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01-UEBEL&NEISS_Recherche ©GfZK
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02-UEBEL&NEISS_Siebdruckwerkstatt ©GfZK
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03-UEBEL&NEISS_Ausstellungsansicht RAUS IN DIE STADT ©GfZK
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04-UEBEL&NEISS_Intervention PopUp-Store ©GfZK
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05-UEBEL&NEISS_Kollektion 2014-2015 ©GfZK
UEBEL&NEISS/ Modelabel Grünau
Einrichtung / Künstler:
Stiftung Galerie für Zeitgenössische Kunst
Karl-Tauchnitz-Straße 11
04107 Leipzig
0341-1408117
www.gfzk.de/foryou
 
Träger / Veranstalter des Programms:
Stiftung Galerie für Zeitgenössische Kunst
Karl-Tauchnitz-Straße 11
04107 Leipzig
0341-1408117
www.gfzk.de/foryou
 
Verantwortliche Ansprechperson für die Wettbewerbsteilnahme:
Lena Seik und Alexandra Friedrich
GfZK Leipzig
Karl-Tauchnitz-Straße 11
04107 Leipzig
0341-1408117
www.gfzk.de/foryou
 
Partnerschule(n):
94. Schule - Oberschule Leipzig, Schule mit offenem Ganztag
Miltitzer Weg 3
04205 Leipzig
0341-9103630
http://www.94ms.de.vu/
 
Weitere Partner:
- OFFENSIWE - offene Siebdruckwerkstatt (Produktion der Drucke)
- Quartiersmanagement Grünau (Strukturen und Netzwerke zur Vermittlung von weiteren potentiellen Partnern)
- Einkaufszentrum PEP (für die erste öffentliche Aktion im Juli 2014 stellte das Center für einen Tag ein leeres Ladengeschäft kostenlos zur Verfügung)
- Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (Unternehmensberater für den Entstehungsprozess der Schülerfirma)
 
Altersgruppe:
Klassenstufen übergreifend
 
Anzahl der beteiligten Schüler:
15 pro Schuljahr
 
Welche Fächer sind beteiligt? Klassen, Kurse, Projektgruppen?
Neigungskurse Kunst, Klassenstufe 7 – 9
 
Stundenvolumen:
Beginn im September 2012 bis heute, 2 Wochenstunden pro Schuljahr
 
Personelle Ausstattung des Programms:
Projektleitung aus Schule und Museum (1 Pädagogin, 2 Kunstvermittlerinnen)
Künstlerische Leitung (je 1-2 Künstler_innen/Designer_innen pro Schuljahr)
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
UEBEL&NEISS ist das erste Modelabel aus Leipzig/Grünau, das 2012 als Schülerprojekt gegründet wurde. Das Label fungiert als Aushängeschild und Identifikationsmerkmal für die Lebenssituation und Stadtteilkultur Grünauer Jugendlicher.

Neben anderen Projekten zur Verknüpfung von Kultur und Schule, entwickelte das Projektteam gemeinsam mit den Schüler_innen im Schuljahr 2012/13 die Idee ein Modelabel zu gründen. Ausgangspunkt war die ästhetische und inhaltliche Auseinandersetzung der Jugendlichen mit ihrem unmittelbaren Lebens-, Lern- und Aktionsraum Leipzig/ Grünau.
Ziel war es, Grünau ein „Gesicht“ zu geben. So wurde aus der Alltagssprache der Jugendlichen ein Kunstwort entwickelt, das zum Namen des Labels führte: UEBEL&NEISS. Die Gruppe entwickelte gemeinsam mit dem Designer Tristan Schulze den Schriftzug, druckte in einer offenen Siebdruckwerkstatt die erste T-Shirt-Kollektion selbst und erschuf während eines Fotoshootings im Wohnviertel das erste Erscheinungsbild des Labels.
Im Folgejahr entstand im Rahmen eines Tanzworkshops an der Schule die Grundlage für ein Imagevideo, in welchem die Jugendlichen mit selbsterdachten Choreografien ihr Label vorstellen. Zudem wurde durch das eintägige Eröffnen eines PopUp-Stores das Label der Öffentlichkeit präsentiert.
Seit 2014 hat sich UEBEL&NEISS als Schülerfirma weiterentwickelt.

