Die mutige Herzogin - Elisabeth von Calenberg.
 
Schule:
Hermann - Löns - Schule
Niedersachsenstr. 3
30853 Langenhagen
Tel: 0511-771860
Fax: 0511 - 7718617


Grundschule
 
Kooperationspartner:
Historisches Museum Hannover
Freunde des Historischen Museums Hannover e.V.
Ansprechpartnerin: Frau Dr. Sabine Meschkat – Peters www.hannover-museum.de


Hans Zimmer (Autor des Textes)

 
Beteiligte Schüler:
24 Schülerinnen und Schüler (12 Mädchen, 12 Jungen)
Die Klasse 2b der Hermann - Löns - Grundschule Langenhagen (2005)
 
Beteiligte Lehrkräfte:
- Die Klassenlehrerin Friederike Werdelmann, Fächer: Deutsch, Kunst, Musik, Sachunterricht; Regie und musikalische Einstudierung der Lieder- Der Rektor der Schule, Religionslehrer der Klasse 2b; Komponist der Lieder des Stückes
 
Stundenvolumen:
Dauer des Projektes: Mitte Dezember 2004 bis 26. Mai 2005.
Wiederaufnahme des Stückes: September 2005

Zwischen 3 und 6 Wochenstunden über 3 ½ Monate, zusätzlich 3 Projekttage und 2 dreistündige Nachmittagsproben
Zusätzliche Konzeptionsgespräche am Nachmittag seit Dezember 2004

 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Im Rahmen des musischen Schulprofils der Hermann - Löns - Grundschule Langenhagen studierte die Klasse 2b in Kooperation mit den Freunden des Historischen Museums Hannover e.V. und dem Historisches Museum Hannover ab Mitte Februar 2005 bis Mitte Mai 2005 ein Theaterstück mit Musik zur Lebensgeschichte der Herzogin "Elisabeth von Calenberg" ein. In dem Theaterstück "Die mutige Herzogin: Elisabeth von Calenberg" werden verschiedene Episoden der Lebensgeschichte dieser Herzogin der Renaissance dargestellt. Ziel des Projektes ist, dass die darstellenden Kinder über das Theaterstück Kulturgeschichte- und zwar das Leben dieser Herzogin der Renaissance - anderen Kindern, den Zuschauern, vermitteln. Die Kinder der Klasse besetzen in dem Stück als Sänger, Tänzer und Schauspieler mehrere Rollen. Musikalisch wird das Geschehen durch Lieder kommentiert, die von Lautenmusik begleitet werden. Die einzelnen Szenen werden durch Musikstücke der Renaissance (Flöte und Trommel) gegliedert, die dem jeweiligen Charakter der Szenen angepasst sind.
Das Theaterstück "Die mutige Herzogin: Elisabeth von Calenberg" wurde als fächerübergreifendes Projekt während der Unterrichtszeit einstudiert und am 26.05.2005 im Rahmen des Kinderprogramms des Kirchentages im Historischen Museum Hannover uraufgeführt. Eine Wiederaufnahme fand am 25.09.2005 im Rahmen des Begleitprogramms der Ausstellungseröffnung "Ritter, Bürger, Fürstenmacht" des Historischen Museums Hannover statt. Das Historische Museum Hannover und die Freunde des Historischen Museums waren Impulsgeber zu diesem Theaterstück und boten neben der Organisation des Ablaufs, den Raum zur Aufführung, den Rahmen für die historische Einführung der Kinder in die Zeit der Renaissance durch Führungen und Gespräche, sowie die Recherche über die Biographie der Herzogin. Die Finanzierung der anfallenden Kosten übernahmen die Freunde des Historischen Museums e.V., die Stiftung Edelhof Ricklingen - V.J.v. der Osten und der Deutsche Evangelische Kirchentag. Der Text des Stücks wurde von Hans Zimmer auf Basis der historischen Daten geschrieben, eine theaterpädagogische Assistentin unterstützte die Arbeit am Projekt. Die Lieder wurden von dem Rektor der Hermann - Löns - Grundschule, Jürgen Löhlein, vertont. Die musikalischen Passagen wurden von Silke Jacobsen (vom Ensemble "Flute Harmonique"- Flöte und Trommel) übernommen. Regie, Lautenspiel und Einstudierung der Lieder übernahm die Klassenlehrerin, Friederike Werdelmann.
Dramaturgischer Ausgangspunkt des Stückes ist das Gemälde der Herzogin „Elisabeth von Calenberg“ das sich in der Sammlung des Historischen Museums Hannover befindet.

