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"Die Odyssee. Ein Kinderspiel"
 
Schule:
Grundschule an der Marie
10405 Berlin
Christburger Straße 7
030/902953040

Grundschule
 
Kooperationspartner:
KUKI-Kunstkurse für Kinder und Erwachsene, Berlin/Prenzl.Berg
Ansprechpartner: Susanne Heubaum
Hosemannstr. 60, 10409 Berlin
Tel.: (030)42857062
 
Beteiligte Schüler:
20
Klasse 6a der 5. Grundschule im Prenzlauer Berg Berlin, Jahrgang 2003/2004
 
Beteiligte Lehrkräfte:
2; Deutsch, Mathematik, Englisch, Musik Kunst
 
Stundenvolumen:
2 Projektwochen (a 5 Tage)
wöchentl. 4 Std.
von Nov.2003 bis 1. Juni 2004
(außer in der Ferienzeit und an schulfreien Tagen)
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Das Projekt ist ein Theaterprojekt und hieß in diesem Falle "Die Odyssee. Ein Kinderspiel". Es dient in seiner grundsätzlichen Form dazu, Unterrichtsstoff zu veranschaulichen und zu vertiefen, den Kindern einen eindrucksvollen und für sie unvergesslichen Abschluss ihrer Grundschulzeit zu geben und ihnen durch das Entdecken und Fördern von Talenten und in ihnen schlummernden Möglichkeiten die Fähigkeit zu vermitteln, zu wissen, was sie wollen und können und ihnen so einen guten Start in das Jugendalter mit deutlich schwererem Schulstoff und vielen noch ungeahnten Schwierigkeiten zu ermöglichen.
Das Projekt war integriert in den Unterricht und somit Bestandteil dessen.
Die Kinder lernten verschiedene handwerkliche Techniken kennen beim Entwerfen und Bauen von Bühne, Requisiten, Kostümen, bei der musikalischen Gestaltung, Geräuschuntermalung, Lichtausgestaltung
und so weiter.
Mit allen Kindern, insbesondere denen, deren Schwerpunkt im Projekt das Schauspielen war, wurden Stimm- und Bewegungsübungen gemacht sowie Improvisationsspiele, die nicht nur wichtige Fähigkeiten für das Schauspielen trainieren sollten, sondern zugleich die eigene Persönlichkeit entwickeln und stärken helfen sowie die soziale Kompetenz innerhalb der Klasse fördern.
Diese Übungen ermöglichen dem Spielleiter außerdem direkte Bezugnahme auf aktuelle und länger währende Konflikte innerhalb der Klasse, ohne dass dies vordergründig und plakativ geschehen muß.
Durch das gemeinsame Entwickeln einer Inszenierung verändert sich erfahrungsgemäß die soziale Struktur in der Klasse im positiven Sinne.
Außerdem war eines der wichtigsten Punkte des Projektes, dass durch das sinnliche Erlebbarmachen von Unterrichtsstoff die Kinder aus eigenem Antrieb und über die Entdeckung ihrer Fähigkeiten lernten und bereit waren, Schwierigkeiten zu überwinden und über die Selbsterfahrung zu Ergebnissen kamen.
Die Mitarbeit der Lehrerinnen und Eltern bei diesem Projekt hatte einen großen Stellenwert.
"Die Odyssee. Ein Kinderspiel" entwickelte sich aus einer anfänglichen, zweiseitigen Vorlage für Sketche hin zu einem kompletten Stück über die "Odyssee" und ihre Figuren und Themen, die bei näherem Besehen für uns immer noch und zeitlos aktuell sind und gerade heute regelrecht Brisanz haben. Bitte lesen Sie dazu auch die Spalte "Projektentwicklung", die Bemerkungen des Autoren sowie den Abschnitt "Besonderheiten", da erst über die Entwicklung dieses, in seiner Form erstmaligen, Projektes klar wird, welche Bedeutung es hat.

Bemerkungen des Autoren:
>>Die „Odyssee – ein Kinderspiel“ entstand aus der Sicht des Autoren zufällig. An der Berliner V. Grundschule „An der Marie“ gab es offenbar die Idee, als abschließenden Höhepunkt für eine 6. Klasse, deren Kinder diese Schule bald verlassen würden, ein Theaterstück mit den Kindern für die Eltern aufzuführen.
