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Wohnen heißt Ideenreichtum - jedem Lebenwesen sein Biotop.
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Wohnen heißt Kooperation - auch Bienen bauen Häuser.
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Wohnen heißt Kommunikation - die Welt auf kleinstem Raum.
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Wohnen hat viele Gesichter - Präsentation der Schüler.
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Wohnen heißt Neues entdecken - Gespräch mit dem Bürgermeister.
Art Akta - Kunst in der Aktenförderanlage
 
Schule:
Fritz-Karsen Schule
Onkel-Bräsig-Straße 76/78
12359 Berlin
www.fritz-karsen.de
Tel.: 030-60900-10
Fax.: 030-60900-115



Gesamtschule

 
Kooperationspartner:
Bärbel Rothhaar, Künstlerin

STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbh
Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Dagmar Neidigk
Werbellinstraße 12
12053 Berlin
Telefon 030-6892-205

 
Beteiligte Schüler:
150
20 Schüler der Grundkurse Kunst, 12.Jahrgang
3 Schüler der Klasse 10
75 Schüler der Klassen 8
25 Schüler des Wahpflichtkurses 7
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Hauptverantwortliche:1 Kunsterzieherin 1 Lehrer der ArbeitslehreWeitere:3 Kunsterzieher
 
Stundenvolumen:
In der Planungsphase 8 Wochenstunden über 3 Monate.
In der Durchführungsphase 12 Wochenstunden über 5
Monate.
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
In unserem Projekt ging es darum, eine künstlerische Lösung für die Umgestaltung einer alten Aktenförderanlage zu realisieren, die sich im Konzernsitz der STADT UND LAND Wohnungsbau mbh in Berlin-Neukölln befindet. Als städtisches Unternehmen betreut die STADT UND LAND Wohnungsbaugesellschaft mbh rund 50 000 Wohnungen in Berlin.
Die runde, halbseitig verglaste Röhre des Aktenfahrstuhls zieht sich durch sechs Stockwerke des weiträumigen, nüchtern ausgestalteten Treppenhauses, welches durch Mitarbeiter und Kunden stark begangen wird.
Gefragt war eine künstlerische Lösung zum Thema "Wohnen", die die Räume spürbar aufwertet.

Der Einstieg in das Projekt erfolgte im Sommer 2005 durch Begehungen mit den Schülern.
Angeregt durch die Raumsituation, entstand eine Fülle von Ideen, die diskutiert, verworfen und modifiziert wurden. Viele Schüler bewegten sich wie selbstverständlich auf dem thematischen Neuland der Installationskunst.
Erstaunlich waren hier bereits die originellen Umsetzungen der selbstgewählten Themen in Modelle für Rauminstallationen, die die Schüler der STADT UND LAND vorstellten.
Durch das Votum der Mitarbeiten fiel die Entscheidung auf folgende 6 Entwürfe:

"Wohnen heißt Kommunikation":
Dabei wurde die Röhre als kleine Wohneinheit mit einer Figur ausgestattet, die an einem Rechner sitzt. Von Kabeln durchzogen, an einem archaisch anmutenden Lagerfeuer-Bildschirm, telefoniert der Mensch und wird von Festplattenresten und Computermäusen eingerahmt.
"Wohnen heißt Kooperation":
In einem überdimensionalen Bienenhaus aus Waben, die mit echtem Wachs überzogen wurden, sind große Keramikbienen unterwegs, verlassen die Röhre und schweben durch das Treppenhaus davon...
"Wohnen heißt Neues Entdecken":
Ein prächtiger Käfer sitzt vor einer mit vielen Blüten verzierten Wiese auf einem roten Plüschsofa und repräsentiert die Wunschvorstellung von Gemütlichkeit.
"Wohnen heißt Gestalten":
Auf einem Labyrinth von Leitern arbeiten Figuren aus unterschiedlichen Materialien mit Pinseln, Werkzeugen und Putzlappen.
"Wohnen hat viele Gesichter":
Fotos von Menschen, die auf einer Fotoexkursion befragt wurden, werden vor einer stilisierten Wohnung abgebildet. Ihre Aussagen über das Wohnen sind fragmentarisch eingebunden.
"Wohnen heißt Ideenreichtum":
Die Glasröhre wurde in ein Aquarium mit phantasievollen Fischen verwandelt.