Zum Theaterstück:
Das Stück beginnt mit einem gespielten Museumsbesuch der Schulklasse. Vier Kinder entdecken hierbei im Innenhof des Museums ein großes Bild einer ernst blickenden, in altertümliche Gewänder gehüllte Frau. Aufgeregt rufen sie ihre Mitschüler zusammen, die sich blitzschnell vor dem großen Bild versammeln. Plötzlich, aufgescheucht durch den ungewohnten Lärm, tritt ein alter Narr hinter dem Bild hervor- es ist der Narr der Herzogin Elisabeth von Calenberg! Er beginnt den Kindern die Geschichte der Frau auf dem Bild zu erzählen. Die Kinder schlüpfen in die Figuren der erzählten Geschichte, lösen sich von den Erklärungen des Narren und stellen als "Spiel im Spiel" die Lebensgeschichte der Elisabeth dar. Der Narr agiert weiterhin als Erzähler, die Kinder verteilen auf der Bühne untereinander die verschiedenen Rollen, die durch angedeutete Kostüme wie Baretts und Umhänge äußerlich geschildert werden.
Nachdem zwei, dem Calenberger Land benachbarte Herzöge mit ihrem Gefolge sich um die Zukunft des fruchtbaren Calenberger Landes streiten, werden sie von Musik aufgeschreckt: Der alte, kinderlose Herzog Erich von Calenberg heiratet die junge Prinzessin Elisabeth! Aus ist es mit den herzoglichen Plänen um das Calenberger Land!
Schon bald darauf ist auch die Erbfolge des Landes Calenberg gesichert: Vier Kinder hat die junge Elisabeth bekommen, wovon das Zweite, Erich, die zukünftige Regentschaft übernehmen soll. Doch seine Mutter Elisabeth kümmert sich nicht nur um ihre Rolle als Mutter, nein, so ist sie häufig nicht im Schloss zu finden, da sie mit dem Theologen Corvinus religiöse Diskussionen führt. Doch ihr katholischer Mann Erich lässt sie in einem frühen, fridericianisch anmutenden Geiste, frei agieren. Er kommt jedoch dann in einen inneren Konflikt, als die Bürger von Hannover aufstehen und Religionsfreiheit für sich fordern- sie demonstrieren sogar dafür! Dank der Fürsprache Elisabeths fügt sich der Herzog dem Bürgerwillen und gewährt seinen Untertanen das Recht auf die eigene Wahl der Religion. Doch ist Erich nicht so lauteren Gemütes, wie er sich gibt. Eines Tages, als die Apfelbäume blühen, sucht Elisabeth ihren Mann. Er ist nicht zu finden! Sie entlockt drei Dienerinnen, dass er bei seiner heimlichen Geliebten, Anna Rumschottel, zu finden sei. Als ihr untreuer Gatte nun endlich heimkommt, fordert Elisabeth hoch empört eine Wiedergutmachung über die entstandene Schmach- ein eigenes Einkommen über die Einkünfte der Stadt Minden und eine Lösung des Eheproblems nach mittelalterlicher Manier: Anna Rumschottel wird als Hexe bezichtigt und entsprechend gestraft.
Kurz darauf stirbt Erich. Während das Land Trauer trägt, beratschlagen sich die benachbarten Herzöge, wer denn nun für den kleinen Erich II kommissarisch das Calenberger Land regieren solle. Da mischt sich Elisabeth ein: Sie würde das Land regieren, sie sei schließlich die Mutter des kleinen Herzogs! So regiert Elisabeth sechs Jahre das Calenberger Land. Als Erich volljährig wird, übernimmt er die Regierung und erfährt bald die Auswirkungen von Religionskriegen. Im Zuge der Unruhen der Reformation kommt es im Calenberger Raum zu der größten Schlacht Norddeutschlands- der Schlacht von Sievershausen. Erich, als Verantwortlicher, der sich in der Schlacht gegen die katholischen Herzöge stellt, verliert Hab und Gut, nur die Regentschaft darf er behalten. Doch seine Mutter, Elisabeth, zieht mit ihrer jüngsten Tochter Katharina verarmt nach Hannover. Nichts mehr zu essen haben sie, sind von der Dienerschaft verlassen.
Plötzlich kommt ein Mädchen aus den Reihen der am Rand des Geschehens wartenden Kinder der Klasse mit einer Schriftrolle aufgeregt zu dem Narren gerannt. "Was ist das?" fragt sie gespannt und hält dem Narren das Schriftstück hin. Der Narr nimmt die Schriftrolle und liest dem Kind ein Gedicht Elisabeths vor, in dem die Herzogin die Hinwendung zu Gott als Quelle ihrer Kraft in der Zeit der Not beschrieben hat. Still nimmt der Narr der wartenden Elisabeth Mantel und Barett ab, die Kinder gehen von der Bühne und gleiten somit wieder in die heutige Zeit hinein. Der Narr breitet den roten Mantel vor dem großen Bild aus und verschwindet wieder hinter dem Gemälde. Abschließend singen die Kinder das Lied, das sie die Zeit während des Spiels in immer wieder variierten Strophen begleitet hat:

