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Versuch, eine Gemeinsamkeit zu finden
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Hier zeigen sich die Mädchen erstmals von ihrer liebevollen Seite
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Die kleine Alischa wird nach dem Videodreh gefüttert
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Mädchen zeigt Vertrauen in die anderen Mitschülerinnen
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Lisa tanzt "Die Geschichte von Janine"
"Die Geschichte von Janine" - interdisziplinäres Projekt - Kunst und Interaktion
 
Schule:
BVJ der Hardtstiftung
Neureuter Hauptstr. 2
76149 Karlsruhe
www.hardtstiftung.de

Förderschule/Sonderschule / Gebundener Ganztag
 
Kooperationspartner:
Renate Schweizer (R e S h)
intermediale Künstlerin & Autorin
http://www.art-and-soul.de
 
Beteiligte Schüler:
4 - 6
gesamte BVJ-Klasse Jahrgang 1992 /94 / 90 / 88
AG - Projekt
 
Beteiligte Lehrkräfte:
1 Computer und Werken
 
Stundenvolumen:
2 Wochenstunden über 6 Monate
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
"Die Geschichte von Janine"

Interdisziplinäres Projekt "Kunst und Interaktion"
- Umsetzung von Aggressivität und Autoaggressivität in Kreativität mit Mitteln aus der Bildkunst, darstellenden Kunst, Musik, Tanz, Literatur, Fotografie und Video -

Die Schülerinnen, die in das BVJ der Hardtstiftung, einem Heim für Mädchen, junge Mütter mit Kindern, kommen, haben bereits eine lange, lange Schulkarriere hinter sich, welche meist von Versagen und chronischem Schulschwänzen geprägt ist. Zudem haben viele Gewalt- und sexuelle Missbrauchserfahrungen in der Familie hinter sich. Dementsprechend destruktiv, abweisend und auch egozentrisch-misstrauisch zeigt sich ihr Verhalten gegenüber Eltern, Lehrern, Jugendamt und Erwachsenen aus der Jugendhilfe und der Welt als Ganzes.
Vorrangig geht es bei der Arbeit mit diesen Jugendlichen darum, ihr Vertrauen zu gewinnen, Selbstbewusstsein und Lebensfreude zu fördern, sie in ihrer ganzen Persönlichkeit zu stabilisieren und in eine Gemeinschaft zu integrieren, ihnen ein Zugehörigkeitsgefühl zu vermitteln, welches ihnen nicht zusätzlich bedrohlich vorkommt und Angst macht.
In unserem Projekt geht es vorrangig darum, gemeinsam eine Form zu finden, in der die Jugendlichen erfahren, dass ihre Gefühle von Wut, Hass, Angst, etc. einen Platz finden und zum Teil aufgrund ihrer schrecklichen Erlebnisse auch berechtigt sind. Sie lernen, ihre Energien zu kanalisieren und konstruktiv in Kreativität umzusetzen, indem sie eine Sprache für ihre Aggressivität finden, die der Umwelt verständlich wird und nicht zusätzlich auf Ablehnung und Vorbehalte stößt. Die Jugendlichen sollen ihre Verletztheit, Wut und Schmerz zeigen und darstellen, ohne dabei ihre Würde und weiteres Selbstwertgefühl zu verlieren, sondern im Gegenteil, durch die Form des kreativen Ausdrucks ein Zuhören und damit Be - Achtung von Seiten der Erwachsenen - Eltern, Lehrer, Erzieher, Jugendamt, etc, erfahren.

Da sich erfahrungsgemäß jede Schulklasse anders zusammen setzt, wurde der Titel des Projekts sehr offen gehalten, um Raum für die temporären Themen der Jugendlichen zu lassen. Bald stellte sich heraus, dass in der diesjährigen BVJ-Klasse das Thema "sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen", Schwangerschaft, sowie körperliche und verbale Gewalt + Mobbing" im Vordergrund steht. Die Mädchen begannen, ihre (sexuelle) Gewalterfahrung im Tanz auszudrücken und immer wieder zu thematisieren. Lieder + Texte mit denen sie sich identifizierten- vorallem auch aus dem underground-rap (Bushido + Frauenarzt)wurden eine wichtige Tür, sich diesem brisanten Thema zu stellen.
Es entstanden u.a. der Videoclip "Lisa tanzt die Geschichte von Janine" und "Ich hol dich hier raus" beide mit Musik von Bushido, großformatige gemalte Fahnen mit Aufschrift wie "Tagtäglich werden in der BRD unzählige Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht" sowie Masken und Fotografien, die im Rahmen eines BVJ-Tages am 31.01.08 öffentlich präsentiert wurden.

