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Leseabend bei Herrn Burmann in seiner Buchhandlung "SparBuch"
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Schüler hören gebannt dem Lesevortrag von Hrn. Burmann zu
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Die ersten drei Bücherkisten werden den Schülern überreicht
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Lesenacht mit Kurzbesuch des Bürgermeisters von Kleve
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Literaturmenue - alles vorbereitet, gleich geht's los!
Leseförderung - Bücher öffnen Welten
Schule:
Realschule
Kleve-Kellen
Lindenstr.3a
47533 Kleve
Tel.02821/78123
Fax 02821/781243



Realschule

 
Kooperationspartner:
Buchhandlung SparBuch
Guido Burmann
Hagsche Sraße 27
47533 Kleve
02821-768404

engagierte / lesebegeisterte Mutter einer Schülerin:

Katharina Nieder

 
Beteiligte Schüler:
Kern: 13 Schüler
Klasse 8-10
WPU-Kurs/AG "Bücher öffnen Welten"
Klasse 8: 1 Schülerin
Klasse 9: 10 Schüler
Klasse 10: 2 Schüler
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Initiatorin:eine Lehrerin (D, Ch)erweitert um 1-2 Fachlehrer (D, Wahlpflichtunterricht [=WPU] "Hauswirtschaft")
 
Stundenvolumen:
regelmäßig: wöchentlich zwei Stunden; ergänzt durch regelmäßig: dreimal wöchentlich die erste große Pause (20 Minuten)

erhöhter Zeitaufwand bei Durchführung der Projekte (ca. 6-10 Std./Woche, teilweise mehr z.B. beim Literaturmenü)

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Leseförderung in Schulen ist ein grundlegender Bestandteil von Deutschunterricht und darüber hinaus in allen sprachlichen Fächern. Das kann jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass wir den persönlichen Lesebedürfnissen von Schülern in der Schule kaum gerecht werden. Allenfalls die Fünft- und Sechstklässler können mit Hilfe von Lesetagebüchern und Klassenbüchereien zum Lesen motiviert und in ihrem Lesehunger bestärkt werden. Der Deutschunterricht in den Klassen der Unterstufe bietet am ehesten noch die Möglichkeit, sehr frei und ungelenkt über Bücher zu sprechen und die Leseerfahrungen von Schülern ins Zentrum des Unterrichtsgeschehens zu stellen. Aber auch in diesen Klassenstufen beginnt oft schon der klassische Literaturunterricht mit konkreter Textarbeit, Analysephasen und Interpretationsübungen. Der Lesespaß kommt dabei oft viel zu kurz und die häusliche, mediale Überflutung lässt Büchern kaum eine Chance, sich einen dauerhaften Platz im Herzen der Kinder zu erobern.
Mit der Einrichtung einer Lese-/Bücher-AG sollte dieser Problematik begegnet werden, indem auch ältere Jugendliche innerhalb von Schule Zeit und Raum bekommen sollten, um sich ohne Beschränkungen frei über Bücher und Lesen austauschen zu können.