 
Auslöser/Idee:
Die Labelidee entstand im Rahmen der Kooperation zwischen der 94. Oberschule und der Galerie für Zeitgenössische Kunst, unter Mitwirkung von Expert_innen aus Kommunikations- und Modedesign.
Die Schule und das Museum bilden seit 2011 eine Partnerschaft im Rahmen des bundesweiten Programms „Kultur.Forscher!“.

Als Kultur.Forscher! setzen sich die Schüler_innen aktiv mit kulturellen Aspekten ihrer Lebenswelt auseinander. Sie erforschen ihre Fragen interdisziplinär und sammeln dabei praktische Erfahrungen. Von Beginn an begleitet alle beteiligten Jugendlichen die Frage Was hat Kultur mit mir und meinem Lebensraum zu tun? Die ersten Reaktionen der Schüler_innen zeigten, dass sie den Begriff Kultur auf keinen Fall mit sich selbst in Verbindung bringen und sie in ihrem Stadtteil Grünau keine oder nur wenige kulturelle Angebote kannten. Die erste Kultur.Forscher!-Gruppe entwickelte in der Folge gemeinsam mit einer Grafikerin einen Stadtteilplan mit dem Titel „I love Grünau – triff Dich hier!“, in dem Jugendliche für Jugendliche fünf ausgewählte (kulturelle) Orte in Leipzig-Grünau vorstellen und empfehlen.

Im zweiten Projektjahr bestand der Kurs aus komplett neuen Schüler_innen. Auch diese Gruppe startete mit der gleichen Fragestellung, jedoch noch fokussierter auf das Entdecken, Beschreiben, Begreifen und Gestalten ihres direkten Lebensumfelds. Gemeinsam mit dem Projektteam aus Schule und Museum sowie dem Designer Tristan Schulze und der Modedesignerin Franziska Eichhorn entwickelten die Jugendlichen das Modelabel UEBEL&NEISS, das siebgedruckte Shirts mit eigenen Grafiken produziert. Das Aussehen und die Wirkung des Stadtteils werden so tragbar gemacht. Menschen können sich auf diese Weise mit Grünau identifizieren oder einfach nur die Botschaft der Jugendlichen wortwörtlich (weiter-)tragen.
 
Entwicklung:
Der Kurs begann mit Untersuchungen unweit der Schule. An einem Platz im Wohngebiet wurde geschaut, wie der Ort aussieht, welche Beziehung er zu den umliegenden Gebäuden hat, welche Einrichtungen anschließen und wie sich Menschen dort verhalten. Es wurden Fotos und Zeichnungen gemacht. Die Fotos stellten den gesamten Platz dar und wurden im Nachhinein so aufgeklebt und geschlossen, dass man die Umgebung als Panorama nachvollziehen konnte.
Die Schüler_innen forschten in ihrem Viertel, erstellten Profile weiterer Orte, z. B. von Haltestellen und besuchten eine Ausstellung in der Galerie für Zeitgenössische Kunst. Hier lernten sie Kunstwerke in der Ausstellung “Aneignung der Gegenwart” kennen, die auf ganz unterschiedliche Weise Menschen und Orte darstellen und portraitieren. Zum Beispiel zeigten die Fotografien von Thomas Struth Straßen in Leipzig, die damit das Bild einer ganz bestimmten Zeit dokumentieren. Sven Johne dagegen erzählte in seiner Videoinstallation “Wissower Klinken” über die Kreidefelsen auf Rügen, verpackt in einer Geschichte über einen Fremdenführer, wobei nicht klar ist, ob es sich um eine erdachte oder wirkliche Geschichte handelt. Diese verschiedenen Ansätze der Darstellung erkundeten und diskutierten die Schüler_innen nach den Fragestellungen:
Wer oder was wird hier portraitiert?
Mit welchen Mitteln findet die Darstellung statt?

In der weiteren Forschungsphase wurde aus der bisherigen Auseinandersetzung mit dem Wohnviertel der Teilnehmenden eine konkrete Darstellungsform gefunden.
In Zusammenarbeit mit dem Designer Tristan Schulze von HELLO STUDIOS wurde mit den Jugendlichen über die Entwicklung eines Modelabels oder einer Modekollektion diskutiert. Die Recherchefragen zu Beginn waren:
Was kann das alles sein – ein Modelabel?
Was wird kommuniziert?
Wie werden Botschaften transportiert?
Was gehört dazu – Name, Farbe, Bilder?