 
Projektauslöser/Idee:
Anlass zu diesem Projekt waren die starke angestaute Aggressivität und Autoaggressivität, (selbstverletzendes Verhalten, sich schnippeln,Nägel beißen, Haare ausrupfen, etc.)die die weiblichen Jugendlichen aufgrund ihrer psycho- sozialen und familiären Situation, oftmals auch mit Migranten-Hintergrund, in sich tragen, und den Rahmen eines normal-alltäglichen Schulunterrichts mit Ziel, den Hauptschulabschluss zu erreichen, immer wieder sprengen und fast unmöglich machen.

 
Projektentwicklung:
Die Projektidee entstand bereits 2003/2004 auf Initiative der Künstlerin, die ein Konzept erstellte und mit Ausbildungsleiter und Klassenlehrerin ins Gespräch kam.
Erst durch eine finanzielle Förderung des Projekts, die auf Initiative der Künstlerin mit Genehmigung durch die Schulleitung von der Künstlerin beantragt wurde, und über das Kulturamt Karlsruhe und dem Modell der Stadt Karlsruhe "Kooperation zwischen Schulen und Kulturschaffenden im Rahmen von Betreuungsangeboten im Schuljahr 2007/2008" erfolgte, konnte die Idee umgesetzt werden.
 
Besonderheiten:
Das Besondere an diesem Projekt sind zuallererst einmal die weiblichen Jugendlichen im Alter von 15 - 20 Jahren u.a. mit Migrationshintergrund, auf der untersten Stufe der sozialen- und gesellschaftlichen Leiter stehend,und teilweise bereits schon selbst Mütter mit eigenen Kindern sind. Konfliktfähigkeit, Durchhaltevermögen, Ausdauer, Toleranzgrenze, soziale Verantwortung etc. sind sehr gering. Ihre Haltung und Interesse gegenüber Kunst und für künstlerischen Ausdruck gleich Null. Im Mittelpunkt stehen Jungs, Zigaretten, Drogen, Alkohol, Geldbeschaffung, Handy, Internet, (MSN, ICQ, online-glück, etc.). Dies ist das Charakteristische an diesem Clientel Somit ist das Besondere und Wichtige an diesem Projekt, dass es interdisziplinär angelegt ist, die Künstlerin für alle künstlerische Disziplinen offen ist und darüber den Zugang zu den Mädchen bekommen kann. Die Mädchen können flexibel und ihrer Tagesstimmung entsprechend zwischen Malerei,plastischem Gestalten, Tanz, Musik, Video, Fotografie und webbasierte Internetplattformen wählen und fühlen sich somit immer wieder angenommen. Durch dieses sich Angenommenfühlen entwickeln sie Vertrauen und öffnen sich für ihre eigenen kreativen, künstlerischen Resourcen und Bewältigungsmöglichkeiten. Diese Resilienzförderung wirkt sich wiederum auf das schulische Lernen und soziale Miteinander effektiv aus.
 
Probleme und Lösungen:
Als problematisch und sehr schwierig zeigt sich die Aggressivität, Überempfindlichkeit und Unkonzentriertheit sowie die jeweils spezifische familiäre Problematik und Unstrukturriertheit der Einzelnen, die unterschiedlichen geistigen Entwicklungsgrade und Fähigkeiten sowie die niedrige Frustrationstoleranz und Bereitschaft zu teilen. Neid, Eifersucht,übertriebene Schönheitsideale, Rivalität, Sticheleien bis zu bösen, verbalen Attacken sind traurige Realität und Tagesordnung.
Konfliktlösung durch klärende Gespräche sind kaum möglich, meist steht das Reagieren aus dem Affekt im Vordergrund.
Diese Problematik führte des öfteren zu schweren Eskalationen, welche mithilfe von Musik und gemeinsamem Tanzen in der "TanzWerkstatt" kreativ aufgelöst werden konnten. Es gab danach sogar Momente, wo kurze Umarmungen möglich wurden.
 
Anekdotisches:
Bei der Aufnahme des Videos "Lisa tanzt die Geschichte von Janine" holte ein Mädchen ihre zwei Monate alte kleine Tochter mit dazu. Eine andere Schülerin spielte im Video die vergewaltigte Janine mit der kleinen Alisha auf dem Arm. Die reale Mutter wurde ganz stolz auf ihre Tochter und all die anderen Mädchen wollten und durften die Kleine ebenfalls auf den Arm nehmen. Dabei war plötzlich eine ganz weiche,zu erkennen. Ein starker Moment und großer Vertrauensbeweis für die Künstlerin.