Nachdem die Auswahl getroffen war, konnte die konkrete Umsetzung beginnen, die von August bis Dezember 2005 dauerte.
Unser Plan sah die Selbstorganisation der Oberstufenschüler vor, deren Modelle ausgewählt worden waren. Sie stellten in Gruppen einen Zeitplan auf, erstellten Materiallisten und eine feste Rollenverteilung der verbindlichen Aufgaben. Diese umfassten plastische Arbeiten mit fast allen formbaren Materialien, die Beschaffung von verwertbarem "Müll" und geeigneten Dekoobjekten, sowie fotografische Exkursionen.
Einige aufwändigere Ideen wurden als Aufträge für die jüngeren Schüler formuliert, durch die Lehrerin an Lerngruppen der Mittelstufe weitergeben und unter Anleitung ausgeführt. Auf diese Weise übernahm der Wahlpflichtkurs 7 die Produktion der Keramikbienen. Der 8. Jahrgang stellte Leitern und Figuren her, aus denen die besten für die Installation ausgewählt wurden.Das Projekt bekam eine Eigendynamik dadurch, dass in vielen Kunstkursen parallel gearbeitet wurde und weitere Schüler und Kollegen sich beteiligten. Aufgaben, die den Einsatz von Maschinen erforderte, übernahm Herr Brenne vom Fachbereich Arbeitslehre.

Frau Rothhaar begleitete das Projekt kontinuierlich von der Konzeption bis zur Abnahme der Räume. Sie besuchte uns im Unterricht, gab Gestaltungsanregungen, half mit ihren Erfahrungen bei der Beurteilung praktischer und ästhetischer Fragen und dokumentierte unsere Arbeit. Wenn es nötig wurde, half sie auch in der konkreten praktischen Arbeit.
Der Einbau der Objekte vor Ort erfolgte durch die Oberstufenschüler unter Beteiligung weiterer Kollegen und des Hausmeisters von STADT UND LAND. Die räumliche Nähe unseres Aktionsortes zur Schule erlaubte es, die Arbeit in die Stundentafel zu integrieren, es bedurfte aber auch vieler Nachmittagstermine.
Der Veränderungsprozess im Raum wurde von den Mitarbeitern der STADT UND LAND mit Interesse beobachtet. Obwohl die Ideen im Modell vorgeklärt waren, ergaben sich durch technische Probleme oder ästhetische Gegebenheiten Veränderungen, wie sie in der Entwicklung jedes Kunstwerkes nötig sind. So entwickelten sich auch Gespräche mit den Mitarbeitern, die für die Schüler positive Anregungen brachten.
Für alle Beteiligten entstand im Realisierungsprozess ein gemeinsamer Dialog um die künstlerische und praktische Umsetzung der Ideen.
Die Eröffnung fand am 27. Januar unter großer Resonanz der Öffentlichkeit statt. Die Schüler präsentierten dabei ihre Arbeiten persönlich den Besuchern der Ausstellung und der Presse. Das Kunstwerk bleibt als ständige Installation für Publikum zugänglich.

 
Projektauslöser/Idee:
Ursprünglich verfolgte die STADT UND LAND die Absicht, die Aktenförderanlage als Kunstobjekt zu nutzen und als "KUNST AM BAU - PROJEKT" auszuschreiben.
Durch einen Kontakt zu einem Kollegen unserer Schule, Herrn Brenne, reifte der Gedanke, diese künstlerische Herausforderung an eine Schule zu vergeben. Herr Brenne war von der Idee begeistert. Er fand eine aufgeschlossene Kollegin, Frau Thäsler-Wollenberg, die mit ihren Schülergruppen zur Mitarbeit bereit war. Beide beschlossen, den künstlerischen Anspruch der Schüler zu professionalisieren und die Künstlerin Bärbel Rothhaar zu beteiligen, die an der Fritz-Karsen-Schule bereits ein Projekt begleitet hatte.
 
