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"Der Stein beginnt zu reden" - Denkmalprojekt
 
Schule:
Kaiser-Heinrich-Gymnasium
Altenburger Straße 16
96049 Bamberg
Tel.: 0951 / 95 20 20 0
Fax: 0951 / 95 20 20 50

Gymnasium
 
Kooperationspartner:
Kaiser-Heinrich-Gymnasium, Altenburger Str. 16, 96049 Bamberg
JBACH-DENK-MAL-Stiftung - Heide Jbach
Tannenstraße 8, 96120 Bischberg/Bamberg
Tel.: 0951/ 68 037

Stiftungsziel: Denkmalpflege (Forschung - Wissenschaftspreis - Entwicklung eines Denkmalbewußtseins bei jungen Menschen)

 
Beteiligte Schüler:
Ca. 150 unterschiedliche Schüler bei verschiedenen Aktivitäten
Jahrgangsübergreifend aus den Klassen 6-11
Bezogen auf das Denkmalprojekt: Schüler sämtlicher Jahrgangsstufen in Orchester, Theater und mit speziellen Beiträgen in diversen Fächern: z. B. Latein/Griechisch, Biologie, Deutsch, Kunst, Musik, Geschichte u.a.m.
 
Beteiligte Lehrkräfte:
10 Lehrkräfte: ca. ein Viertel des Kollegiums [Latein, Griechisch, Biologie, Chemie, Natur & Technik, Geschichte, Deutsch, Kunst, Musik, Theater-AG]
 
Stundenvolumen:
Das Stundenvolumen ist rechnerisch nicht zu erfassen, allerdings eröffnet ein Blick auf den Umfang der Internetpräsentation "www.apfelweibla.de" die Dimension des Stundenaufkommens. Freiwillige Sonderschichten von Schülern und Lehrern, die sich voll für Ihr "zusätzliches" Interesse einsetzen, sind schwer aufzuführen.
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
„Der Stein beginnt zu reden“ - dieses Zitat aus dem Schauspiel „Mutter Courage und ihre Kinder“ von Bert Brecht umschreibt genau die Zielsetzung des Schulprojekts der JBACH-DENK-MAL-STIFTUNG mit dem Kaiser-Heinrich-Gymnasium in Bamberg. Das Projekt greift die enge Verknüpfung von Umwelt, Kultur und ästhetischer Bildung für Schüler auf und stellt dabei das „Denkmal und die Denkmalpflege“ in den Mittelpunkt. Die Schüler beschäftigen sich inhaltlich und praktisch mit dem Thema und übernehmen Patenschaften für gefährdete Denkmäler ihrer Heimatstadt Bamberg.
Die nächste Generation soll in die Verantwortung für unsere Umwelt und unser kulturelles Erbe ganz praktisch mit eingebunden werden. Junge Menschen müssen frühzeitig die materielle und ideelle Bedeutung von Denkmälern als unverzichtbarem Teil unserer Geschichte, unserer Kultur und unserer Umwelt begreifen. Wenn die Schüler im Sinne der ästhetischen Bildung für diese Idee sensibilisiert werden, fällt es ihnen leichter, sinnvoll und verantwortlich den Gedanken des nachhaltigen Schutzes unseres historischen Erbes aufzunehmen und weiterzuführen. Gerade mit der Übernahme von Patenschaften entwickeln die Schüler durch ihr intensives Engagement Eigenverantwortung, und über den Weg der ganz persönlichen, aktiven Schöpfung von Geldmitteln für die Restaurierung von Denkmälern lernen sie, die Schwierigkeiten der Finanzierung von dringend nötigen Maßnahmen kennen, auch dass man nicht einfach immer nur nach öffentlichen Mitteln rufen kann. Für sie gewinnt der Einsatz - speziell auf dieser finanziellen Ebene - einen besonderen Erfahrungswert. Sie lernen, dass sich Engagement lohnt und Freude machen kann.

