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Das Gesamtensemble
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Ernte im Herbst
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Einzug des Winters
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Im Sommer am See
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Der Frühlingszauberer
"Die-Jahres-Zeiten-Reise"
 
Schule:
Karla-Raveh-Gesamtschule Lemgo
Vogelsang 31
32657 Lemgo


Gesamtschule
 
Kooperationspartner:
Theater-AG der Astrid-Lindgren-Schule
Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung
Kleines Holz 12
32657 Lemgo-Leese
unter der Leitung von Duweke Diekmann-Manthey,
Sabine Lohf,
Herbert Schneider.
 
Beteiligte Schüler:
16
Theater-Ag der Karla-Raveh-Gesamtschule
Jahrgänge 6 und 7

AG "Licht & Ton" (Bühnentechnik)
unter der Leitung von Markus Rohmann
Jahrgang 9

Theater-AG der Astrid-Lindgren-Schule Schüler der Mittelstufen,Oberstufen und Berufspraxisstufen

 
Beteiligte Lehrkräfte:
Doris Kiehne (Kunst, Darstellen und Gestalten, Biologie)Duweke Diekmann-Manthey (entspr.Stundenplan der Förderschule)Markus Rohmann (Musik, Biologie)
 
Stundenvolumen:
2 Wochenstunden über 2 Schuljahre
zusätzlich Osterferien im Jahr 2005
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Im Vordergrund der gemeinsamen Theaterarbeit stand nicht ein Integrationsprojekt, das künstlich mit Inhalt gefüllt werden musste, sondern das Bühnenspiel an sich. Die Idee der Integration bildete die Basis für die Arbeit. Die Darstellungen auf der Bühne, das Gestalten der Requisiten, Kostüme und Bühnenbilder brachte Spaß, war aber auch für alle Beteiligten mit harter Arbeit verbunden. Das gemeinsame Ziel, am Schluss etwas "Aufführbares" zustande zu bekommen, schmiedete das Ensemble beider Schulen zusammen. Dieser Prozess machte Integration erst möglich. Die Grenzen konnten somit etwas weiter gesteckt werden, das Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen der Jugendlichen in verschiedenen Altersphasen durch Gestaltungs- und Darstellungsprozesse gestärkt werden.
Am Ende der Präsentationen in einer Reihe zu stehen und den Applaus zu genießen, tat allen Jugendlichen gleichermaßen gut.
Für die Förderschülerinnen und Förderschüler war es eine besonders gute Möglichkeit, sich darzustellen und bedeutete ein ungewöhnlich hohes Maß an positiver Selbstwahrnehmung.
Während der gemeinsamen Erarbeitung der eigenen Bühnenproduktion konnten die Sozialkompetenz durch gegenseitige Rücksichtnahme und Toleranz weiter entwickelt werden. Die Jugendlichen lernten auf besondere Weise, ihre Arbeitsprodukte wichtig zu nehmen, sie für andere zugänglich zu machen und sich damit auch positiven wie negativen Rückmeldungen zu stellen und angemessen mit diesen umzugehen.
Die Arbeitsmethoden zielten darauf ab, alle Jugendlichen in die Gesamtproduktion mit einzubeziehen. Jede und jeder arbeitete entsprechend ihrer oder seiner eigenen Fähigkeiten und Neigungen. Die gemeinsame Arbeit in der AG und die gemeinsamen Workshops waren die Zeiten des Austausches und der Reflektion, der Ideen und Vorschläge, der "Proben".
Unser Ziel war es, den Jugendlichen durch das Bühnenspiel, durch Teamarbeit und Selbstkontrolle Würde zu geben, das Demokratieverständnis zu erweitern. Hierzu sollte ein stimmiges theatralisches Zeichen gesetzt werden.

