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Schüler der Grundschule Sandstraße erfinden eigene Musikstücke
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Förderschüler und Gymnasiasten tanzen gemeinsam
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Gymnasiasten und Förderschüler präsentieren ihre Musik
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Musikworkshop mit einer Seiteneinsteigerklasse (GS Henriettenstraße)
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Grundschüler tanzen zu Bartóks Musik (GS Sandstraße)
Begegnungen - Brücken bauen durch Musik und Tanz: 8 Jahre Zusammenarbeit zwischen dem Klavier-Festival Ruhr und Duisburger Schulen
Einrichtung / Künstler:
Stiftung Klavier-Festival Ruhr
Brunnenstraße 8
45128 Essen
Tel: 0201/8966-80
www.klavierfestival.de

Intendant: Prof. Franz Xaver Ohnesorg
Leiter Education: Dr. Tobias Bleek

 
Träger / Veranstalter des Programms:
Stiftung Klavier-Festival Ruhr
Alfred-Herrhausen Haus
Brunnenstraße 8
45128 Essen
Tel: 0201/ 89 66 844
Fax: 0201/ 89 66 670
www.klavierfestival.de/education
Intendant und Vorstand der Stiftung: Prof. Franz Xaver Ohnesorg
Projektleitung und Konzeption: Tobias Bleek

 
Verantwortliche Ansprechperson für die Wettbewerbsteilnahme:
Tobias Bleek
s.o.
 
Partnerschule(n):
Zwei Grundschulen, ein Gymnasium und eine Gesamtschule in Duisburg-Marxloh sowie eine Förderschule mit dem Schwerpunkt „Geistige Entwicklung“ in Duisburg-Buchholz.

1) Grundschule an der Sandstraße
www.du.nw.schule.de/ggsand

2) Städtische katholische Grundschule Henriettenstraße

3) Buchholzer Waldschule

4) Städtisches Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium
www.ehkg-du.de

5) Herbert-Grillo-Gesamtschule
www.herbert-grillo-gesamtschule.de

 
Weitere Partner:
Klöckner & Co SE (seit 2011)
Stiftung Mercator (seit 2015)


Einzelne Projektmodule werden außerdem von der Stadt Duisburg sowie dem
Programm 180° Drehungen des Landesbüros Tanz NRW unterstützt.

 
Altersgruppe:
Klassenstufen übergreifend
 
Anzahl der beteiligten Schüler:
In diesem Jahr ca. 350 Grundschüler, Förderschüler, Gesamtschüler und Gymnasiasten
 
Welche Fächer sind beteiligt? Klassen, Kurse, Projektgruppen?
Musik und Tanz stehen im Zentrum der langfristigen musischen Bildungsarbeit, wobei es sich in den vergangenen Jahren als sehr fruchtbar erwiesen hat, tänzerische und musikalische Aktivitäten insbesondere im Grundschulbereich möglichst eng miteinander zu verzahnen (z.B. durch die Bildung von gemischten Leitungsteams aus einem Musiker/Musiklehrer mit einem Tänzer). Fast alle Aktivitäten finden im Rahmen des regulären Unterrichts statt (insbesondere im Musikunterricht, zum Teil aber auch im Sportunterricht oder an der Grundschule Sandstraße im Rahmen von Stunden, die für künstlerische Projektarbeit reserviert sind). Bei der Arbeit mit (Neuzuwanderer-)Kindern die kein oder kaum Deutsch sprechen, wird auch der Deutschunterricht in die Projektarbeit eingebunden.
Gearbeitet wird in der Regel mit ganzen Klassen. An den schulübergreifenden Komponenten wie dem Inklusionsprojekt sind aber auch Projektgruppen beteiligt (d.h. Schüler unterschiedlicher Klassen und/oder Klassenstufen).
 
Stundenvolumen:
Die folgenden Angaben beziehen sich auf das laufende Projekt „Begegnungen“, das im Schuljahr 2015/16 im Rahmen des regulären Schulalltags durchgeführt wird:

SCHÜLER
Ca. 170 Schüler (7 Klassen) arbeiten während des gesamten Schuljahrs eine Doppelstunde (90 Minuten) pro Woche in dem Projekt.
Die restlichen Schüler (ca. 180) haben im zweiten Schulhalbjahr mit dem Projekt begonnen und arbeiten in verschiedenen Formaten und unterschiedlicher Intensität (zwischen 3 und 12 Workshops à 60 – 90 Minuten und/oder mehrtägige Intensivphasen, in der jeden Tag zwischen 1 und 5 Stunden gearbeitet wird).