Durch "Bücher öffnen Welten" wird der Name zum Programm: Den teilnehmenden Schülern wurde schnell deutlich, dass sie durch das Lesen von Büchern nicht nur selbst immer wieder in unterschiedlichste Welten eintauchen konnten, sondern darüber hinaus auch ihren Mitschülern Wege in diese besondere Welt zeigen konnten.
Mit großem Engagement werden drei Glasvitrinen mit Büchern und passender Dekoration zu thematischen Schwerpunkten gestaltet. Die Schüler berücksichtigen dabei die unterschiedlichen Altersgruppen ihrer Schulkameraden und legen die Themenschwerpunkte selbstständig fest. Dabei lassen sie sich von persönlichen Vorlieben und Ereignissen (Fantasy, Trauerbewältigung), aber auch von jahreszeitlichen Themen (Halloween/Horror/Gruselgeschichten, Weihnachten, Liebe/Valentinstag) leiten.
Lesen an unterschiedlichen Orten und in der Öffentlichkeit ist der Gruppe wichtig, da die Schüler selbst gerne jederzeit und überall lesen. Ihnen ist inzwischen auch bewusst, welchen „Werbeeffekt“ es hat, wenn Bücher und Lesen bei großen und kleinen Lesern auf diese Weise stets präsent sind.
Ein ganz besonderer Abend war der Leseabend in der Buchhandlung, der von einer engagierten Mutter und dem Inhaber vorbereitet worden war. Im Verlauf dieses Leseabends bekamen die Schüler drei Bücherkisten für ihre Schule überreicht, sodass sie sich in ihrem Engagement auch von außen deutlich unterstützt sahen.
In der kurz darauf stattfindenden ersten Lesenacht sorgte Frau Nieder durch ihr privates Engagement dafür, dass die Schüler weitere neun Bücherkisten mit weiteren gut hundert Büchern überreicht bekamen.
Die Planung und Durchführung des Literaturmenüs zum Thema „Amerika – für Anfänger und Fortgeschrittene“ war für die beteiligten Schüler eine außerordentliche Herausforderung. Die Planung des Abends, die Auswahl der Texte, die beharrlichen Proben der Lesevorträge und die lebendige (und doch disziplinierte) Durchführung des Abends ließen das Literaturmenü für die Gäste ein literarisch-kulinarischer Hochgenuss und für die beteiligten Schüler ein gigantischer Erfolg sein. Die Schüler erreichten mit ihrer Arbeit ein Maß an Qualität, das weit über den Erwartungen einer Schülerveranstaltung lag.
Vom Erfolg dieser Veranstaltung getragen, waren und sind die Schüler bei der Fortsetzung ihrer "Büchermission" hoch motiviert.
In nur einer Woche wurde ein Konzept für das Angebot von Vorlesepausen (dreimal wöchentlich) für die Fünftklässler erarbeitet und umgesetzt.
Eine weitere Lesenacht findet für die „Bücher öffnen Welten“-Gruppe statt, nur wird diesmal eine sechste Klasse dazu eingeladen. Schüler gestalten für Schüler eine Lesenacht und führen durch das Lese-Programm.
Der „Welttag des Buches“ wird in Kleve mit einem besonderen Wochenend-Programm begangen. Die Kooperation mit der Buchhandlung SparBuch trägt weitere Früchte, denn die Schüler-Gruppe wird im eigenhändig dekorierten Schaufenster eines Kaufhauses Kurzgeschichten vorlesen. Das Ganze wird über Lautsprecher nach außen übertragen und lockt hoffentlich viele Zuhörer an. Die Motivation der Schüler lässt sich am Termin belegen. Der „Auftritt“ findet am letzten Wochenende in den Osterferien (!) statt.
Neben den Büchervitrinen wird es ab März eine Lesewand mit dem Lesespruch der Woche und Buchempfehlungen geben, die wöchentlich umgestaltet wird. Außerdem sollen die Bücherkisten durch ein Ausleihkonzept allen interessierten Schülern zugänglich gemacht werden; ein Projekt, das der Gruppe sehr wichtig ist.
Für das vierte Quartal ist ein weiteres literarisch-kulinarisches Event geplant und ein großes Bücherfest mit Flohmarkt und Aktionen rund ums Buch wie z.B. Bücherralley, Quizstation, Wortspiele und Hindernis-Parcour steht in Aussicht.
Neben der Planung und Durchführung von Sonderaktionen rund ums Buch kommt das eigene Lesen in der Gruppe trotzdem nicht zu kurz. Wann immer Zeit dafür ist, wird in den Bücherkisten gestöbert und gelesen oder das aktuelle häusliche Lesefutter verschlungen.
Den Schülern von "Bücher öffnen Welten" liegen Bücher und das Lesen so sehr am Herzen, dass sie sich mit viel Kraft und großer Begeisterung dafür einsetzen, auch ihre Mitschüler dafür zu interessieren. Nicht ohne Grund haben sie sich für das folgende Zitat von Helen Hayes als ersten Spruch der Woche auf der neuen Bücherwand entschieden: „Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen und laufen. Doch erst, wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat.“

 
Projektauslöser/Idee:
Im Schuljahr 2004/2005 standen uns nach den Osterferien "plötzlich" noch zwei Stunden zur Verfügung, die nicht durch regulären Unterricht abgedeckt waren.
Dabei kam mir die Idee mit Schülern der achten Klasse eine Lese-AG zu gründen, in der Bücher zur Freude gelesen und besprochen werden sollten, ohne dem ergebnisorientierten Zwang des regulären Deutschunterricht ausgesetzt zu sein.
Vor allem anderen sollte die Leselust stehen. Schüler sollten in zwangloser Runde Gelegenheit haben, sich über Lesevorlieben und -abneigungen auszutauschen, Bücher vorzustellen, Textpassagen zu lesen und ihre Gedanken dazu anderen mitzuteilen. Sie sollten sagen, wann, wo und wie lange sie gerne lesen, und ausdrücken können, was ihnen Bücher und das Lesen bedeuten. Zunächst ging es einfach darum, dem ganz normalen Lesespaß (wieder) einen "Raum" in der Schule zu geben.
 