Das Stück:
Ein kleines Wesen geht durch die Welt, ruht in sich selbst und ist sich seines Lebens bewußt. Plötzlich gerät dieses Wesen in die Hektik des modernen Lebens. Alle laufen durcheinander, von hier nach dort, keiner hat Zeit. Das kleine Wesen möchte wissen, warum alle so schnell laufen und wohin denn alle nur wollen. Das kleine Wesen bekommt einen der hektischen Menschen zu fassen und fragt nach. Dieser hektische Mensch hat vor lauter Eile aber alles vergessen: Seinen Namen, wohin er will, woher er kommt. Das ist schlimm. Das kleine Wesen fragt nach den Erinnerungskugeln. Aber der hektische Mensch hat seine Kugeln, seine Erinnerungen nicht mehr. Er hat alles verloren. Also machen sich das kleine Wesen und der hektische Mensch gemeinsam auf durch die (Jahres)-Zeiten um die Erinnerungen wiederzufinden. Sie reisen durch Winter, Frühling, Sommer, Herbst und wieder durch den Winter, bis sie zum Jahreswechsel Weihnachten und Silvester erleben. Alle Erinnerungen, das Leben, halten sie am Ende gemeinsam in den Händen.
"Meine Kugeln - meine Erinnerungen - mein ganzes Leben"

 
Projektauslöser/Idee:
Toleranz gegenüber individuellen Besonderheiten und Einstellungen, Integration und gegenseitige Rücksichtnahme wollen schon früh geübt werden. Gemeinsames (Be)-Arbeiten und Spielen in den Bereichen des Gestalten und Darstellen im Bühnenspiel bieten hierzu hervorragende Möglichkeiten. Im Theaterspiel mit seinen Erarbeitungswegen über praktisch-kreative Darstellungs- und Gestaltungsaufgaben ist es möglich, eigene Einstellungen zu reflektieren, Gefühle zu transportieren und Kreativität Gestalt werden zu lassen.
Die Astrid-Lindgren-Schule, die Karla-Raveh-Gesamtschule, Frau Lohf (Kinderbuchillustratorin) und Herr Schneider (Pensionär und Videograph)wollten auf diesem Terrain gemeinsame Schritte gehen und hatten im vergangenen Schuljahr 2004/05 eine enge Zusammenarbeit im Bühnenspiel vereinbart.
Für uns (Doris Kiehne und Duweke Diekmann-Manthey)war es der Ausgangspunkt, dass die Schülerinnen und Schüler voneinander lernen und profitieren. Der künstlerische Ausdruck diente nicht als Unterstützung eines therapeutischen oder pädagogischen Konzeptes. Die Gestaltungen und Darstellungen auf der Bühne brauchten keine Rechtfertigung, sie waren spielerisch und überschritten die Grenzen und Tabus der Alltäglichkeit der Schüler. Damit wurden Perspektiven und Freiräume eröffnet für die Verbindung von fachlichem Wissen, Spontanität und eigenen Gestaltungsmöglichkeiten.
 
Projektentwicklung:
Bei diesem Projekt sollte den Schülern zusätzlich zu ihrer sozialen Kompetenzerweiterung der Kontakt zu einer Künstlerin ermöglicht werden. Die Kontaktaufnahme zu einer Schriftstellerin, Illustratorin gelang über persönliche Kontakte von Frau Diekmann-Manthey und führten zu der Zusammenarbeit mit Sabine Lohf. Frau Lohf stellte das Grundgerüst für eine Geschichte zur Verfügung. Diese Geschichte wurde von den Schülern und Frau Lohf gemeinsam weiter entwickelt, einzelne Charaktere und Handlungen mussten gefunden werden. Es entstanden Rollen und Handlungsabläufe, die von den kreativen Eingaben der Schüler sowie den Fähigkeiten und Fertigkeiten Einzelner bedingt wurden. Der notwendige und intensive Kontakt mit der Künstlerin konnte telefonisch, via Internet und durch die persönliche Anwesenheit der Künstlerin in verschiedenen Arbeitsphasen ermöglicht werden. So entstanden Bühnenbild, Requisiten und Kostümentwürfe in einer offenen kreativen Zusammenarbeit mit allen Beteidigten. Die Eigenart und Einzigartigkeit der künstlerischen Arbeit von Sabine Lohf als der prägende Ansatz
im Bühnenspiel und der Bühnenbildgestaltung ist bis zum Endprodukt "Theateraufführung" nicht verloren gegangen.
Markus Rohmann, Musikpädagoge an der Karla-Raveh-Gesamtschule, hat für die einzelnen Jahreszeiten Eigenkompositionen geschrieben, diese intoniert und abgemischt. Thematisch am Stück orientiert, untermalten diese Musikstücke den inneren Dialog einer Hauptfigur im Stück.
Das Ende der Theaterpräsentation stellte ein gemeinsam gesungenes Lied. Markus Rohmann hatte mit dem Ensemble das Lied einstudiert und begleitete am Piano.
 