Eine gut anderthalb seitige Vorlage war vorhanden und liebäugelte gewiss mit dem modernen Improvisationstheater und seinen zweifellos positiven Erfahrungen theaterpädagogischer Arbeit.
Die Sprödigkeit des Stückeschreibers, der sich zurecht gegen seine eigene Überflüssigkeit wehrt, veränderte die Situation dahingehend, dass theaterpädagogische und rein vergnügliche Absichten angereichert werden sollten mit der Verarbeitung von Schulstoff. Es ging nicht zuletzt darum, die angelernte Materie griffiger, einfach erlebbarer zu machen. So entstand das Stück anfänglich mittels vorsichtiger Vorgaben parallel zu den Proben und der Beobachtung, inwiefern die Kinder sich mit den ihnen allerdings zunächst eher fremden Angelegenheiten der Homerschen Odyssee anzufreunden vermögen. Die Idee des modernen Reporters wurde von der Initiatorin übernommen und als Anker genutzt, Fragestellungen zur Vergangenheit moderner aus der Gegenwart zu stellen. Nun, zunächst wollte ein jeder Reporter sein. Niemand wollte den Odysseus darstellen, niemand den drangvollen Telemachos, niemand die bedrängte Penelope. Improvisationstheater in klassischer Form war beim besten Willen nicht möglich, denn offenkundig war nicht im Erfahrungsschatz der Kinder, was erst mit dem Stück hineingeraten könnte.
Was also wäre unseren Kindern zugänglich? Klar war: sie pubertieren. So war ein erster Gedanke, eine Art „Initiationsritual“ nahe zu bringen: „Telemachos wird erwachsen!“ Damit war die Linie gegeben. Es ging nicht um eine Art dramatisches Theater, auch nicht um Improvisationstheater (im Sinne der reinen Improvisation der Akteure). Es ging um Themen und Typen. Die agierenden Spieler vollzogen keine eigene Entwicklung, sondern standen als Protagonisten für auch heute jedem und auch Kindern dieses Alters nachvollziehbaren so oder so gepolten Leidenschaften: Habgier und Misstrauen etwa, Liebe, Drogensucht…
Das Stück ist angelegt als Bilderbuch. So ranken sich die einzelnen und irgendwie ja auch willkürlich ausgewählten Szenen aus der originalen „Odyssee“ um das Mittelstück einer gauklerischen Moritat, in der die anderen 6 Szenen im Fokus zusammengedrängt erscheinen, auch die nachfolgenden drei.
Da es sich um eine Schulklasse handelte, einen festen Verband, nicht um eine aus Interesse zusammengefundene Theatergemeinde, war es von großem Vorteil, die allfreitags gespendete Unterrichtszeit für verschiedene Bereiche des Theatermachens: Schauspiel, Bühnenbild und Kulissenbau, Musik- und Geräuschemacher, Dokumentation nutzen zu können und die Kinder variabel je nach Begabung und Laune jeweils dort frei agieren zu lassen.
Mit Spannung konnte man verfolgen, wie sich die Kinder dem Stoff näherten, neugieriger wurden, Details wissen wollten über Kleidung etwa, Nahrung, Alltagsleben also. Zunehmend schien deutlich zu werden, wie Hemmungen, womöglich Verhaltensstörungen „sich abbauten“. So fiel auf: ein recht Verschlossener wurde offener und fröhlicher, einer, der häufig stotterte, sprach plötzlich Text frei…
Der lebendige Prozess des Entstehens des Stückes, der Regie, des Bühnenbaus, der Musik in interaktivem Austausch mit den Kindern hat sich hier bewährt und formuliert auf eigene Weise Improvisatorisches, Theaterpädagogisches sowie Vertiefung von Bildungsinhalten.<<

 
Projektauslöser/Idee:
Die Idee des Projektes entstand, als die neu gegründete Kunstschule für Kinder und Erwachsene in Berlin-Prenzlauer Berg (KUKI) an zwei Kunstlehrerinnen, Frau Arndt u. Frau Sudhoff, von der der Kunstschule gegenüberliegenden 5. Grundschule im Prenzl. Berg herantrat mit dem Angebot, ein gemeinsames Projekt zu machen, um als Kunstschule im Kietz bekannt zu werden und zugleich ein Wirkungsgebiet ihrers Konzeptes, nämlich die Arbeit an Schulen, zu verwirklichen.