LEHRER
Workshops für die am Projekt beteiligten Lehrer: Einführungsveranstaltung (2 Stunden), eine ganztägige und zwei halbtägige Fortbildungen sowie auf Wunsch Supervision und Begleitung im Rahmen des regulären Unterrichts (während des gesamten Schuljahrs 1 bis 8 Mal zwischen 30 und 90 Minuten).

 
Personelle Ausstattung des Programms:
Die langfristige kulturelle Bildungsarbeit in Duisburg-Marxloh ist eines der Hauptprojekte der Education-Abteilung des Klavier-Festivals Ruhr, die über zwei Stellen verfügt (Projektleitung als Vollzeitstelle sowie Projektmanagement mit 30 Stunden). Die Leitung der Workshops in den Schulen wird von durch das Klavier-Festival Ruhr ausgewählten Künstlern und Vermittlern sowie den Lehrern der beteiligten Schulen übernommen.
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
ZUM GESAMTPROJEKT
Seit acht Jahren engagiert sich das Klavier-Festival Ruhr in Duisburg-Marxloh – einem sozialen Brennpunkt im Norden der Stadt –, um dort Kinder und Jugendliche langfristig musikalisch zu fördern und bei der Entwicklung kreativer, sozialer und persönlicher Fähigkeiten zu unterstützen. Die Projektarbeit begann im Frühjahr 2008 an der Grundschule Sandstraße. Mit der Grundschule Henriettenstraße, dem Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium und der Herbert-Grillo-Gesamtschule kamen drei weitere Marxloher Schulen hinzu. Seit 2008 arbeitet das Festival außerdem eng mit der Buchholzer Waldschule zusammen – einer Förderschule mit dem Schwerpunkt „Geistige Entwicklung“ im Süden Duisburgs.
Nachdem an den verschiedenen Schulen zunächst jährlich projektweise gearbeitet worden war, entstand 2010 der gemeinsame Wunsch nach einer Verstetigung und Intensivierung der Zusammenarbeit. So wurde die Kooperation zwischen dem Klavier-Festival Ruhr und den genannten Schulen schrittweise ausgebaut und die musische Bildungsarbeit immer stärker in den Schulalltag integriert. Mittlerweile wird nicht nur im Frühjahr und Sommer, sondern ganzjährig gearbeitet, wobei jedes Jahr ein anderes Thema behandelt wird. Außerdem werden die verschiedenen Schulen durch schulübergreifende Projekte miteinander vernetzt.

DAS JAHRESPROJEKT „BEGEGNUNGEN“
Im Schuljahr 2015/16 setzen das Klavier-Festival Ruhr und seine fünf Partnerschulen ihre Zusammenarbeit mit einem Jahresprojekt zum Thema „Begegnungen“ fort. Teilnehmer sind fast 400 Grundschüler, Förderschüler, Gesamtschüler und Gymnasiasten, die gemeinsam singen, tanzen, improvisieren und eigene Musikstücke erfinden. In unterschiedlichen Konstellationen begegnen sich dabei Jugendliche mit und ohne Behinderung, Grundschüler und Gymnasiasten, Kinder, die in Duisburg geboren wurden und Kinder, die erst kürzlich nach Deutschland gekommen sind. Bezugspunkt der schöpferischen Arbeit sind Klavierwerke von Béla Bartók. Für den großen ungarischen Komponisten und Volksliedforscher war die „Begegnung“ und Beschäftigung mit Musik aus unterschiedlichen Kulturen eine zentrale Triebkraft seines Schaffens. Den Projektabschluss bilden zwei öffentliche Präsentationen in Duisburg.


ZU DEN VERSCHIEDENEN PROJEKTKOMPONENTEN
A) Gestaltung von Übergangsprozessen
Um Kinder langfristig zu fördern, liegt seit 2011 ein Schwerpunkt auf dem Übergang zwischen den verschiedenen Schulformen. 2015/16 beschäftigen sich drei 4. Klassen der Grundschule Sandstraße sowie je eine 5. Klasse des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums und der Herbert-Grillo-Gesamtschule musikalisch und tänzerisch mit Bartóks Klavierzyklus „Improvisationen über ungarische Bauernlieder“ und führen die Resultate ihrer schöpferischen Arbeit gemeinsam auf. Durch einen schulübergreifenden Lehreraustausch und die Bildung von Projektklassen können die Fünftklässler ihre in der Grundschule erworbenen musischen Fähigkeiten in der neuen Lernumgebung bruchlos weiterentwickeln.

