"Leben wie ein Künstler?!"- Schüler erleben einen Workshop im Kunstlabor "ArToll"
Schule:
Städt. Realschule Kleve- Kellen
Lindenstr. 3a
47533 KLeve
Tel.02821/78123
Fax 02821/781243
www.rs-kleve-kellen.schulen.org

Realschule
 
Kooperationspartner:
Kunstlabor ArToll
47511 Bedburg- Hau
vertreten durch

Claus van Bebber

 
Beteiligte Schüler:
15
Mädchen und Jungen der Jahrgangsstufen 6,9 und 10 aus 9 verschiedenen Klassen
 
Beteiligte Lehrkräfte:
2 Lehrerinnen, Fächer Kunst und Textilgestaltung und Fächer Kunst, Deutsch und Englisch
 
Stundenvolumen:
2 Nachmittage, 3 Tage,davon 2 mit Übernachtungen im Kunstlabor,
2 Vortreffen im Kunstlabor mit dem Künstler,
1 Nachtreffen

Eine Präsentation der Ergebnisse erfolgt noch einmal im April 2006 am "Abende der Künste".

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Eine Vernetzung von Schule und Kunst vor Ort soll Kindern und Jugendlichen Gelegenheit geben, in ihrer ästhetischen Bildung gefördert zu werden und eine Auseinandersetzung mit der Arbeitsweise von Künstlern nahe zu bringen. Dabei steht die Erfahrung, dass Kunst nicht "nur irgendwo" im Museum sondern in der unmittelbaren Lebenswelt der SchülerInnen zu finden ist, im Vordergrund. Während des Workshops lernten die SchülerInnen das Kunstlabor "ArToll" und ein Mitglied, den Künstler Claus van Bebber, kennen.Das ArToll ist ein Verein zur Förderung zeitgenössischer Kunst und Kultur und sieht sich als Ort experimenteller, kreativer Erfahrung. Für die Dauer des Workshops, also eine Woche lang, konnten sich die SchülerInnen intensiv und eigenverantwortlich künstlerischer Arbeitsweisen annähern und dabei kreativ eigene Ideen entwickeln, umsetzen und präsentieren. Im Vordergrund stand dabei, sich in ihren eigenen Arbeitsrhythmen und -tempi mit ihrem Vorhaben zu beschäftigen und auseinander zu setzen. Ausgangspunkt allen Schaffens war es, im Umfeld des Kunstlabors Dinge, Gegenstände,Eindrücke zu sammeln, die im Weiteren bearbeitet werden sollten. Das Thema des Workshops "Von draussen nach drinnen" wurde auf vielfältige Weise umgesetzt. Neben Videoinstallationen, die einen defekten Fernseher in den Mittelpunkt stellten, entstanden Wandmalereien, Rauminstallationen, CD-Aufnahmen, Graffities und Animationen, begleitet von Geräuschen und Klängen. Auf unterschiedlichste Weise wurden die Arbeitsprozesse in künstlerischen Tagebüchern dokumentiert und reflektiert. Erfahrungen im intensiven Umgang mit Kunst, Künstler und Künstlerhaus, in dem die SchülerInnen arbeiteten und lebten, sollten möglich machen, die eigene Kreativität zu entdecken und auszubilden. Dies an einem außerschulischen Lernort durchzuführen wirkte hier noch verstärkend auf die Motivation. Die abschließende Präsentation, die die SchülerInnen selbstständig planten und eigenverantwortlich durchführten, zudem mit großem Erfolg,sorgte für Anerkennung und Wertschätzung und bestätigte unser Anliegen, solche kooperativen Vorhaben mit außerschulischen Partnern im Bereich der musisch-künstlerischen Bildung auszubauen und in das Schulprogramm zu intergrieren.
Dokumentiert wurde dies Projekt auf einer CD mit ca. 170 Fotos. Daneben haben die TeilnehmerInnen während des Workshops eine Tonaufnahme mit Stimmen erstellt, einen Film gedreht als auch eine Power-Point-Präsentation erstellt. Die Prsse hat einen Artikel veröffentlicht und die Schülerzeitung widmete dem Projekt eine große Doppelseite in der letzten Ausgabe.
 