Umsetzung des Projekts
Das Schulprojekt läuft seit drei Jahren und wird fortgesetzt, denn für seinen nachhaltigen Erfolg muss Zeit zum Wirken bleiben; viele kurzfristige Aktionen, die nach dem Prinzip der "Streusandbüchse" initiiert werden, geraten schnell wieder in Vergessenheit. Nur in der Langzeitwirkung kann die Bildungsidee dieses Schulprojekts umgesetzt und verankert werden.
Im Zentrum des Projekts stehen Denkmalpatenschaften:
1. Rotenhansche Marter von 1501 (Schuljahr 2002/2002)
2. Bamberger Kreuzweg von 1503 (Schuljahre 2002-2004)
3. Kaiserportal des Kloster Michelsberg von 1744 (ab Schuljahr 2004/2005)

Die Aktivitäten der Schüler sind auf drei Punkte focussiert:
a) die inhaltliche und praktische Auseinandersetzung mit den Patenobjekten
b) die Finanzierung von Maßnahmen zur Instandhaltung der Patenobjekte
c) die Motivation der Bürger Bambergs zum Engagement im Sinne eines Schneeballeffekts

Inhaltliche Auseinandersetzung mit den Patendenkmälern:
Geisteswissenschaften: Das Zusammenwirken der Fächer Geschichte, Kunst, Geographie und der Sprachen (Deutsch, Leitein, Griechisch) ermöglicht die Quellensuche, die Übersetzung von Inschriften und das Aufspüren von Restaurierungsfehlern.
Naturwissenschaften (Biologie - Chemie- Physik - Geologie): Die Schüler erkennen an ihren Patenobjekten das Zusammenspiel von Natur und Kultur und beschäftigen sich mit den Ursachen von Zerstörungen am Denkmal, mit Lösungen zur Vermeidung von Umweltschäden, mit Restaurierungsmöglichkeiten, mit Materialien und Techniken.

Praktische Auseinandersetzung mit den Patendenkmälern:
Es findet eine Verknüpfung des im Unterricht vermittelten theoretischen Wissen mit der Praxis statt. Dies geschieht durch Besichtigungen der Patendenkmäler, durch den Besuch von Fachfirmen in der Denkmalpflege (Steinbruch, Restaurierungsbetrieb, Bildhaueratelier, Architekturbüro). Es ergibt sich eine naturgemäße Zusammenarbeit mit zahlreichen Institutionen, wie Lehrstühlen der Universität Bamberg (Geographie, Volkskunde, Denkmalpflege), dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, dem Denkmalamt der Stadt, dem Staatsarchiv und der Staatsbibliothek Bamberg sowie mit mehreren Vereinen in Bamberg.
Der pädagogische Erfolg beruht in hohem Maße auf der Durchführung der Arbeit im klassen- und fächerübergreifenden Unterrícht mit besonders motivierten Schülern, wirkt sich aber durchaus auch anregend auf die gesamte Schülerschaft aus.

Finanzierung von Maßnahmen zur Instandhaltung der Patenobjekte:
"Geldmittelbeschaffung" erfordert Ideen, Engagement und viel Fleiß. Beispiele der Schüleraktivitäten: Tombolas - Flohmärkte - Verkauf von Autoaufklebern, Lesezeichen, Süßholzproben - Benefizveranstaltungen (Theater, Konzerte) - genehmigte Haussammlungen - Sammlungen bei schulischen Veranstaltungen - Spenden - Preisgelder - Erlöse bei Geburtstagen und Jubiläen).

Motivation der Bürger Bambergs
Ein zentrales Anliegen des Projekts ist es, Anstoß und Motivation für weiteres bürgerliches Engagement in der Stadt und im Landkreis Bamberg zu sein. Durch intensive Öffentlichkeits- und Pressearbeit, den Auftritt im Internet (www.apfelweibla.de), die Vorstellung des Projekts bei zahlreichen Gelegenheiten und aus diesem Engagement heraus gewonnene Preise konnte dieses Ziel weitgehend realisiert werden.

Öffentlichkeitsarbeit in der Denkmalpflege ist zugleich wichtige Bildungsarbeit für alle Bürger.

Zusammengefasst: Die Schüler sollen durch ihre Aktivitäten zur Reflexion der gegenwärtigen Situation, der Probleme und ihrer Ursachen angeregt werden. Dadurch sollen sie selbständig Lösungsansätze finden, praktisch handeln, Selbstvertrauen gewinnen und damit eine Bereicherung ihrer eigenen Persönlichkeit erfahren. Schule und Stiftung sind sich einig, dass viele Schüler sich für das Motto des Projekts öffnen: "Der Stein beginnt zu reden".