B) Inklusive Projektarbeit
Die Begegnung von Schülern mit und ohne Behinderung steht im Zentrum eines Inklusionsprojekts, das 2016 bereits zum sechsten Mal durchgeführt wird. Unter der Leitung der Choreographin Yasha Wang und des Musikvermittlers Richard McNicol beschäftigen sich rund 70 Gymnasiasten, Förderschüler und Grundschüler mit Bartóks „Tanzsuite“. Nach einer individuellen Vorbereitungsphase tanzen und musizieren sie gemeinsam in schulübergreifende Workshops und erleben sich dabei als gleichberechtigte Partner.

C) Integration von Neuzuwanderern
Seit 2015 liegt ein besonderer Schwerpunkt der Bildungsarbeit auf der Förderung von Kindern aus Neuzuwandererfamilien. So wird in diesem Schuljahr an der Grundschule Henriettenstraße ein Modellprojekt entwickelt, an dem 40 Erstklässler teilnehmen, die bei der Einschulung zum Großteil über keinerlei Deutschkenntnisse verfügten. Ziel ist es, die Kinder durch eine intensive musische Förderung – wöchentlich stattfindende Tanz- und Musikworkshops – nicht nur bei der Entfaltung ihrer kreativen, sondern auch ihrer sprachlichen Fähigkeiten zu unterstützen (s. unten)

D) Lehrerfortbildungen
In den letzten Jahren wurde deutlich, dass die kontinuierliche Fortbildung der am Projekt beteiligten Lehrer für den langfristigen Erfolg der musikalischen Bildungsarbeit von entscheidender Bedeutung ist. So werden in diesem Schuljahr erneut unterschiedliche, zum Teil schulübergreifende Formen der Lehrerfortbildung angeboten (s. unten).

Im Rahmen des Projekts wird außerdem das musische Profil der verschiedenen Schulen durch unterschiedliche Maßnahmen gestärkt.

 
Auslöser/Idee:
ALLGEMEIN
Das Education-Programm des Klavier-Festivals Ruhr wurde vor 10 Jahren mit dem ausdrücklichen Ziel gegründet, Projekte ins Leben zu rufen, die langfristig angelegt sind und eine möglichst nachhaltige Wirkung entfalten. Nachdem das Klavier-Festival Ruhr 2008 seine Education-Arbeit in Duisburg-Marxloh begonnen hatte, wurde rasch deutlich, dass die beteiligten Schulen dasselbe Ziel verfolgen wollten. Und so wurde beschlossen, sich langfristig aneinander zu binden und das Projekt Schritt für Schritt gemeinsam weiterzuentwickeln.

ZUM JAHRESPROJEKT BEGEGNUNGEN (2015/16)
Das Ruhrgebiet zählt zu den kulturell vielfältigsten Regionen Europas. Menschen aus über 170 Nationen leben hier zusammen. An den Schulen in Duisburg-Marxloh ist diese Vielfalt unmittelbar erlebbar. So haben 70 bis 95 Prozent der Kinder und Jugendlichen, die die Grundschule Sandstraße, die Grundschule Henriettenstraße, das Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium oder die Herbert-Grillo-Gesamtschule besuchen, einen Migrationshintergrund. Vielfalt kennzeichnet auch die Schülerschaft der Buchholzer Waldschule. Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen geistigen Behinderungen (davon 30% anerkannt schwerst- oder schwermehrfachbehindert) lernen und arbeiten hier zusammen. Das Jahresprojekt „Begegnungen“ thematisierte diese Vielfalt, erkundet ihre schöpferischen Potentiale und macht sie auch nach außen sichtbar.