Die Gruppe reflektierte noch einmal, welche Eindrücke und Bilder bisher über Grünau gesammelt wurden. Tristan Schulze stellte ein paar Rechercheergebnisse über interessante Modelabels vor, die sich mit Stadt, Urbanität und Klischee beschäftigen. Es wurde darüber diskutiert, was Mode bedeutet, welche Botschaften über T-Shirts und Klamottenformen übertragen werden können, was die Schüler_innen selbst wichtig finden und was ihnen zu peinlich wäre, anzuziehen und warum. Als Aufgabe erhielten sie den Auftrag, im Stil von Modeblogs Bilder von Passant_innen und Freund_innen zu machen und diese mitzubringen.

Die Bilder der Modeblogfotografien wurden ausgewertet und besprochen. Als Übung erhielten die Jugendlichen Schablonen von Kleidungsstücken (Hose, Hoodie, Tank Top usw.), die sie mit Farben und Motiven versahen. Alles war möglich, es gab keine Zensur und keine Vorgabe. Die Übung diente erst einmal dazu, wahllos alles auszuprobieren und zu testen, wie weit man gehen kann und wo es Grenzen gibt. Die entstandenen Entwürfe wurden in der Gruppe ausgewertet.

Eine spannende Diskussion gab es um sogenannte “Assi-Sprüche”, also Sprüche wie z.B. “Deine Mutter sammelt hässliche Kinder”. Was bedeutet es, diese Sprüche, die im Alltag oft gedankenlos daher gesagt werden, auf dem eigenen T-Shirt geschrieben zu tragen. Warum sind die Sprüche einerseits so lustig oder andererseits besonders geschmacklos. Wo hört der Spaß auf? Im Unterricht und in der Freizeit wurden Sprüche, Redewendungen und Schimpfwörter gesammelt. Es fiel auf, wie variationsreich sich der Pool an Beschimpfungen gestaltet und wie massiv diese “Kultur” in den Sprachgebrauch der Schüler_innen Eingang gefunden hat.

Der Recherchephase folgte die Umsetzung. Dazu wurde der Kurs in zwei Gruppen geteilt – die Entwicklungsgruppe und die Recherchegruppe.
Erstere war für die gestalterische Umsetzung des Modelabels zuständig, also für Farben und Formen, Entwürfe und Druck.
Die zweite Gruppe kümmerte sich um den ideellen und theoretischen Überbau des Labels. Dazu untersuchten sie ihre eigene Kleidung und überlegten, woher die Sachen, die sie tragen, stammen. Beim Lesen der Etiketten wurde schnell klar, dass die T-Shirts, Hosen und Jacken entgegen ihrer ersten Annahme nicht in Leipzig oder Berlin produziert werden, sondern in Ländern wie China oder Bangladesh. Die Untersuchungen betrafen die Schüler_innen selbst, weitere Mitschüler_innen aus einem anderen Kurs sowie eine kleine Exkursion in die Geschäfte nahe der Schule.
Fazit der Recherche war: scheinbar keines der Kleidungsstücke der Jugendlichen und der zu verkaufenden Ware wird in Deutschland produziert, maximal in der EU. Dies wurde zum Anlass genommen, Überlegungen anzustellen, welche Blanko-Shirts für den Druck genommen werden können. Fairtrade spielte bei der Wahl eine entscheidende Rolle.

Die Entwicklungsgruppe traf sich mit Tristan Schulze in der Galerie für Zeitgenössische Kunst. Alle Übungen, die bisher im Klassenzimmer stattfanden, dienten der Vorbereitung auf die eigentliche Aufgabe: das Entwerfen des Labels und des Erscheinungsbildes.In kleinen Gruppen bearbeiteten die Jugendlichen die Schwerpunkte Farbkombinationen/ -stimmungen, Typografie/Schrifttypen und Namen/Titel. Aus den jeweils im Brainstorming oder Internet gesammelten Beispielen und Ideen wurden in der Kleingruppe die ca. 20 besten herausgefiltert und zur gemeinsamen Diskussion gestellt. In einfachen Voting-Runden kristallisierten sich für jede Kategorie 2 bis 3 Favoriten heraus. Diese wurden nochmals diskutiert und vermerkt.
Größter Erfolg dieser Session: es wurde der Labelname gefunden!