Projektauslöser/Idee:
Den Anstoß für das außerschulische Projekt gab eine Ausstellung im Sommer 2005 im ArToll. Dort wurde deutlich, dass das Kunstlabor, ein Zusammenschluss von 15 KünstlerInnen, die in einem leer stehnden Haus arbeiten und ausstellen, unter Anleitung eines ihrer KünstlerInnen Workshops anbietet, die in den Räumlichkeiten des Kunstlabors statt finden, günstige Übernachtung und Verpflegung eingeschlossen. Würde so ein Workshop auch bei Kindern und Jugendlichen nachhaltige Auseinandersetzung mit künstlerischen Arbeitsweisen und Prozessen fördern? SchülerInnen in der Form Kunst vor Ort nahe zu bringen, indem sie selbst für eine kurze Zeit wie Künstler leben und arbeiten,sich entdecken, wahrnehmen,handeln und reflektieren, schien meiner Schulleitung und mir im doppelten Sinn "naheliegend" und ein neuer Weg, ästhetische Handlungskompetenzen zu fördern und auszubilden. Dass sich das Kunstlabor im Nachbarort befindet, für jeden schnell und einfach erreichbar, vor allem ohne Kosten oder hohen Organisationsaufwand,wirkte hier noch begünstigend.
 
Projektentwicklung:
Am Anfang stand die Sondierung, inwieweit das ArToll bereit sei, einen Workshop, nicht wie in gewohnter Weise mit Künstlern oder Kunststudenten, sondern mit SchülerInnen durchzuführen, was neu war. Der Künstler Claus van Bebber, ein Mitglied des ArTolls, reagierte schnell interessiert und zeigte seine Bereitschaft, unserer Schule das geplante Vorhaben anzubieten. Es wurde deutlich, dass eine jahrgangsübergreifende Gruppe Sinn machen würde, da so SchülerInnen voneinander lernen können und gegenseitige Unterstützung bereichernd sein kann. Außerdem sollten vorhandene Gruppengefüge aufgelöst werden um möglichst offen an die Arbeit gehen zu können.Nun galt es, die TeilnehmerInnen zu finden. Bei deren Auswahl standen nicht künstlerische Fähig- und Fertigkeiten im Vordergrund sondern eine offene Lernhaltung, Interesse an Kunst und Teamfähigkeit.Alle Kunst und Textilgestaltung unterrichtenden Kollegen wurden auf SchülerInnen angesprochen, die ihrer Meinung nach für den Workshop in Frage kämen. Diesen SchülerInnen wurde die Teilnahme am Workshop angeboten. Die Eltern erhielten Informationsbriefe und der Förderverein wurde für einen Teil der Kostenübernahme angesprochen.Ein erstes Vortreffen mit dem Künstler klärte organisatorische Fragen und den genauen Ablauf des Workshops. Das zweite Vortreffen fand mit der ganzen Gruppe im ArToll statt. Hier erklärte Claus van Bebber den SchülerInnen zum ersten Mal seine Art zu arbeiten.Auch wurden nun die Räumlichkeiten gesichtet und die Zimmerverteilung geklärt.Am darauffolgenden Montag begannen wir mit der praktischen Phase, indem wir zunächst 2 Nachmittage im ArToll verbrachten.Ab Mittwoch zogen wir mit allen TeilnehmerInnen dort ein und blieben bis zur abschließenden Präsentation am Freitag dort. Neben Besuchen von Kollegen und Schulleitung war auch die Presse zugegen, die einen Artikel über das Projekt schrieb.In einem Nachtreffen wurden die Arbeitsräume, die teilweise stark bemalt worden waren, wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück geführt.
 
Besonderheiten:
Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten einer kulturellen Teilhabe zu bieten und Interesse und Begeisterung für Kunst zu wecken stand im Vordergrund des Projektes.Dass es sich dabei um einen Lernort im unmittelbaren Umfeld der SchülerInnen handelte, wirkte besonders anziehend. Als einmaliges Projekt geplant, ist daraus ein Konzept für unsere Schule entstanden, welches nun jährlich statt finden soll.Der Künstler hat sich bereit erklärt, auch in der Zukunft unser ArToll- Projekt zu begleiten. Insofern haben ca. 20% aller SchülerInnen im Laufe ihrer Schuljahre die Gelegenheit, hier ästhetische Handlungskompetenzen weiter zu entwickeln und auszubilden und Arbeitsweisen etablierter Künstler kennen zu lernen.
 
Probleme und Lösungen:
Probleme ergaben sich kurz beim Umgang mit Rechten der unter und über 16 Jährigen. Diese wurden im Sinne der Gleichbehandlung aller gelöst. Das Erstellen der gemeinsamen Mahlzeiten für 20 Personen erforderte einiges an organisatorischem Geschick, konnte aber durch Küchen- und Kochdienste gelöst werden. Finanzielle Probleme traten Dank der Unterstützung des Fördervereins nicht auf.
 
Anekdotisches:
Am Abend der Präsentation wurde eine Teilnehmerin von einer Mitschülerin gefragt, ob sich die Teilnahme denn gelohnt hätte. Darauf antwortete sie:"Wenn du irgendwann mal gefragt wirst, ob du gerne bei so einem Workshop mitmachen willst, sag bloß JA, denn so eine Chance bekommt man nur einmal im Leben und das ist etwas ganz Besonderes!"