Relativ schnell einigte man sich auf das Thema Griechische Antike und die Erarbeitung einer Theateraufführung als krönenden Abschluß eines das gesamte letzte Grundschuljahr der damaligen 6a umfassenden Theaterprojektes.
Die Griechische Antike war Unterrichtsstoff, fächerübergreifend ausführlich behandelt und von den Kindern mit Begeisterung und Vehemenz bearbeitet worden.
Die Kinder hatten bei der Entscheidung, welche Form das Projekt haben sollte und welchen Inhalt ob dieser anhaltenden Begeisterung und des großen Interesses wesentlichen Anteil.
Aus dem Gesamtstoff der Griechischen Antike nun die "Odyssee" auszuwählen war die Idee der Initiatoren von KUKI, zugleich mit der anfänglichen Vorstellung einer Art Aneinanderreihung von Sketchen, die durch einen roten Faden - die Schiffsreise - und einen Bezug zum Heute - Reporter, die davon berichten - zusammengehalten werden sollte.
Aber es kam anders!
 
Projektentwicklung:
Wichtig ist eines vorwegzunehmen:
Die beiden Leiterinnen der KUKI-Kunstschule und die freien Mitarbeiter, die bei dem "Odyssee"-Projekt mitarbeiteten, taten dies ohne Entlohnung und betrachteten dies als ein Pilotprojekt - das, so es gelang und sich durchsetzen ließ - fortlaufend an dieser und anderen Schulen jedes Jahr neu mit wechselnden Themen und auch Formen gemacht werden sollte. Nur deshalb (!) konnte dieses Projekt so intensiv und ausführlich, mit allen Gewerken, die an einer Theateraufführung beteiligt sind, mit allem Drum und Dran, gestaltet werden. Nicht zu vergessen die engagierten Eltern und Lehrerinnen, die wesentlich zum Erfolg dieses Projektes beitrugen. Geld war für so etwas schlichtweg nicht vorhanden.
Anfangs also wollten wir die "Odyssee" mittels einer Textgrundlage, auf der lediglich grob die einzelnen Szenen erläutert werden, als Improvisationstheater und als eine im Grundton heiter- vergnügliche Aneinanderreihung von Sketchen erzählen, die die bekanntesten Stationen der Irrfahrt beschreiben. Die Schiffsreise des Odysseus sollte als roter Faden dienen, Reporter, die diese Episoden einrahmend und kommentierend begleiten und direkten Kontakt zum Publikum haben, sollten den Bezug zum Heute herstellen und das Ganze aktualisieren.
Die Klasse wurde in zwei Gruppen aufgeteilt, eine war für Bühne und Kostüme verantwortlich, die andere für den Schauspielteil.
Die "Erwärmungsübungen" und Bewegungs- und Stimmtraining machten anfänglich alle Kinder mit, meist auch die Improvisationsspiele, die naturgemäß sehr beliebt sind und einen teamfördernden, persönlichkeitsstärkenden Charakter haben können.
Je weiter das Projekt fortschritt vermischten sich die anfänglichen Gruppen immer mehr, so dass zum Schluss die meisten der Kinder sowohl am Bühnen- und Requisitenbau, an der Anfertigung der Kostüme und an der musikalischen Gestaltung als auch schauspielerisch beteiligt waren. Es kam vor, dass Kinder, die anfänglich z.B. im Schauspiel waren, sich während der Projektzeit darüber klar wurden, dass ihnen das Gestalten der Bühne oder die musikalische Einstudierung mehr zusagt und die dann wechselten.
Zusammenfassend kann dazu gesagt werden, dass die Kinder im Laufe des Projektes ausnahmslos alle die Möglichkeit hatten - und nutzten - ihre Begabungen und Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln.