Projektentwicklung:
Das Projekt wurde von mir in einem Kurzvortrag in allen achten Klasse vorgestellt und es wurde ein erstes unverbindliches Pausentreffen verabredet. Es kamen ca. 20 Schüler (darunter auch drei Jungen). Der zeitliche Rahmen und der erste Treffpunkt wurden abgesprochen.
Zum ersten Treffen, bei dem wir die Jungen leider nicht wiedersahen, kamen ca. 12 mit ihrem derzeitigen Lieblingsbuch "bewaffnete" Schülerinnen. Wir begannen sofort mit dem Vorstellen von Büchern und dem Austausch unserer Leseerfahrungen. Den Einstieg hierzu bildeten zahlreiche Werbeplakate aus dem Buchhandel, die zukünftig auch zu Dekorationszwecken in Sachen Bücher und Lesen genutzt werden sollten. Ein bekanntes Plakat aus dem Lappan-Verlag verhalf unserer AG zu ihrem Namen "Bücher öffnen Welten" [BöW]. Die kurze Zeit bis zum Sommer verbrachten wir mit Lesen an unterschiedlichen Orten (Bücherei, Café, Klever Park am Forstgarten, Garten...). An einem Extra-Nachmittag sahen wir den Film "Der Club der toten Dichter" und sprachen über die Rolle von Büchern und Geschichten in diesem Film und in unserem Leben.

Im Schuljahr 05/06 wurde das Projekt im Rahmen des Wahlpflicht-Unterrichts [WPU] fortgesetzt. Bei der starken Konkurrenz durch andere Angebote (ca. 12 WPU-Gruppen wie Informatik (2x), Hauswirtschaft (2x), Film, Mode, Zeitung,...) hatte es ein Angebot wie "Bücher öffnen Welten" nicht leicht, zumal es inhaltlich für die meisten Schüler nur "schwer greifbar" war.

Schließlich meldeten sich (teilweise Zweit-/Drittwahl) sechs Schüler (darunter ein Junge), die an dieser Gruppe teilnehmen wollten.

[Kommentar: Die Schüler müssen einen WPU-Kurs wählen. Sie können eine Erst-, Zweit- und Drittwahl (nach Vorlieben gestaffelt) festlegen. Mit nur ganz wenigen Ausnahmen werden sie dann einem ihrer drei Wunschkurse zugeordnet.]