 
Entwicklung:
Die langfristige Projektarbeit wird vom Leiter der Education-Abteilung des Klavier-Festivals Ruhr, Tobias Bleek, gemeinsam mit Richard McNicol, den beteiligten Künstlern, Lehrern und Schulleitern entwickelt. Dabei wird versucht, die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen möglichst aktiv in diesen Prozess einzubinden. Außerdem ist es ein wichtiges Anliegen, die einzelnen Komponenten des Projekts (z.B. schulübergreifende Arbeit mit Förderschülern, Gymnasiasten und Grundschülern, Übergang Grundschule, Gymnasium etc.) so zu konzipieren und zu dokumentieren, dass sie von anderen Lehrern und Künstlern in ähnlicher oder abgewandelter Form aufgegriffen werden können.


ANFANGSPHASE
Auf Vermittlung der Duisburger Schulamtsdirektorin Brigitta Kleffken kam das Klavier-Festival Ruhr im Frühjahr 2008 nach Duisburg-Marxloh, um dort unter Leitung von Richard McNicol und Tobias Bleek ein kreatives Musikprojekt mit einer vierten Klasse der Grundschule Sandstraße durchzuführen. Dieses machte den teilnehmenden Kindern, dem begleitenden Grundschullehrer Klaus Hagge und den Workshopleitern so viel Freude, dass rasch feststand, im nächsten Schuljahr an die Grundschule Sandstraße zurückzukehren. Ebenso vielversprechend erschien ein Musikprojekt, das im selben Jahr mit zum Teil schwer mehrfach behinderten Kindern der Buchholzer Wandschule durchgeführt wurde.

AUSWEITUNG
Unterstützt vom Schulamt der Stadt Duisburg wurde die Zusammenarbeit mit beiden Schulen 2009 und 2010 fortgesetzt und ausgebaut. An der Grundschule Sandstraße übernahm der Musik- und Klassenlehrer Klaus Hagge dabei rasch eine leitende Funktion – eine Tatsache, die für die weitere Projektentwicklung von entscheidender Bedeutung werden sollte. Außerdem kamen mit der Grundschule Henriettenstraße und dem Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium zwei weitere Schulen aus Marxloh hinzu.

BEGINN DER SCHULÜBERGREIFENDEN ZUSAMMENARBEIT
Zu ersten Begegnungen zwischen den verschiedenen Schulen, die zunächst unabhängig voneinander arbeiteten, kam es bei gemeinsamen Abschlusspräsentationen. Im Rahmen einer solchen Präsentation im Duisburger Wilhelm-Lehmbruck Museum entstand im Sommer 2010 die Idee, Schüler der verschiedenen Schulen in einem gemeinsamen Projekt zusammenzuführen.
Die schulübergreifende Zusammenarbeit begann im Schuljahr 2011/12 mit einem „Inklusionsprojekt“, in dem sich Förderschüler der Buchholzer Waldschule und Oberstufenschüler des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums begegneten und unter der Leitung der Choreographin Yasha Wang und Richard McNicol gemeinsam tanzten und musizierten. In den folgenden Jahren wurde diese inklusive Projektarbeit verstetigt, auf Schüler der Grundschule Henriettenstraße ausgeweitet, zeitlich intensiviert und inhaltlich weiterentwickelt.

VERNETZUNG DER PRIMAR- UND SEKUNDARSTUFE
2011 wurde außerdem ein erster Versuch unternommen, die Grundschule Sandstraße und das Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium miteinander zu vernetzen. Ziel war es dabei, die Kinder über ihre Grundschulzeit hinaus musikalisch zu fördern und sie zugleich beim Übergang in die neue Lernumgebung zu unterstützen, denn in Duisburg-Marxloh schaffen nur rund 20% der Kinder den Schritt von der Grundschule ins Gymnasium. Während eines Schuljahrs beschäftigten sich 22 Viertklässsler und 25 Fünfklässler in klassenübergreifenden Gruppen auf schöpferische Weise mit John Cage. Da sich das gewählte Format jedoch als problematisch erwies (s. unten), wurde die Form der Zusammenarbeit im folgenden Jahr grundlegend modifiziert. Seit 2012 wird jedes Jahr ein Lehreraustausch zwischen der Grundschule Sandstraße und dem Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium durchgeführt, von dem nicht nur die beteiligten Schüler und Lehrer, sondern auch die Institutionen profitieren.