Im Rahmen dieses Projekts möchten Schule und Stiftung außerdem aufzeigen - auch gedacht als Motivation und Ermutigung für weitere "leidenschaftliche" Denkmalschützer", - dass es möglich ist, selbst mit geringen Mitteln, aber guten Ideen, großem Engagement und mit besonderer Motivation "Berge zu versetzen" und Denkmäler vor Ort zu erhalten.
Mit dem 1. Oktober ist die Patenschaft für das 3. Patenobjekt, "das Kaiserportal am Kloster Michelsberg" gestartet worden. Diese dritte Patenschaft muss im Zusammenhang mit dem gesamten Schulprojekt gesehen werden.
(Zusätzliche Informationen können wir gerne zur Verfügung stellen. (CD's, Mappen, Power-Point-Vorträge, Facharbeiten)

 
Projektauslöser/Idee:
Die Idee kam von der JBACH-DENK-MAL-Stiftung. Langjährige Erfahrungen der Vorsitzenden im Bereich ihrer beruflichen Arbeit in Schule und Denkmalpflege und bei der Erziehung von drei Kindern haben sie gelehrt, wie wichtig es ist, jungen Menschen den Zugang zu Kunst und Kultur im weitesten Sinne zu ermöglichen und auf dem Gebiet der ästhetischen Bildung in jeder Hinsicht und Bedeutung Brücken zur nächsten Generation zu spannen. Für die Stiftung bezieht sich dieser Gedanke ganz speziell auf das Thema Denkmalpflege und hier „zum nachhaltigen Schutz kulturellen Erbes“. Die Vorsitzende wandte sich an das Kaiser-Heinrich-Gymnasium in Bamberg, stellte dort ihre Idee mit einem vorläufigen Konzept vor. Der Direktor und vor allen Dingen die beiden jetzt in erster Linie beteiligten Projektlehrer griffen die Idee sofort auf und verstanden in hervorragender Weise, Schüler für das Projekt zu motivieren.
 
Projektentwicklung:
Die Zusammenarbeit von Schule und Stiftung sah zunächst die Motivation der Schüler vor. Dies geschah durch die Besichtigung von Fachbetrieben, durch Kontakte zu Behörden (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalamt der Stadt Bamberg)und mündete bald in eine intensive inhaltliche und praktische Beschäftigung mit dem Thema Denkmalpflege in unterschiedlichen Fächern.
So konnte bald eine erste Denkmalpatenschaft (Rotenhansche Marter) in Angriff genommen werden. Hauptsächlich durch ein Benefizkonzert konnte die Restaurierung des Denkmals gesichert werden. Ermutigt durch den Erfolg wagten Schule und Stiftung die Übernahme einer zweiten, ungleich umfangreicheren Patenschaft (Bamberger Kreuzweg, gestiftet 1503). Er handelt sich um den ältesten vollständig erhaltenen Kreuzweg in Deutschland, der sich noch im Original am ursprünglichen Standort befindet, ein Zeichen der heute noch lebendigen Volksfrömmigkeit in Franken. Es gelang, den Erzbischof und Oberbürgermeister von Bamberg als Schirmherren der Patenschaft zu gewinnen. Die Schüler brachten mit Hilfe der Stadt und der Bürger € 51.000 auf, bekamen auf Grund dieser beachtlichen Leistung noch einmal € 51.000 von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt(DBU)und € 15.000 von der Messerschmitt Stiftung, die ebenfalls mit diesem Zuschuß das beeindruckende Engagement der Schüler belohnte. Ohne das Engagement der Schüler wäre „der Stein nicht ins Rollen gekommen“ und der Kreuzweg würde weiterhin im Verborgenen zerfallen.
- Die offizielle Übergabe und Weihe des Kreuzwegs wird nach der vollständigen Fertigstellung am 5. April 2005 stattfinden.
Aufgabe der Schule ist die fachliche und inhaltliche Betreuung, nicht zu unterschätzen die Motivation der Schüler.
Aufgabe der Stiftung ist die Koordination der Projekte, die Vermittlung des fachlichen Netzwerks, Unterstützung und Finanzierung von Aktionen (Räume für Benefizveranstaltungen, Belohnungen für besondere Einzel- und Teamleistungen, Messebesuch - Denkmal 2004) und jegliche nur mögliche Hilfe und Unterstützung.
Diese Unterstützung entspricht den Zielen und dem Bildungsauftrag der Stiftung.