Anfangs also hatten wir diese Sketchvorlage. Schnell wurde mir (als die mit der schauspielerischen Einstudierung beauftragte Schauspielerin) klar, dass ich mehr möchte und irgendwie unzufrieden mit dieser Idee bin. Ich konnte einen befreundeten Autoren dafür begeistern, mir anhand der "Odyssee" einige Dialog-Szenen zu schreiben, die ich wiederum als Improvisationsgrundlage nutzen wollte. Nun nahmen die Dinge ihren Lauf:
Der Autor, der anfangs immer auch bei den Proben anwesend war und so die Klasse und die einzelnen Spieler kennenlernte, konnte schließlich "nicht anders" und schrieb ein komplettes Stück mit dem herrlich mehrdeutigen Titel "Die Odyssee. Ein Kinderspiel"
Anfangs lasen wir bei Beginn jeder Theaterprobe einen ausgewählten Abschnitt aus der "Odyssee" gemeinsam und sprachen dann mit den Schülern darüber. Im Anschluß improvisierten wir. Als Szene für Szene der Text des Autoren hinzukam, lasen wir die passenden Originalstellen und gingen anschließend an die Szene, die wir zunächst wiederum gemeinsam lasen, um dann die Spieler erst einmal frei improvisieren zu lassen, bevor sie sich an den festen Text heranwagen sollten. Übrigens, so fest war der Text gar nicht, denn da Spielleitung und Autor sich regelmäßig trafen und der Autor ja wie erwähnt zumeist anwesend war, hielt er oftmals im Text fest, was die Kinder während der Improvisation entwickelten. So also entstand Etappe für Etappe das Stück. Es behielt als Bezug zum Heute einen Reporter aus der alten Vorlage, der schließlich eine Funktion wie der Narr in manchen Shakespeare-Stücken bzw. teilweise wie ein Moderator, ein Moritatensänger innehatte und so als einziger alle "Narrenfreiheit": Er konnte in den jeweiligen Szenen ein- und ausgehen, den Kontakt zum Publikum halten, die "Odyssee" besingen und mittendrin eine Rollenfunktion übernehmen. Die Besetzung dieser wie überhaupt aller Rollen stand nicht von Anfang an fest, sondern entwickelte sich im Laufe der Proben, bis der ideale Spieler dafür gefunden war. Nun ging es um alle wichtigen menschlichen Themen, die in der "Odyssee" zu finden waren und zeitlos auch uns betreffen: Liebe, Verrat, Versuchung, Umgang mit Trauer und Tod, Umgang mit Gewalt, auch der Umgang mit sogenannter "höherer Gewalt", die unermüdliche Liebe zum Leben aller Widrigkeiten zum Trotz usw. usf.(Bitte lesen Sie zur Aussage des Stückes auch die in der Rubrik "Kurzbeschreibung des Projektes" mitgesendeten Zeilen des Autoren selbst!)
Wärenddessen entwickelte die andere Gruppe aus selbstangefertigten Vorlagen die Kostüme und das Bühnenbild, die Requisiten und machte sich Gedanken über das zu gestaltende Plakat und das Programmheft, die Musik und Licht und Geräusche. Dabei wie schon erwähnt kamen oft gerade nicht an einer Szene beteiligte Kinder der Schauspielgruppe hinzu und halfen bei der Gestaltung bzw. brachten ihre konkreten Ideen zum Aussehen ihrer Figuren mit. Je weiter die Inszenierung voranschritt, umso mehr Kinder übernahmen auch aus der Bühne-Kostüm-Abteilung kleinere Schauspielaufgaben. Zum Schluß hatte jeder Schüler mindestens ein kleine Rolle. Ungefähr in der Mitte der Projektzeit kam ein Musiker und Komponist hinzu, der gemeinsam mit der Spielleitung über Form und Inhalte der begleitenden Musik beriet. Wir wollten, dass die Kinder größtenteils die Musik und die Geräusche selbst machen, möglichst life auf der Bühne, was so dann auch geschah. Konkrete Vorschläge für Geräusche gab es bereits von einem anderen Tonspezialisten, nun machten wir uns gemeinsam mit den Kindern an die Verwirklichung. Eine Melodie für die vom Autor verfasste "Odyssee'ische Moritat" gab es ebenso bereits von jenem Tonspezialisten und wir gingen daran, mit der Reporterin/ der "Närrin" die Moritat einzustudieren. Zuvor hatte dieses Kind noch nie allein vor Publikum gesungen, wenn überhaupt. Nun tat sie es, mit Mikrofon gestaltete sie wunderbar einen Sologesang. Sie konnte singen und überraschte damit sich selbst und ihre Mitschüler. Der Art Erlebnisse gab es viele während dieser Zeit.