STÄRKUNG DES KULTURELLEN PROFILS DER BETEILIGTEN SCHULEN UND LEHRERFORTBILDUNG
Im Laufe der langfristigen Kooperation wurde es für die Projektpartner immer wichtiger, die Zusammenarbeit so zu gestalten, dass dadurch zugleich das kulturelle Profil der Schulen gestärkt und weiterentwickelt wird. So gelang es im Fall der Grundschule Sandstraße, das Projekt im Lauf von sieben Jahren von einer Klasse auf elf Klassen auszudehnen und auf diese Weise die gesamte Schule einzubeziehen. Von entscheidender Bedeutung war in diesem Zusammenhang die Entwicklung unterschiedlicher Fort- und Weiterbildungsangebote für die beteiligten Lehrer (s. unten).


ARBEIT MIT KINDERN AUS NEUZUWANDERERFAMILIEN
Seit einiger Zeit kommen verstärkt Neuzuwanderer nach Duisburg-Marxloh. In den Schulen gibt es deswegen immer mehr Kinder, die beim Schuleintritt kein oder kaum Deutsch sprechen. Die Schülerschaft der Grundschule Henriettenstraße hat sich in den letzten zwei Jahren besonders stark verändert: Mehr als 50 Prozent der Kinder sind Neuzuwanderer – in den beiden ersten Klassen sogar mehr als 75 Prozent. Auf Wunsch der Schulleitung und der beteiligten Lehrer wird deswegen im Schuljahr 2015/16 ein Pilotprojekt für die Klassenstufe 1 entwickelt, das darauf zielt, durch Musik und Tanz die Kinder nicht nur musisch, sondern insbesondere auch sprachlich intensiv zu fördern. Die Bestandteile sind dabei Tanzworkshops mit den Tänzerinnen Erika Pico und Bianca Pulungan (60 Min. pro Woche pro Klasse seit Oktober 2015), Gesangsworkshops mit Verena Kellerer (60 Min. pro Woche pro Klasse seit Februar 2016) sowie kreative Musikworkshops mit Richard McNicol (intensiv im Mai und Juni 2016). Entscheidend für den Erfolg der Arbeit ist die enge Zusammenarbeit zwischen Künstlern, Lehrer, dem Education-Team des Klavier-Festivals Ruhr und der Schulrätin a. D. Brigitta Kleffken, die über langjährige Erfahrungen im Bereich der Sprachförderung verfügt und das Projekt pädagogisch begleitet.

 
Besonderheiten:
• Die langfristige Kooperation zwischen dem Klavier-Festival Ruhr und den beteiligten Schulen, die das Projekt als gleichberechtigte Partner seit vielen Jahren gemeinsam entwickeln und schrittweise ausbauen.
• Die nachhaltige Förderung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen, die häufig über mehrere Jahre an der Projektarbeit teilnehmen – zum Teil auch nach einem Wechsel von der Grundschule auf eine weiterführende Schule.
• Die Begegnung und gleichberechtigte Zusammenarbeit von Schülern unterschiedlicher Herkunft mit und ohne Behinderung im Rahmen des Projekts.
• Die systematische Fortbildung der am Projekt beteiligten Lehrer in unterschiedlichen Formaten (Einzelworkshops, Hospitationen im Unterricht sowie eine auf mehrere Jahre angelegte Fortbildungsreihe zum Thema „relative Solmisation“).
• Die systematische Stärkung des kulturellen Profils der Schulen durch die intensive Einbindung der Lehrer, die eng mit den externen Künstlern zusammenarbeiten und – wo es möglich ist – auch eine leitende Funktion übernehmen.
• Die konsequente Vernetzung der am Projekt beteiligten Schulen und die Schaffung von Querverbindungen zwischen den verschiedenen Schultypen, die über das Projekt hinausreichen (schulübergreifendes Inklusionsprojekt, Lehreraustausch zwischen Grundschule und Gymnasium).
• Die kunst- und fächerübergreifende Anlage der Arbeit (z.B. die enge Verbindung von Tanz und Musik oder die Förderung von Sprachmut und Sprachfähigkeiten bei Neuzuwanderern durch die enge Zusammenarbeit zwischen Tänzern, Musikern und Deutschlehrern).
• Die unmittelbare Reaktion auf die Bedürfnisse der Teilnehmer und die Herausforderungen, die sich vor Ort stellen sowie die Stärkung der kulturellen Partizipation bei den beteiligten Schülern und ihren Familien.

