So hatten sie bereits einen guten Bezug zum Material gewonnen.
Die Köpfe wurden mit Hilfe der Aufbautechnik massiv gestaltet. Es ging darum, große Plastiken anzufertigen, mindestens so groß wie ihr eigener Kopf. Mit der Größe mussten sie sich erst anfreunden und sich das auch zutrauen. Die Aufbauphase war für die Jugendlichen eine Herausforderung, denn sie bewegten ganz viel Masse und sahen aber noch „kein“ Ergebnis, sie konnten sich damit noch nicht identifizieren. Hier ging es darum Geduld aufzubringen und weiter zu machen. Irgendwann merkten Sie , dass es sich lohnte durchzuhalten, denn die Köpfe waren als solche immer besser erkennbar.
Dies war eine der wichtigsten und grundlegenden Erfahrungen, die die Jugendlichen machen konnten. Es ist eine Lebenserfahrung, die sie auch später in Ihrer Ausbildung anwenden können, da sie aus eigener Erfahrung lernten, dass es sich lohnt dabei zu bleiben, weiter zu machen.
Nach der Aufbaufase ging es nun mit der genauen Beobachtung des eigenen Kopfes weiter.
Es bot sich hier an, die Kunsthalle in Emden zu besuchen, die die Ausstellung „Die obere Hälfte- von Rodin bis Funakoshi“ zeigte. Hier konnten sie sehen, wie berühmte Künstler das Thema –Büste- umsetzten.
Mit einem Gipsabdruck ihres Gesichtes wurden sie an das plastische Sehen herangeführt. Der Spiegel und die Gipsmasken sind die wichtigsten Utensilien für die Phase des genauen Beobachtens. Hier lag die Herausforderung darin, das Gesehene auch umsetzen zu können. Sie stießen hier sehr schnell an ihre Grenzen. Die Frage - Wie geht das? - dominierte. Die Gestaltung der Gesichtsform, Haltung, Nase, Augen, Mund, Ohren musste, durch hinzufügen, wegnehmen, formen und drücken des Tones erlernt werden und nur durch das Tun und ausprobieren war es möglich, die gewünschte Form darzustellen.
Sie identifizieren sich immer mehr mit der Form, es tat Ihnen fast schon selber weh, wenn sie an der Figur mit dem Plastiziermesser arbeiteten. Die Identifizierungsfase mit dem selbst erschaffenen Werk hatte begonnen. Der Kopf gefiel Ihnen immer mehr, sie arbeiteten die typischen Merkmale heraus. Man kann die Köpfe bereits der Person, die sie geschaffen hat, zuordnen. Es sind nicht immer die genauen Darstellungen, sonder die typische Haltung des Kopfes, das typische Lächeln u.s.w., die die Ähnlichkeit der Person zeigt. Die Jugendlichen erfahren Anerkennung von anderen Schülern und den Lehrern, werden dadurch bestärkt und sind ermutigt weiter an den Details zu arbeiten. Sie sind mit sich selbst zufrieden und mit dem was ihre Hände geschaffen haben, -Ihrem Abbild-.
In der nächsten Phase werden die Köpfe in einer Ausstellung in den Räumen des Weiterbildungszentrum Norden präsentiert. Dazu gestalten sie eine Einladung und dürfen Ihnen bekannte, nahe stehende Menschen zur Ausstellungseröffnung am 14. März 2006 einladen. An diesem Punkt befinden sich die Jugendlichen gerade und müssen sich mit der öffentlich Machung ihres Werkes, die diese Ausstellung mit sich bringt, auseinandersetzen. Fragen kommen auf, wie z.B. Wie präsentiere ich nicht nur mein Werk sondern auch mich? Will ich in die Öffentlichkeit damit gehen? Ist die Plastik gut genug für eine Ausstellung?
Zwei Jugendliche halten zur Eröffnung ihrer Ausstellung eine Rede und wollen damit dem Publikum das Projekt und ihre Werke, vorstellen.
Die Jugendlichen sind sich selbst ein bisschen näher gekommen und haben Selbstvertrauen gewonnen. Kommentar eines Jugendlichen: „Ich wusste gar nicht, dass ich das kann!“


 
Besonderheiten:
Die ganzheitliche Herangehensweise. Über die künstlerische Auseinandersetzung mit sich selbst zu einem gestärkten Selbst zu kommen.
 
Probleme und Lösungen:
Eine Herausforderung war es, die Jugendlichen immer wieder neu zu motivieren nicht die Geduld zu verlieren, den doch sehr langen Schaffensprozess durch zustehen.Ihre Erfahrung, dass jeder weitere Arbeitsschritt sichtbare Ergebnisse bringt und es sich lohnt mit Geduld und Ausdauer weiter zu arbeiten, konnte die schwierigen Phasen überwinden helfen und führte zu größerem Engagement.
 
Anekdotisches:
Kommentar eines Jugendlichen(Jörg): "Ich wußte gar nicht, dass ich das kann!"