Gegen Schuljahresende, zur Aufführung hin, wurde es knapp. Das Projekt hatte eine ungeahnte Größe angenommen. Aber inzwischen waren viele Eltern und die Lehrerinnen so engagiert, dass das Inszenierungsteam immer wieder Freiräume bekam, mit den Kindern auch Einzelproben zu machen, ins Tonstudio zu gehen während des Sportunterrichtes beispielsweise, die Musikstunde für Gesangsproben zu nutzen, statt Englisch quasi praktischen Geschichtsunterricht usw. Gegen Ende war dieses Projekt Thema Nr. 1 der Schule und natürlich vor allem dieser Klasse und hatte absoluten Vorrang. Beispielhaft ist der Ausruf eines Schülers aus dieser Phase: "Was? Morgen haben wir keine Probe? Was sollen wir denn da machen?"
Erwähnenswert, wie sich im Laufe des Projektes die Klasse zu einem sozial vorbildlich funktionierenden Team entwickelte. Bei der Aufführung half jeder jedem, es ging Hand in Hand, alle zogen an einem Strang.
Erwähnenswert vielleicht auch noch, dass das Interesse der Kinder am Stoff in dem Maße wuchs, wie dieser anschaulich, sinnlich erlebbar wurde. Als beispielsweise der Webrahmen für Penelope gebaut wurde und dann als solcher auf der Bühne auch genutzt, fragten die Kinder genau nach, wie und wann damals dieser gebraucht wurde und hatten ein deutlich klareres Bild von der Person der Penelope wie von den Umständen dieser Zeit und in unserem Stück überhaupt. So geschah es Etappe für Etappe: Je erlebbarer das Ganze wurde, je nachvollziehbarer, desto mehr konnten die Schüler ihre Figuren verinnerlichen, nachvollziehen, besser darstellen. Vorkommnisse, die durchaus noch nicht ihrem Erfahrungsschatz entsprachen, wurden so für sie plastisch und erlebbar.
In der Endprobenphase saßen selbst die Lehrerinnen an der Nähmaschine, fuhr der Hausmeister der Schule die Podeste hin und her, gestalteten die Eltern der daran interessierten Kinder mit ihnen das Programmheft und sorgten für den Druck und die Verteilung desselben im Kietz.
Es ist mit Sicherheit ein nicht zu unterschätzender Fakt gewesen, dass einige der Eltern Berufe ausübten, die für unser Projekt von Nutzen waren und vor allem: dass sie sich mit ihren Berufen dafür zur Verfügung stellten.
Die Premierenaufführung war ein Riesenerfolg.
Die Kinder hatten sich im Laufe dieser ja relativ langen Zeit sehr entwickelt, und dies ist mit Sicherheit vor allem auf das Projekt zurückzuführen.
Die Erfahrung dieses gemeinsamen Tuns von Schülern, Eltern, Lehrern und Künstlern hat alle Beteiligten nachhaltig geprägt.
Sofort kamen Lehrer auf uns zu, die baten, dieses Projekt im kommenden Schuljahr auch mit ihrer Klasse durchzuführen.
Erwähnenswert vielleicht noch, dass das Interesse der Kinder am Theaterspielen und am Gestalten einer Theateraufführung bei vielen so angeregt wurde, dass ich einen freien Theaterkurs für Jugendliche eröffnet habe, dessen Grundstamm an Spielern 9 Kinder jener Klasse sind!
 
Besonderheiten:
1.Das Besondere ist zum einen die Einbindung in die reguläre Unterrichtszeit, der unterrichtsbezogene Stoff der Inszenierung und der fächerübergreifende Charakter des Projektes.
Zum anderen das Veranschaulichen von Unterrichtsstoff und das sinnliche Nachvollziehen desselben durch die praktische Arbeit in den dem Theater zugehörigen einzelnen Gewerken. Dazu gehört auch das Spielen von Figuren und Typen, das Entwickeln eines Profils für eine Rolle, die Erfahrung, was es in einem auslöst, Theater zu spielen. Dies alles hatte unübersehbare positive Folgen für die Schüler. Über Neugier - Selbsterfahrung - Lernantrieb kamen sie aus eigener Kraft und Wollen zu einem für sie möglichen Bestergebnis. Sie waren bei Ende des Projektes im behandelten Unterrichtsstoff absolut geschult, hatten ihn vertieft, mehr noch, auch auf andere Fächer hat sich ihre Projektarbeit positiv ausgewirkt, weil sie insgesamt in ihren Persönlichkeiten gestärkt waren und zum Teil ungeahnte Möglichkeiten in sich und an anderen entdeckt hatten, Teamgeist entwickelten, aus sich selbst heraus gekommen und manche über sich hinausgewachsen sind. Der Wert des Projektes für diese Kinder und für das Ansehen der Schule ist ungeahnt hoch und nachhaltig wirksam.