Nach diesem eher enttäuschenden Einstieg kamen aber direkt nach der Wahl weitere Schülerinnen, die neben ihrem gewählten WPU-Kurs gerne freiwillig (wie bei einer AG) mitmachen wollte. Nach kurzer Rücksprache mit der Schulleitung war das eine prima Lösung und so waren wir plötzlich elf Schülerinnen und ein Schüler, die sich voller Begeisterung in ein neues Lesejahr stürzen wollten. Wir begannen mit der Gestaltung von Themen-Schaukästen (Fantasy, Probleme/Trauer bewältigen, Halloween/Gruselbücher, Kinder- und Jugendklassiker, Weihnachten/Engel, Liebe (Valentinstag), Karneval,...) zur Vorstellung von Büchern. Diese Schaukästen wurden und werden ca. alle 2-4 Wochen umgestaltet.
Frau Nieder, eine engagierte und lesebegeisterte Mutter einer teilnehmenden Schülerin, animierte den Inhaber einer örtlichen Buchhandlung, den Schülern/der Schule Bücherkisten zu stiften, die mit unterschiedlichen Kinder-und Jugendtiteln bestückt waren (ähnlich wie die Bücherkisten aus der STIFTUNG LESEN-Aktion "Schnapp dir ein Buch"). Diese Bücherkisten sollten uns an einem extra für uns organisierten Leseabend in der Buchhandlung von Herrn Burmann überreicht werden. Es war zunächst nicht ganz einfach, die Schüler von diesem abendlichen (zusätzlichen!) Besuch zu überzeugen, aber sie waren dann doch bereit und gestalteten den Abend mit, indem sie Lesevorträge aus Lieblingsbüchern und selbstgeschriebenen Kurzgeschichten vorbereiteten. Dieser Abend war für uns ein echtes Highlight! Wir saßen im hinteren Bereich der kleinen Buchhandlung auf Kisten und Herr Burmann ließ sich von den Schülern in das Konzept einweihen. Seine offene und herzliche Art ließ die Schüler begeistert von "ihrer" Lese-AG und ihren Leseerfahrungen berichten.
Frau Nieder hatte für uns ein kleines Buffet aufgebaut, das sie zwischen den Büchern einer Auslage arrangierte. Es gab einen Lesesessel und Beleuchtung durch Lichterketten. In der Mitte standen die drei Holzkisten mit insgesamt 51 Kinder- und Jugendbüchern, die uns Herr Burmann für unsere Leseförderungsarbeit an der Schule spenden wollte. Wie erlebten einen wunderbaren Abend, an dem wir uns gegenseitig vorlasen und über die Bedeutung von Büchern in unserem Leben sprachen. Der Abend ging länger als geplant und als wir zum Ende kommen mussten, wurde Herr Burmann bestürmt, so einen Abend noch einmal zu ermöglichen, womit er sich gerne einverstanden erklärte.
Das nächste Highlight sollte eine Lesenacht werden: Lesen, Schmökern und Reden über Bücher bis zum Umfallen! Wir nahmen den Musikraum „in Besitz“,legten uns im Kreis auf unsere Luftmatratzen und Schlafsäcke und begannen zu lesen. Auch Frau Nieder war wieder bis ca. 23 Uhr dabei und brachte uns darüber hinaus neun (!) weitere Bücherkisten mit, die über hundert neue oder neuwertige Kinder- und Jugendbücher enthielten. Sie hatte sie zusammen mit ihrer Tochter auch eine Teilnehmerin) auf Flohmärkten und in Sparbuchhandlungen gekauft, um sie uns und den SchülerInnen der Realschule zu spenden.
Normalerweise gestalte ich Lesenächte stets so, dass neben dem Lesen noch ein kleines Zusatzprogramm zum Thema „Bücher“ existiert, um die Schüler während der „langen Lesephase“ bei der Stange zu halten. Bei dieser Gruppe reichte es völlig, die Bücherkisten in die Mitte zu stellen und zu öffnen. Das war alles, was an Gestaltung nötig war! Überrascht wurden die Schüler von unserem Schulleiter, der plötzlich mit dem Bürgermeister von Kleve in der Tür stand, da beide an einer Veranstaltung in den Schulräumen teilgenommen hatten. Die Schüler waren begeistert, einem so („wichtigen!“) Zuhörer von ihren Bücheraktivitäten erzählen zu können.
An diesem Abend gewann unsere Gruppe ein weiteres Mitglied hinzu, als der Bruder einer Schülerin seine Teilnahme versprach, nachdem wir ihn spontan eingeladen hatten, an der Lesenacht teilzunehmen. Nun waren zwei Jungen mit von der Partie!
Da wir an diesem Abend in den Hauswirtschaftsräumen der Schule auch Pizza gegessen hatten, entstand eine weitere Idee. Vor ein paar Jahren hatte ich an einem Literaturmenü-Abend teilgenommen und war mir sicher, so etwas auch an unserer Schule umsetzen zu können. Ich sprach mit der Hauswirtschaftskollegin und wir stellten das Projekt in beiden Kursen vor. Die Schüler waren sofort begeistert!
Die 16 HW-Schüler sollten kochen und servieren und die BöW-Schüler sollten moderieren und Lesevorträge gestalten. Es sollten bis zu fünfzig Personen teilnehmen können und das Ganze sollte im Forum der Realschule stattfinden. Wir stellten den ganzen Abend in Anlehnung an Bill Brysons Kolumnenbuch unter das Motto „Amerika – für Anfänger und Fortgeschrittene“. Es gab ein „Sechs-Gänge-Menü“ und acht Lesevorträge (vorher, zwischen den Gängen und nachher). Eine Kunstgruppe hatte sich bereit erklärt, Eintrittskarten, Menü- und Literaturkarten amerikanisch zu gestalten. Das Menü bestand aus Shrimps Cocktail (mit Wunderkerzen serviert), Caesar Salad, Tortillas Rancheros, Spareribs und baked potatoe, Pan Cakes mit Früchten und kanadischem Walnuss-Pie und dazu wurde aus Werken von Bill Bryson, T. C. Boyle, Paul Auster und John Steinbeck gelesen. Zwei Schülerinnen der Lesetruppe führten durch das literarische und kulinarische Menü mit Erläuterungen und Ergänzungen. Dieser Abend war ein Volltreffer, der die 34 Gäste (Eltern, Freunde, Lehrer) und Schüler über alle Maßen begeisterte und den Ruf nach Wiederholung laut werden ließ. Einige ganz wenige Eltern hatten sich im Vorfeld ein wenig am Eintrittspreis von 15,- € gestört, waren aber nun mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis völlig zufrieden. Es war uns sogar möglich, Frau Nieder und Herrn Burmann jeweils mit einer Begleitung zu diesem Abend einzuladen und wir hatten noch einen Restbetrag übrig, um dem Wunsch der Schüler nach einem Abschlusskochen nur für die Aktiven nachkommen zu können.
Nach diesem in Vorbereitung und Durchführung arbeitsintensiven Abend stellte ich den Schülern frei, "Bücher öffnen Welten" in der Vorweihnachtszeit vielleicht einmal ausfallen zu lassen, um einen Ausgleich zu schaffen. Davon wollten sie aber nichts wissen und machten stattdessen den Vorschlag eine literarische Weihnachtsfeier zu veranstalten.
Darüber hinaus waren sie mit Feuer und Flamme dabei, Vorlesepausen für die Fünftklässler zu organisieren, die noch im Dezember gestartet werden sollten. Sie entwarfen Leseausweise und Regeln und waren bereit, dreimal die Woche (Mo, Mi, Fr) in der ersten großen Pause den Jüngeren vorzulesen. Natürlich ist bei den Jüngeren und Älteren der Drang, dadurch die Pause im Klassenraum verbringen zu dürfen, nicht zu unterschätzen, aber das halte ich für zweitrangig, da der Gewinn durch das Vorlesen für beide Gruppen auf jeden Fall höher einzustufen ist.
Folgende Aktivitäten sind noch in der Planung: Einrichtung einer "rollenden" Bücherei mit den ca. 160 Büchern aus den Lesekisten; Gestaltung einer wöchentlichen Lesewand mit dem Spruch der Woche zum Thema Lesen (Start Anfang März); Planung und Durchführung eines schulinternen „Tag des Buches“ mit Aktionen rund ums Lesen und einem großen Bücherflohmarkt (geplant für das späte Frühjahr); am Wochenende (22./23.April (Welttag des Buches) werden Schüler der „Bücher öffnen Welten“-Gruppe in einem Schaufenster eines örtlichen Kaufhauses Bücher vorlesen, was über Lautsprecher nach außen übertragen wird; am 16. März findet eine weitere Lesenacht statt, in der die Schüler das Programm für die Lesenacht einer sechsten Klasse gestalten; geplant ist ein weiterer Abend in der Buchhandlung und in Anlehnung an des Literaturmenü denken wir über einen literarischen Nachmittag in Kaffeehaus/Gartencafé-Atmosphäre nach.