Elisabeth von Calenberg
Von ihr geht die Geschichte.
Vom Leben und von ihrem Werk
Wollen wir berichten.

Zum pädagogischen Wert des Stückes:
Die Schülerinnen und Schüler konnten an diesem Theaterstück eine Vielzahl neuer Erfahrungen gewinnen. Hartmut von Hentig schreibt in seinem Buch "Bildung" (1996), dass Theater entscheidend zum Verständnis von Welt und Menschen beitragen kann. Auch Musik und Sprache dienen dieser Aneignung. In dem Stück agieren die Kinder in unterschiedlichen Formen: Sie sprechen, singen, schauspielern und tanzen. Sie nutzen Stimme und Körper als Ausdrucksmittel in einer Musik und in einer Stimmung, die in ihrem Charakter der Renaissance für sie eine neue Erfahrung bedeutet. Auch die Erfahrung mit den Klangwelten der Renaissance und der genutzten Instrumente bieten neue Erfahrungen.
Doch über diese, in einen eher schulischen Kanon fassbare Bildungsziele bietet das Stück weitere, pädagogisch relevante Aspekte: Historische Themen gehören normalerweise nicht zum Schwerpunkt des Unterrichts einer zweiten Klasse. Jedoch zeigten die Kinder während der begleitenden Stunden zu dem Theaterprojekt ein brennendes Interesse an historischen Fragen, sie wollten sich "... die Welt von damals vorstellen". Anhand der Lebensgeschichte der Elisabeth wird diese "Welt von damals" lebendig.
Kinder brauchen für ihren Weg in ein selbstbestimmtes Leben Erfahrungen, in denen sie sich ihrer Selbstwirksamkeit bewusst werden können, sowie Vorbilder und alternative Lebenskonzepte zur Entfaltung ihrer individuellen Fähigkeiten. Die Biographie der Elisabeth stellt ein Frauenleben vor, das nicht den Rollenmustern der Renaissance entsprach. Elisabeth setzte entscheidende gesellschaftliche Impulse und kann damit durchaus ein Vorbild für das eigene Lebenskonzept und Rollenverständnis bieten. Beinah jedes der Kinder wird ein fünfzehnjähriges Mädchen kennen. Vielleicht werden hierüber Lebenskonzepte außerhalb des Bekannten bewusst. Auch der Spielort des Museums als außerschulischer Lebensort kann neue Erfahrungen bieten. Die Erfahrung, im Museum die Ausstellungen zu besuchen und sich zwischen den Proben dort frei bewegen zu können, kann das Verhältnis der Kinder zu Museen als Bildungseinrichtungen nachhaltig beeinflussen und somit motivieren, diese auch im Privaten zu nutzen. Der Kontakt mit den Experten wie der Instrumentalistin, den Theaterpädagogen und den Historikern des Museums bieten neue Erfahrungen, die einer späteren Expertise- und Interessenbildung dienen können. Die Kinder müssen im Spiel diszipliniert agieren. Diese Erfahrung kann durchaus die innere Einstellung zum konzentrierten, disziplinierten Tun und zur eigenen Leistung positiv beeinflussen. Zudem werden auf der Bühne eine Vielzahl der Ausdrucksmöglichkeiten der Kinder gefordert und bestätigt. Dieses facettenreiche Theaterstück bietet jedem Kind der Klasse die Möglichkeit, sich selbst zu erproben und seine Selbstwirksamkeit zu erfahren.