2.Durch die Form des Projektes konnte direkt Einfluss genommen werden auf akute und langwährende Probleme in der Klasse und mancher Kinder im Einzelnen.
Fazit: Das ganze Projekt samt seiner Premiere und weiteren Aufführungen war ein durchschlagender Erfolg für alle Beteiligten - dies kann ohne Übertreibung konstatiert werden.
Nachsatz:
Nun ist es absoluter Wille der Schule, jedes Jahr ein solches Projekt mit einer der je drei die Grundschule abschließenden 6.Klassen zu machen.
Momentan läuft das Nachfolgeprojekt, das den Arbeitstitel trägt "Romeo und Julia in der Schule" und welches wiederum von Inhalt und Form her von den Interessen und Themen in der Klasse bestimmt wird und deshalb eine ganz andere Art als das Pilotprojekt darstellen wird.
Allerdings ist deutlich, was es ausmacht, wenn die Künstler dafür entlohnt werden müssen! Beim Erstprojekt waren wir teilweise zu sechst! Nun hangeln wir uns mühsam zu zweit durch und bekommen höchstwahrscheinlich demnächst den ersten von der Schule regulär eingestellten Künstler dazu, einen Bühnenbildner - Ersterfolg! Alles andere ist mühsames, tatkräftiges Engagement der beteiligten Eltern und Lehrer: Sponsoren auftreiben, mögliche Finanzierquellen des Schulamtes oder Senates zu finden u. dgl. Dinge. Wir merken, was wir tun hat Zukunft und ist hochaktuell, aber wir kommen uns vor wie eine Art Vorreiter, die den Weg für Nachfolger erst einmal ebnen.
 
Probleme und Lösungen:
Technische Probleme:
1. Die Bühne der Schulaula ist für richtige Theateraufführungen viel zu klein. Wir brauchten Podeste. Nach erfolglosem Ausprobierens verschiedener anderer Wege, nahmen wir über einen Vater Kontakt zum Kinderzirkus "Cabuwazi" auf, der uns für ein geringes Entgelt (70 Euro) Podeste zur Verfügung stellte, die wir allerdings zwischen den Endproben und einzelnen Vorstellungen hin und her transportieren mussten, da der Circus sie zwischenzeitlich selbst brauchte.
2. Problem Licht: Die Schulaula verfügt über eine völlig unzureichende Lichtquelle, was Theateraufführungen betrifft. Nach wiederum langem Hin- und Hergesuche stellte ein befreundeter Schauspieler seine eigene Lichtanlage zur Verfügung, die aber aus sicherheitstechnischen Gründen jedes Mal aufs Neue auf- und abgebaut und in die Kunstschule transportiert werden musste.
Zu 1.: Der Förderverein der Schule bemüht sich darum, von der Berliner Volksbühne Podeste bauen zu lassen. Es hängt "nur noch" an der Finanzierung. Die soll nun dadurch geschehen, dass die Eltern der Schule durch einen Rundbrief darüber informiert und zur Spende aufgerufen werden. Wenn die Podeste einmal der Schule zur Verfügung stehen, gäbe es bei allen zukünftigen Theaterprojekten dieses Problem nicht mehr.
Zu 2.: Die Schule hat die Möglichkeit, eine Lichtanlage auszuleihen und inzwischen für die gesetzliche Sicherheit der Unterbringung gesorgt. Nun ist sie bemüht, eine Finanzierung der Leihgabe durch das Bezirksamt zu ermöglichen.
Beispiel aus der Bühnenbau-Arbeit der Inszenierung:
Wir hatten kein Material für den möglichst detailgetreuen Webrahmen. Der Autor des Stückes ist auch bildender Künstler und stellte seine eigenen Holzvorräte zur Verfügung.
Zwischenmenschliche Probleme und Probleme der Kinder:
Die Darstellerin der "Odysseus" (ja, richtig, bei uns ist er weiblich - ohne eine hintergründige Absicht!) erschien dem Autoren und der Spielleiterin von Anfang an für eine Hauptrolle geeignet. Sie hatte Ausstrahlungskraft, stellte eine Persönlichkeit dar, war intelligent und beim Spiel engagiert.