 
Besonderheiten:
Das Besondere an dem „Bücher öffnen Welten“- Projekt ist, dass die ganze Aktion eine unglaubliche Eigendynamik entwickelt hat. Es ging zunächst um nicht mehr, als Schülern ein Forum zu bieten, wo sie sich über ihre ganz persönlichen Leseerfahrungen und –vorlieben austauschen können, ohne von den Fragestellungen und den Strukturen des Deutschunterrichts geleitet zu sein.
Die Schüler zeigten sich sehr engagiert und arbeiteten selbstständig und in der Regel über das erwartete Maß hinaus.
Immer wieder melden sich Schüler bei mir, die an den Schaukästen weiterarbeiten wollen, weil z. B. die sechste Stunde ausgefallen ist, die sie dann nicht nutzen, um früher nach Hause zu gehen. Auch die Vorlesepausen werden von ihnen in völliger Eigenregie organisiert. D.h., sie entscheiden, wer welches Buch zu welcher Zeit und in welchem der zur Verfügung stehenden Räume liest. Sie sorgen für eine disziplinierte Zuhörerschaft, indem sie bei Regelverstößen Leseausweise einsammeln und nach angemessener „Entzugs“zeit zurückgeben. Sie sind einfach mit ihrer ganzen Leselust voll engagiert bei der Sache.
 