 
Projektauslöser/Idee:
Im Dezember 2004 trat Frau Dr. Meschkat - Peters (Freunde des Historischen Museums Hannover) an mich als Lehrerin mit der Idee heran, im Rahmen des Kinderprogramms des Kirchentages 2005 ein Theaterstück zu einer Frau der Renaissance, Elisabeth von Calenberg, mit einer Schulklasse aufzuführen.
Ursprünglicher Anlass hierzu war die Eröffnung der Ausstellung "Ritter, Bürger, Fürstenmacht" zum Mittelalter und zur Frühen Neuzeit des Historischen Museums Hannover im September 2005. Ein zentraler Aspekt innerhalb der Ausstellung sollte die Herzogin Elisabeth von Calenberg (1510 - 1558) sein, deren Wirken auch noch heute im Leben im hannöverschen Raum, wie der Existenz der Klosterkammer Hannover, zu spüren ist.
Zudem lief die Planung für den Kirchentag Hannover- das Kinderprogramm sollte im Historischen Museum Hannover stattfinden.
So entstand vom Museum aus die Idee, zu dieser Frau der Renaissance, die entscheidend zur Einführung der Reformation in Hannover beigetragen hat, im Rahmen des Kirchentages einen Beitrag zum Kinderprogramm zu leisten. Die Vermittlung des historischen Stoffes wollte man in die Hände von Kindern legen.
 
Projektentwicklung:
Dezember 2004:
- Erste Konzeptionsgespräche mit Frau Dr. Sabine Meschkat - Peters (Freunde des Historischen Museums, Hannover), Hans Zimmer (als Autor und Künstlerischer Leiter des Theaterpädagogischen Zentrums Hannover) und Friederike Werdelmann (Hermann - Löns - Schule, Langenhagen)
- Erste Ankündigung an die Eltern der Klasse und in der Schule über das anstehende Projekt

Mitte Januar bis Mitte Februar 2005:
- weitere Konzeptionsgespräche in diesem Kreis, zur Diskussionsrunde hinzu kommen Herr Dr. Thomas Schwark (Direktor des Historischen Museums Hannover), Silke Jacobsen (vom Ensemble "Flute Harmonique"), Annli von Alvensleben (Theaterpädagogische Assistenz), Irmela Wilckens (Recherche über die Biographie Elisabeths von Calenberg).
- Schulische Absprachen mit Kollegen und dem Rektor, wie sich das Projekt schulisch verwirklichen lässt. Es wird beschlossen, es als fächerübergreifendes Projekt (Musik 2 Stunden, Kunst 2 Stunden und Religion 2 Stunden) anzusetzen, womit ein wöchentlicher Proberaum von bis zu 6 Stunden gegeben ist. Sollten noch weitere Stunden benötigt werden, so können noch Stunden aus dem Deutsch - und Sachkundebereich hinzugezogen werden. Dies ist im Rahmen des musischen Schulprofils der Schule durchzuführen.