 
Probleme und Lösungen:
BEISPIEL: ENTWICKLUNG DER SCHULÜBERGREIFENDE ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN GRUNDSCHULE UND GYMNASIUM
Um Grundschülern den Übergang ins Gymnasium zu erleichtern und sie zugleich in der neuen schulischen Umgebung weiter musikalisch zu fördern, wurde ein vierte Klasse der Grundschule Sandstraße und eine fünfte Klasse des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums im Schuljahr 2011/12 zusammengeführt. In klassenübergreifenden Gruppen trafen sie sich alle 14 Tage für 90 Minuten, um sich tänzerisch und musikalisch mit der Musik und den Ideen von John Cage zu beschäftigen. Doch das zunächst gewählte Format erwies sich sowohl organisatorisch als auch inhaltlich als problematisch. Zum einen war es nur mit größten Anstrengungen möglich, die Stundenpläne der beiden Schulen aufeinander abzustimmen. Zum anderen fehlte den Fünftklässlern im ersten Halbjahr die Offenheit für eine gleichberechtigte Zusammenarbeit mit den Viertklässlern, denn sie mussten sich zunächst in ihrem neuen schulischen Umfeld zurechtfinden und eine funktionierende Klassengemeinschaft bilden. Aufgrund dieser Erfahrungen wurde das Format im nächsten Schuljahr grundlegend modifiziert:
• Statt zweimal im Monat wurde im Schuljahr 2012/2013 wöchentlich gearbeitet (jeweils 2 Schulstunden). Dies führte bei den Schülern zu einer höheren Identifikation mit dem Projekt und ermöglichte zugleich eine intensivere inhaltliche Arbeit.
• Während des ersten Halbjahres arbeiteten die beiden beteiligten Klassen getrennt voneinander. Erst im Laufe des zweiten Halbjahres wurden sie dann zusammengeführt.
• Um die Beziehung zwischen der Grundschule Sandstraße und dem Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium zu intensivieren, wurde ein Lehreraustausch initiiert. So lag die künstlerische und pädagogische Leitung des Projektmoduls in den Händen des Grundschullehrers Klaus Hagge und der Tänzerin und Choreographin Petra Jebavy. Im Tandem unterrichteten sie während des gesamten Schuljahrs sowohl die Grundschul- als auch die Gymnasialklasse. Unterstützt und begleitet wurden sie dabei von Tobias Bleek und Richard McNicol (Education-Team des Klavier-Festivals Ruhr) sowie – in der letzten Projektphase – von Tamara Stefanovich und Mitgliedern des ChorWerk Ruhr. Im Gegenzug dazu unterrichtete eine Gymnasiallehrerin für zwei Stunden an der Grundschule Sandstraße.
• In der beteiligten fünften Klasse wurden alle Schüler der Grundschule Sandstraße eingeschult, die den Wechsel auf das Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium geschafft hatten.
Nachdem am Ende des Schuljahrs 2012/13 klar war, dass die Veränderungen den gewünschten Erfolg gebracht hatten, wurde gemeinsam entschieden, dieses Format für die nächsten Jahresprojekte beizubehalten.

 
Anekdotisches:
Ein besonders eindrückliches Ereignis waren die Abschlusspräsentationen des Projekts „Ein Jahr mit Béla Bartók“ im Juni 2015 in der Duisburger Gebläsehalle. Denn hier zeigten sich die „Früchte“ der langfristigen und nachhaltigen Projektarbeit auf beeindruckende Weise. An zwei Abenden war die gesamte Grundschule Sandstraße mit über 250 Kindern auf der Bühne zu erleben. Sechs der insgesamt 11 beteiligten Klassen hatten während des gesamten Schuljahrs 2 Stunden pro Woche getanzt und musiziert. Für die anderen fünf Klassen begann die schöpferische Arbeit zu Beginn des zweiten Schulhalbjahrs. Ein ansehnliches Ergebnis, wenn man bedenkt, dass die Arbeit im Jahr 2008 mit vier 90-minütigen Workshops mit einer vierten Klasse begonnen hatte.
Die Bedeutung dieser Entwicklung für die Schule resümiert der Klassen- und Musiklehrer Klaus Hagge mit folgenden Worten: „Wir machen hier nicht nur schöne Einzelprojekte, sondern es gibt an unserer Schule mittlerweile einen selbstverständlichen Umgang mit Musik. Durch die jahrelange Zusammenarbeit mit dem Klavier-Festival Ruhr ist eine Kultur entstanden – und das ist Nachhaltigkeit.“