Im Laufe der Zeit stellte sich heraus, dass sie beim Spielen auf der Bühne offenkundig an diesen Merkmalen verlor.
Sie wirkte oft gelangweilt, hochmütig, genervt, es kam so weit, dass die Kinder und die Lehrerinnen einmal beim Zuschauen erschrocken bemerkten, Odysseus hätte "eine so negative Ausstrahlung", er/sie würde alles andere "runterziehen". Sie waren empört über die scheinbare Lustlosigkeit, die die Darstellerin ausstrahlte, wollten sogar, dass sie umbesetzt würde, wenn dies nicht zu ändern sei. Dazu muss man wissen, dass dieses Mädchen in der Klasse eine absolute Mittelpunktsfigur darstellte, wovon wir Künstler anfänglich noch nichts mitbekamen, sie die Klasse sogar ziemlich "in Schach hielt" und sehr bestimmend und beeinflussend auftrat. Es gab Kinder, die sich ihr unterordneten und einige, die sich ihr bewusst entzogen.
Außerdem kam noch hinzu, dass ihr Vater Regisseur war. Über die Art und Weise, wie nun mit diesem Mädchen gearbeitet werden solle, wie es zu erreichen wäre, "aufzuknacken", zu verändern möglicher Weise, geriet sogar das InszenierungsTeam in sehr ernsthafte Auseinandersetzung.
Letztendlich geschah etwas für uns Beeindruckendes: Der Stand des Mädchens innerhalb der Klasse veränderte sich, wie sich im Laufe des Projektes die Beziehungen der Kinder zu- und untereinander überhaupt veränderten.
Das Mädchen hatte erfahren, dass es einmal nicht mehr der unangefochtene Mittelpunkt war, dass es einmal gescheitert war. Sie blieb die Odysseus und meisterte ihre Rolle. Sie arbeitete an sich und wurde nun auf ganz andere Art und Weise akzeptiert. Ohne dass, dies sollte nicht unerwähnt bleiben, sich alles zum "Eia popeia" wendete, aber es war und blieb ein wichtiges, denkwürdiges Kapitel.
 
Anekdotisches:
Ein Junge kam mir scheu und sehr zurückhaltend vor. Außerdem stotterte er ab und zu und las schlecht.
Er wollte aber gern eine bedeutende, wenn auch nicht zu umfangreiche Rolle spielen und suchte sich schließlich die des Königs Aiolos aus, die textlich nicht ohne war.
Er sprach anfangs sehr introvertiert, schaute seinen Gegenüber nicht an, hatte Schwierigkeiten mit dem Text. Doch er blieb hartnäckig. Büffelte immer wieder seine Rolle, trainierte sie auf der Bühne, lernte frei zu sprechen und ohne Stottern zu spielen.
Derselbe Junge übernahm noch eine zweite Rolle, in der er am Ende des Stückes allein auf der Bühne ist und dort ganz allein zu tanzen beginnt, bevor alle anderen auftreten. Eine beeindruckende Leistung und Wandlung! Für mich als Spielleiterin eines der schönsten Erlebnisse. Und dies hatte der Junge alles selbst so gewollt und sich erarbeitet - keiner hat es von ihm gefordert!
Ein Integrations-Kind mit enormen Text- und Improvisatonsschwierigkeiten wollte unbedingt die Göttin Athene darstellen, der in unserem Stück eine ziemlich große Bedeutung zukommt und die eingangs und mittendrin auch ordentlich Dialogtext zu sprechen hat. Zunächst konnte das Mädchen absolut nicht frei sprechen, geschweige denn improvisieren, da sie große Schwierigkeiten hatte, inhaltlich zu verstehen, was sie sagte und sich deshalb den Text weder merken noch ihn frei gestalten konnte. Sie besaß aber eine enorme Bühnenpräsenz und größte Ausstrahlungskraft auf das Publikum. Im Laufe der Zeit behielt sie den Text, erst einmal sozusagen eingepaukt, doch nach und nach begriff sie dessen Inhalt, je mehr wir probten und desto anschaulicher der Text für sie wurde. Letzten Endes ist sie eine der Figuren, die dem Publikum nachhaltig im Gedächtnis geblieben sind - und sie besucht meinem freien Theaterkurs, in dem sie permanent mit ihrer "Schwäche" Improvisation konfrontiert wird!