Mitte Februar 2005:
- Hans Zimmer beginnt mit dem Schreiben des Theaterstücks
- erster Besuch der Klasse 2b im Historischen Museum Hannover zur ersten Berührung mit der Thematik, Gespräch und Führung der Kinder durch Herrn Dr. Schwark
- Beginn der Probenzeit in der Schule, Frau von Alvensleben kommt seitdem zur Unterstützung angereist.
- Die Kinder erhalten in Abschnitten den Text, während die Proben laufen, wird der Text weitergeschrieben. Ideen und Impulse der Kinder werden eingearbeitet. Die Kinder lernen als Hausaufgaben ihren Text, während des Unterrichts wird der Text wiederholt. Parallel dazu im Sachkundeunterricht: Beschäftigung mit dem Thema "Mittelalter und Frühe Neuzeit", im Deutschunterricht wird immer wieder Bezug auf die Texte genommen.

März 2005:
- Die Einstudierung der Lieder und des Tanzes beginnt, Frau Jacobsen kommt mit ihren Instrumenten in die Schule nach Langenhagen.
- Vor den Osterferien ist der Text fertiggestellt, die Kinder lernen den restlichen Text über die Ferien.

April 2005:
- Beginn der Proben vor Ort im Historischen Museum (dort insgesamt 6 Proben bis Ende Mai)
- Die Aufsicht über die halbstündigen Fahrten mit der S - Bahn werden von 3 Müttern mit unterstützt.

Mai 2005
- In der Woche vor der Aufführung täglich Proben, zusätzlich zwei Nachmittagsproben
- Generalprobe
- 26.05. Zwei Aufführungen um 10:00 Uhr und um 11:30 (Dauer je 45 Minuten) zum Kirchentag 2005 (Innenhof des Historischen Museums Hannover)


Wiederaufnahme:

- Mitte September 2005: Wiederaufnahme der Proben während der Schulzeit

- 25. September 2005 im Historischen Museum Hannover (Foyer), Anlass: Rahmenprogramm zur Ausstellung "Ritter, Bürger, Fürstenmacht - Hannovers Geschichte von den Anfängen bis zum Sprung nach England"


- 10. Oktober 2005: erneute Aufführung des Stückes im Historischen Museum Hannover für die Schülerinnen und Schüler der Hermann - Löns - Grundschule Langenhagen. Die gesamte Schule kommt im Rahmen eines Schulausflugs nach Hannover ins Museum, nach dem Theaterstück können sie das Museum erkunden, die dritten und vierten Klassen erhalten Führungen seitens des Museums.

 
Besonderheiten:
Das Projekt zeichnet sich besonders aus:

a) durch den fächerübergreifenden Ansatz, in dessen Zusammenklang das Leben dieser Herzogin der Renaissance den Kindern vermittelt wurde. Musik, Geschichte, Deutsch, Kunst und Darstellendes Spiel werden miteinander verwoben. Hierbei werden die verschiedenen Fähigkeiten und Begabungen der Kinder herausgefordert.
Zudem stellte sich heraus, dass die Kinder der Klasse hierbei ein brennendes Interesse für historische Fragestellungen entwickelten. Sie wollten begreifen, dass das Leben "... früher anders war". Dieses Interesse sprang offensichtlich auch in der Darstellung der Kinder auf die Besucher über- die Reaktion der zuschauenden Kinder war, dass sie konzentriert und aufmerksam über die Dreiviertel Stunde dem Geschehen folgten; auch stellte sich in den Gesprächen danach heraus, dass viele Kinder auch noch später von dem Stück und der Figur der Elisabeth erzählten. Eltern berichteten mir, dass ihre Kinder noch Tage später immer wieder das Elisabeth - Lied sangen und von dem gesehenen Theaterstück sowie dem anschließenden Besuch der Ausstellung des Museums erzählten.

b) durch eine als äußerst gelungene Kooperation mit dem Historischen Museum Hannover und den Freunden des Historischen Museums. Das Museum stellte neben den personellen Ressourcen und steter Gesprächsbereitschaft Räume, historische Fakten und über den Verein Gelder zur Verfügung. In der immer wiederkehrenden Neugier und Aufgeschlossenheit der Kinder der Klasse zeigte sich, welche Bedeutung der äußere Rahmen für die Vermittlung von Inhalten besitzt. Die Aufgeschlossenheit und Anteilnahme der Ansprechpartner des kooperierenden Museums und dessen Vereins haben offensichtlich das Empfinden und die innere Einstellung der Kinder zum Museum als Bildungsort nachhaltig und positiv beeinflusst.