Besonderheiten:
Für uns (Doris Kiehne und Duweke Diekmann-Manthey) war der Ausgangspunkt, dass die Schülerinnen und Schüler voneinander lernen und profitieren. Der künstlerische Ausdruck diente nicht als Unterstützung eines therapeutischen oder pädagogischen Konzeptes. Die Gestaltungen und Darstellungen auf der Bühne brauchten keine Rechtfertigung, sie waren spielerisch und überschritten die Grenzen und Tabus der Alltäglichkeit der Schüler. Damit wurden Perspektiven und Freiräume eröffnet für die Verbindung von fachlichem Wissen, Spontanität und eigenen Gestaltungsmöglichkeiten.
 
Probleme und Lösungen:
"Ängste vor den anderen, Ängste vor dem, was man nicht kennt" zeigten sich uns im Projektverlauf als größtes Problem. Mit dem Wissen, dass genau dieses "Problem" entsteht sind wir ja auch in das Projekt eingetreten. Ein offener Austausch, die Möglichkeiten über eigene Ängste zu reden, Vorbehalte verbalisieren zu können, und im praktischen Tun den anderen anders zu erfahren, haben die Schüler diese Schwierigkeiten überwinden lassen.
Organisatorische Schwierigkeiten konnten mit viel Gleichmut, Geduld und immer wieder auf der Tagesordnung stehenden Koordinierungsgesprächen geregelt werden.
Viel Tranzparenz dem Kollegium gegenüber ist sehr hilfreich, möglichst viele mit ins "Boot" zu nehmen entlastet den eigenen Kräftehaushalt.
Eine dem Projekt sehr zugewandte Schulleitung läßt sehr große Probleme und Hindernisse erst gar nicht zu. Wir hatten und haben das Glück, an beiden Schulen eine diesem Projekt sehr positiv gegenüber stehende Schulleitung zu haben.
 
Anekdotisches:
Barbara, eine Schülerin der Astrid-Lindgren-Schule mit down-Syndrom, hat ein sehr tempramentvolles Wesen und kann zuweilen recht ungestüm sein. In dem Stück spielte sie einen Baum, der durch die Jahreszeiten wanderte. Mal stand er hier, mal stand er da. Im Frühjahr waren seine Äste mit weißen Blüten, im Sommer mit leuchtend grünen Blättern, im Herbst mit roten Früchten und im Winter mit dicken Schneehauben geschmückt. Dieser Baum hatte Barbara im wahrsten Sinne des Wortes "geerdet". Ohne auch nur einmal aus der Rolle zu fallen, was eine Spezialität von Barbara sein kann, spielte sie in dem Stück ohne Unterbrechung, ohne auch nur einmal die Bühne zu verlassen, intensiv und hochkonzentriert ihre Rolle. Während der Schlussszene des Stückes, als alle in einer Reihe stehend, nur vom Piano begleitet das Abschiedslied singen, hörte man Barbaras Stimme voller Stolz über sich selbst deutlich heraus. Nicht ganz in der passenden Tonlage, manche Worte vertauscht - aber mit Tränen des Glücks in den Augen. Nicht einer im Zuschauerraum, der nicht spürte, was in diesem Moment geschah. Das läßt die Haare zu Berge stehen.