Probleme und Lösungen:
Größere Probleme traten bisher eigentlich nicht auf. Als etwas hinderlich erweist sich das Fachraumprinzip in unserer Schule, da die Ausweisung einer der fünf Deutsch-Fachräume zum schwerpunktmäßigen Lese-/Bücher(ei)raum nicht möglich ist. Es gibt auch keinen noch so kleinen ungenutzten Raum an unserer Schule, der zur Mini-Bücherei umfunktioniert werden könnte. Aus diesem Grund sind wir dabei, rollende Bücherregale zu planen, damit die Bücher auch für verhältnismäßig kurze Zeiträume (Pausen, Vertretungsstunden) vielen Schülern zugänglich gemacht werden können. In diesem Zusammenhang besteht allerdings ein Finanzierungsproblem, da selbst so „kleine“ Anschaffungen wie die Rollen für diese Regale nicht einfach zu bewerkstelligen sind. Vielleicht lässt sich dieses Problem im Rahmen des Bücherflohmarkts in den nächsten Wochen lösen. Ansonsten bliebe noch die Hoffnung auf Elternspenden in Kombination mit dem Förderverein.
Eine Herausforderung ist manchmal die Zusammensetzung der Gruppe, da zwar alle sehr lesebegeistert sind, sich in ihren Persönlichkeiten aber stark voneinander unterscheiden, was sich in unterschiedlichen Lesevorlieben äußert und manchmal Auseinandersetzungen provoziert, die sich aber bis jetzt stets in Gesprächen regeln ließen, nicht zuletzt deshalb, weil wir auf ausreichend „literarische“ Vergleiche/Beispiele Bezug nehmen konnten. Abgesehen davon waren die bevorstehenden Lese-Events immer ein ausreichender Grund, um als Gruppe für das Gelingen / den Erfolg zusammen zu arbeiten.
 
Anekdotisches:
Leseabend "Buchhandlung":
Am nächsten Morgen begüßte mich eine der Teilnehmerinnen seufzend mit den Worten: "Ach, Frau Böker, wenn doch jetzt noch gestern Abend wäre..." (Im weiteren nahm sie noch Bezug auf einen von Herrn Burmann vorgetragenen Textausschnitt.)

Der für eine Schülerveranstaltung nahezu perfekte Abend des Literaturmenüs stand wieder fest auf Schülerfüßen als eine eher ruhige, sehr gewissenhafte und zuverlässige Schülerin auf der Bühne während ihres Literaturvortrags einen solchen Lachanfall bekam, dass sie nicht weiterlesen konnte und wir ihr zur Hilfe eilen mussten. Spätestens danach hatten wir genau die lockere Atmosphäre, die wir uns für diesen Abend, unsere Gäste und die Aktiven gewünscht hatten.

Der einzige Junge, der in diesem Schuljahr von Anfang an dabei war und den Kurs „Bücher öffnen Welten“ als WPU-Fach gewählt hat, wiederholt die 9. Klasse und hatte im letzten Schuljahr Schwierigkeiten, sich selbstständig einen Praktikumsplatz für das Betriebspraktikum zu suchen.
In diesem Jahr haben ihn der Kontakt zu Herrn Burmann von der Buchhandlung SparBuch und der dort verbrachte Abend dazu bewegt, Herrn Burmann zu bitten, bei ihm sein Praktikum absolvieren zu dürfen. Bei einem unserer Treffen berichtete er glücklich von der Praktikumszusage von Herrn Burmann. Möglicherweise er„öffnet“ sich für ihn durch diesen WPU-Kurs noch auf einer ganz anderen Ebene eine „neue Welt“.
Weiter war es für diesen Jungen ebenfalls eine außergewöhnlich positive Erfahrung, am Tag des Literaturmenüs (24.11.) 16 Jahre alt zu werden und so diesen Tag in mehrfacher Hinsicht als etwas ganz Besonderes zu erleben. Es stand für ihn zu keinem Zeitpunkt zur Debatte, an diesem Tag wegen seines Geburtstags zu fehlen. Er hatte (wie alle anderen) sechs Stunden Schule, zwei Stunden Mittagspause, dann vier Stunden Aufbau und letzte Leseproben und dann den Literaturmenü-Abend bis Mitternacht.

Ein Fünftklässler am Ende des Deutschunterrichts (2. Std.) zu einem Klassenkameraden: "Cool, gleich ist Vorlesepause!"