Aber das Entscheidende - und was das wirklich Besondere des Projektes ausmacht - ist:
Die Anforderung für die Kinder einer zweiten Klasse war extrem hoch und die Leistungen der Kinder lagen weit über dem, was im schulischen Alltag von Zweitklässlern erwartet wird.

Diese Anforderung setzte sich aus Folgendem zusammen:

1. Der Termindruck: Die Probezeit von Mitte Februar/ Anfang März bis Ende Mai war extrem kurz, dazwischen lagen noch die Osterferien und Arbeiten mussten auch geschrieben werden.

2. Die inhaltliche Anforderung: Vieles war für die Kinder schwer nachzuvollziehen so Aspekte wie die der Reformation oder der Glaubenskriege. Jedoch zeigte sich, dass sich in der Beschäftigung hiermit die Kinder durchaus ein Verständnis hierfür aufbauten und ein offensichtliches Interesse für historische Fragestellungen herausbildeten.

3. Die sprachliche Anforderung: Das Textbuch ist sehr umfangreich, 36 Seiten reiner Text der gelernt sein will. Dazu kommt das Training hin zu einem lauten, exakten Sprechen und einer klaren Diktion.

4. Die psychische und emotionale Belastung während der Proben und der Aufführung: Das Theaterstück besitzt eine Spielzeit von 45 Minuten. Die Darstellerin der Elisabeth war während der 45 Minuten fast ständig auf der Bühne und hatte in fast jeder Szene einen langen Sprechtext zu bewältigen. Eine enorme Leistung für eine Zweitklässlerin! Die Szenenwechsel erfolgen sehr schnell, insgesamt besitzt das Stück ein hohes Tempo. Dies gilt von jedem einzelnen durchzuhalten und es gilt Präsenz zu bewahren. So auch bei der Aufführung: Hintereinander in heißer Mittagssonne eine Dreiviertel Stunde (mit kurzer Pause) vor 300 bis 400 Kindern zu spielen wäre auch für einen Erwachsenen äußerst anstrengend. Dazu noch zu singen. Jedoch, all dies hat unglaublich gut geklappt. Kein Zittern, Ängste wurden in Sprache und Bewegung umgesetzt, Patzer gab es keine nennenswerten. Zum Schluss wurden nur die Gesangsstimmen etwas leiser. Hinzu kam die Anstrengung der beinah täglichen Proben in der Schule- doch wuchs durch die Anforderung auch der Durchhaltewillen, der zu

5. führte: Der Selbstdisziplin und der Wille zum Gelingen des Stückes.
Wer Zweitklässler kennt weiß, dass sie eine ungeheure Energie und Quirligkeit besitzen können. Eine Energie, bei der viele der Kinder noch nicht wissen, wie diese kanalisiert werden soll. Doch waren die Anforderungen in diesem Projekt so gestrickt, dass die Kinder in Anbetracht der nahenden Aufführung sämtliche Kräfte sammelten und konzentriert und diszipliniert miteinander spielten. Den Kindern ist bei der Arbeit deutlich geworden, dass sie diese oben genannten Schwierigkeiten wie ungenaue Sprache oder ein Herausziehen aus dem Geschehen überwinden müssen, um das Gelingen des Stückes willen. Und dieser Wille ist einerseits durch die hohe Anforderung des Stückes, aber auch entscheidend durch das Interesse der Kinder für das historische Thema herausgefordert worden.
Wahrscheinlich war es dieses erwachte kulturelle Interesse sowie der Forderung der Kinder das Entscheidende, das zum Erfolg und zum Gelingen des Stückes beigetragen hat: Eine hohe Herausforderung der Kinder, die in einen anspruchsvollen kulturellen Kontext gebettet ist, an dem die Kinder ihre Erfahrungen und ihre Bildung bereichern können.
Und dies trug dazu bei, dass die Kinder an diesem Stück und ihrer Beschäftigung an den Inhalten so gewachsen sind, dass man dies in einem fortwährenden, aufgeschlossenen Interesse für viele Anregungen und einem Leistungswillen der Kinder immer noch spürt.