 
Besonderheiten:
a) Die Dauer des Projekts (seit 2001) zum Nutzen des nachhaltigen Bildungserfolgs
b) die Vielseitigkeit (Beteiligung zahlreicher Fächer, Einbeziehung zahlreicher Institutionen)
c) umfassender pädagogischer Effekt im Sinne der Persönlichkeitsbildung
d) persönliches Engagement der Schüler zur Geldmittelbeschaffung für ihre Patenobjekte
e) Schneeballeffekt: Motivation von Bürgern und Institutionen durch das Engagement der Schüler
f) Wirkung der Patenprojekte in der Öffentlichkeit
g) breite Bildungsarbeit für die Denkmalpflege und zum nachhaltigen Schutz kulturellen Erbes.
 
Probleme und Lösungen:
Das Problem der 1. Denkmalpatenschaft bestand darin, dass man sich nicht auf Erfahrungen aus vergleichbaren Projekten andernorts stützen konnte. Daher war es sinnvoll, eine Maßnahme zu wählen, deren Durchführung nur etwa 1.000,- Euro kostete. Der Erfolg des ersten Jahres verlieh den Schwung, sich an ein größeres Problem zu wagen - es war trotzdem der Aufbruch zu einer Reise mit unbekanntem Ziel. So erschien das ursprünglich gesteckte Ziel, in einer 2. Patenschaft eine Station des Bamberger Kreuzwegs restaurieren zu lassen, zunächst unerreichbar, doch wirkte das Schülerengagement so ansteckend, dass auch die Kommune und Stiftungen als Geldgeber gefunden werden konnten - in nur zwei Jahren war die Gesamtmaßnahme finanziert!
Trotzdem stehen die Schüler mit dem Beginn des Schuljahres 2004/2005 mit ihrem 3. Patenprojekt, dem Kaiserportal am ehemaligen Kloster Michelsberg, wieder genauso am Anfang - allerdings um die Erfahrung reicher, dass mit viel Mut, Freude und unermüdlichem Engagement zahlreiche kleine Geldbeträge gesammelt werden können, die sich irgendwann zu einer größeren Summe addieren lassen. Für den Sommer 2005 ist eine große öffentliche Veranstaltung rund um Denkmäler geplant. Neben der Information zum Thema - breit angelegt - soll der Erlös der Aktivitäten einen Teil der Restaurierungskosten für das Kaiserportal einbringen. Durch die hervorragende Arbeit der beiden hauptverantwortlichen Projektlehrer ist der zündende Funke übergesprungen und motiviert die Schüler in erstaunlicher und ermutigender Weise. Zur Zeit beginnt eine zweite Schülergeneration, sich mit Begeisterung an dem Projekt zu beteiligen.
 
Anekdotisches:
Schüleräußerungen:
- Nico(12 J.): "Im Dezember 2004 wurden wir sogar vom Erzbischof eingeladen, um ihm unser Projekt (Restaurierung des ältesten vollständig erhaltenen Kreuzweges) zu erklären."
- Simon (12 J.): "Der Erzbischof gab uns eine kleine Führung durch den Dom. Nicht viele Leute waren so nahe an dem Papstgrab oder dem Bischofsstuhl wie wir!"
- Eva-Maria (17 J.): "Ich fand es besonders cool, dass wir schon zwei Mal vor einem Fachpublikum referieren durften - und jedes Mal hatten wir äußerst interessierte Zuhörer."

Das eindrücklichste Erlebnis aus der Geschichte des Projekts war die Einladung zur Sommerakademie für Denkmalpflege in Marienthal, veranstaltet von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt(DBU) im Juli 2003. Sechs Schüler, die beiden Projektlehrer und die Vorsitzende der Stiftung durften das Projekt "Der Stein beginnt zu reden" vor einem großen internationalen Fachpublikum vorstellen. Die Schüler stellten ihr Projekt mit so viel Kompetenz, Bescheidenheit und Charme vor, dass eine spontane Sammlung für das aktuelle Projekt "Bamberger Kreuzweg" € 650 einbrachte. Dazu kam noch die Zusage des Generalsekretärs der DBU: "Wenn die Schüler die Finanzierung von drei Reliefs sicherstellen, übernimmt die DBU die Finanzierung der restliche drei Reliefs. Einzige Bedingung: Der Antrag muss in lateinischer Sprache verfasst sein." Das war die leichteste Aufgabe!
Für alle Beteiligten waren die Tage im Kloster Marienthal in Sachsen unvergesslich und eine Motivation, sich auch weiterhin für ihre Patenobjekte zu engagieren. Ein Folge dieses Erfolges in Marienthal war das wachsende Interesse von zahlreichen weiteren Schülern, die sich nun auch für die Patenobjekte einbringen wollen. So hat das vorbildliche Engagement des Denkmalteams Schule gemacht.