Projektentwicklung:
1. Mit der Künstlerin Bärbel Rothhaar entwickelten die Lehrer eine professionelle Projektskizze, einen verbindlichen Zeitplan und Ansätze zum methodischen Arbeiten mit den Schülern.
2. Die Projektskizze wurde der STADT UND LAND vorgelegt und die Modalitäten geklärt.
3. Es folgten Begehungen mit Schülern des späteren 12.Jahrgangs, die Ideenskizzen entwickelten, diese in Modelle umsetzten und der STADT UND LAND präsentierten.
4. Die Mitarbeiter der STADT UND LAND, die in diesem Gebäude tätig sind, waren aufgerufen, ihr Votum abzugeben, welche Entwürfe der Schüler realisiert werden sollten.
5. Nachdem die ausgewählten Modelle bekannt waren, erstellten die Künstlerin und die Lehrer mit den Schülern gemeinsam einen Organisationsplan und begannen mit der konkreten Arbeit.
 
Besonderheiten:
Das Projekt ist wahrscheinlich das erste und einzige, in welchem eine Aktenförderanlage von Schülern zu einem gemeinsamen Kunstwerk umgestaltet wurde. Darin wurden Einzelideen in einem schlüssigen, facettenreichen Produkt verklammert und umgesetzt. Die kooperative Praxis umschloss mehrere Ebenen von Bezügen und bot sehr vielfältige Lernchancen. Schüler, Lehrer und die Künstlerin arbeiteten im Team. Wir übernahmen gemeinsam die Verantwortung für einen außerschulischen Auftrag. In ihrer Arbeit lernten die Oberstufenschüler die Bedingungen von Kunst im öffentlichen Raum an einem konkreten Beispiel kennen. Die Kommunikation mit den Mitarbeitern des Unternehmens, denen Sie während der Einbauphase begegneten, gewährte ihnen einen Einblick in die Arbeitswelt. Sie begriffen dadurch die Gebundenheit von Lebenssituationen an einen Ort. Die damit einhergehende Verantwortung ihrer künstlerischen Praxis klärte für sie die Rolle eines Künstlers, schulte damit ihr Problemlösungsverhalten und ihre soziale Kompetenz.
Im Kontakt mit der Künstlerin erlebten Sie die Ernsthaftigkeit und Bedeutungstiefe der künstlerischen Arbeit, aber auch deren Unberechenbarkeiten und Überraschungen.

Schülern, Lehrern und Künstlerin wurde großes Vertrauen von STADT UND LAND entgegengebracht. Die der Verantwortung des öffentlichen und schulnahen Kunstortes verpflichtete alle Beteiligten gleichermaßen und entließ uns mit dem Gefühl, etwas wirklich Sinnvolles geschaffen zu haben.
 
Probleme und Lösungen:
Eine schwierige Aufgabe war es, die Koordination der unterschiedlichen Arbeiten in ihrer Vielfalt zu bewältigen. Material, Werkzeuge und Maschinen wurden in verschiedensten Zusammenhängen und an unterschiedlichen Orten benötigt. Wir stießen damit häufig an die Grenzen schulischer Ausstattung und zeitlicher Verfügbarkeit.
Günstig erwies sich die an unserer Schule übliche Lernpraxis des eigenverantwortlichen Unterrichtes, sowie die Möglichkeit, die Stundentafel flexibel zu handhaben und Stunden zu blocken. Die Künstlerin übernahm teilweise die Betreuung der Nachmittagsstunden.
Die Stärke des Projektes, die Chancen eines gemeinsamen künstlerischen Prozesses, wurde eine große Herausforderung. So zwangen Änderungsvorschläge und Kritik die Schüler häufig zum Loslassen der eben erarbeiteten Idee, was Kompromissbereitschaft und Akzeptanz erforderte.
Diese Gespräche waren in der Rückschau jedoch die intensivsten Lernsituationen für alle Beteiligten.
 
Anekdotisches:
Der Käfer
In der ausgewählten Installation "Wohnen heißt Neues entdecken" war ein Käfer auf einem roten Plüschsofa herzustellen. Ein Schuhkarton als Aufbewahrungsort des Käfers in der Schule wurde zur Wohnstatt eines echten Marienkäfers, der dort überwinterte. Beim Einbau der Installation fand er sich erneut ein - auf unserer künstlichen Blumenwiese!