Und diese pädagogische Nachhaltigkeit des Projektes sowie die hohe Leistung der Kinder, die auf der Beschäftigung mit einem kulturellen, anspruchsvollen Thema beruht, zeichnen dieses Projekt besonders aus.

 
Probleme und Lösungen:
Die zentrale Schwierigkeit stellte sich gleich zu Beginn der Projektkonzeption: Wie gestaltet man einen Stoff aus rein historischen Rechercheergebnissen über das Leben einer Frau der Reformation als Kindertheaterstück - wobei dazu noch das Leben der Renaissance - Herzogin an zuschauende Kinder angemessen vermittelt werden soll?
Bei den Überlegungen hierzu wurde sehr schnell deutlich, dass sich auf den ersten Blick die Stofffragmente (Hexenverbrennung, Reformation, Glaubenskriege) eigentlich nicht als Stoff für ein Kindertheaterstück anbieten- und schon gar nicht für die Umsetzung mit Schülern einer zweiten Klasse.
So wurde nach Lösungsansätzen gesucht, worum sich die Geschichte der Elisabeth ranken sollte. Sollten zwei Kinder eines Waisenhauses das Leben der Herzogin nacherzählen? Sollte der Ausgangspunkt bei der Gründung von Schulen liegen?
Schnell kamen wir überein, dass das dramaturgische Zentrum etwas für die Kinder Greifbares, Beobachtbares sein muss. So gelangte die Konzeptionsgruppe gedanklich zu dem Bild der Herzogin, welches das Museum jüngst erworben hatte. Als äußerst weiterführend hatte sich dann der erste Besuch der Kinder im Museum gezeigt, wo den Kindern das bis zur Ausstellungseröffnung nicht der Öffentlichkeit zugängliche Bild der Elisabeth gezeigt wurde. Die Fragen der Kinder nach diesem Bild und nach dem Leben der Elisabeth in ihrer Zeit bilden neben den historischen Fakten den Grundstock für die Formung des Theaterstücks. Als sich im Zuge der Recherche dazu noch herausstellte, dass Elisabeth zu ihrer Hochzeit einen Narren geschenkt bekommen hatte, konnten die bruchstückhaften Fragmente erfolgreich zusammengesetzt werden.
Den inneren Fortlauf des Stückes treiben somit die Fragen und die Neugier der Kinder an, aus dem Impuls heraus, dass sie immer mehr über diese Elisabeth erfahren wollen. Der Narr führt als Erzähler durch die komplexe Handlung sowie durch die Biographie der Herzogin. Aber der äußere Rahmen wird durch die wiederkehrende Auseinandersetzung mit dem Elisabeth - Bild des Museums gewahrt.
 
Anekdotisches:
Je näher der Kirchentag rückte, desto deutlicher wurde, welch ein Andrang von Besuchern zu erwarten war. Die Straßen rund um das Museum wurden gesperrt, die S - Bahn setzte Sonderzüge ein. Als Klassenlehrerin wurde ich doch etwas nervös und fragte mich: Wie bekomme ich meine Klasse heil und vollständig durch das Gewimmel von Tausenden von Menschen?
So besann ich mich auf folgende alte Pfadfindertricks:
1. Wir brauchen eine Fahne- an der können sich die Kinder auch im größten Gewimmel orientieren.
2. Alle halten sich an einer langen Schnur fest. So lässt kein Kind seinen Nachbarn los.
So zogen wir dann am Morgen des 26. Mai durch die menschenüberfüllten Straßen Hannovers- eine lange Kette von Zweitklässlern eine feste Schnur in der Hand haltend und einer flatternden Fahne folgend - auf der unsere Elisabeth von Calenberg leuchtete.