Im Zuge der Recherche zum Thema Mode und Textilindustrie sowie unserer eigenen Entwicklung einer T-Shirt-Kollektion besuchte die Recherchegruppe die Leipziger Modedesignerin Franziska Eichhorn in ihrem Atelier im Westwerk.
Das war höchst interessant! Die Mode ihres Labels „Yes, Boy“ richtet sich vornehmlich an Männer. Trotzdem konnte die Gruppe kaum Unterschiede zu “Frauenmode” feststellen. Dies musste kurz diskutiert werden, denn ist es nicht so, dass Männer, die dunkle Farbtöne tragen besonders männlich und damit gleichzeitig heterosexuell sind und Männer, die einen Pullover mit Pastellfarben anziehen automatisch homosexuell? Oder ist das alles Quatsch? Resultat des Gesprächs war, dass es darauf ankommt, wie konsequent jemand seinen Style komponiert und ihn mit Selbstbewusstsein und Lässigkeit trägt – völlig egal, welche sexuelle Orientierung er oder sie hat.
Franziska Eichhorn zeigte neben den Kollektionen auch, wie ein Kleidungsstück konzipiert, der Schnitt auf den Stoff gebracht und die einzelnen Teile zusammengenäht werden. Ein Hemd, wie man es in Bekleidungsgeschäften wie Zara finden könnte, dauert im Entstehungsprozess von Idee zu fertiger Klamotte ungefähr eine Woche. Und es würde, wenn es von Franziska von Hand gefertigt ist, ca. 180 EUR kosten!
Das war eine Überraschung. Und es gab der Gruppe zu denken, warum die Klamotten, die wir bei Zara oder New Yorker oder H&M kaufen, eigentlich so billig sind… Mit diesem Thema beschäftigte sich die Gruppe in den folgenden Wochen noch weiter.

Tristan Schulze präsentierte im Anschluss die Entwürfe der Schüler_innen, die er professionell weiterbearbeitet hatte. Es wurde diskutiert, welcher Schriftzug auf welchem “Shape” am besten aussieht und welche Farben gut zusammen passen.
Zwei Wochen später wurde gedruckt. Die Leipziger d.i.y. Siebdruckwerkstatt OFFENSIWE ermöglichte dazu einen Nachmittag, an dem verschiedene Farben und Styles ausprobiert wurden. Nach einer Technikeinführung konnte jede_r Schüler_in im Anschluss verschiedene Farben durch die Siebe auf die Textilien rakeln. Eine Schülerin war so begeistert, dass sie fast bis “Ladenschluss” blieb.

Während eines professionellen Fotoshootings mit Schüler_innen als Models, wurde die neu entstandene Kollektion in der Originalkulisse Grünau in Szene gesetzt. Die Bilder wurden stolz von den Jugendlichen über die sozialen Netzwerke geteilt und trugen mit dazu bei, dass UEBEL&NEISS einen gewissen Coolness-Faktor erhielt und über Grünaus Grenzen hinaus bekannt wurde!

Alle am Projekt beteiligten Jugendlichen erhielten ein T-Shirt zum Schuljahresende. Weitere T-Shirts und Stoffbeutel konnten auf dem Schulfest gekauft werden. Die GfZK hat die Kollektion in das Repertoire ihres Museumsshops mit aufgenommen.

Im Herbst 2013 war UEBEL&NEISS und das Kultur.Forscher!-Programm Teil einer Präsentation mit dem Namen „Raus in die Stadt“ in der Galerie für Dich, dem Ausstellungsraum der Vermittlungsabteilung der GfZK.

Wie ging es weiter:
Im Frühjahr 2014 ergab sich die Möglichkeit eines Workshops mit einem professionellen Tänzer und Street Dance Tanzlehrer. Schnell war die Idee geboren, die entstandenen Choreografien mit UEBEL&NEISS in Verbindung zu bringen. So entwickelte sich aus dem Tanzworkshop die Basis für ein Image-Video zu UEBEL&NEISS.

Am 15. Juli 2014 eröffnete zum ersten Mal der UEBEL&NEISS-PopUp-Store – und zwar für einen Tag! (weitere Beschreibung siehe unter Blitzlicht/Anekdotisches)

Im Schuljahr 2014/ 2015 ging das Modelabel UEBEL & NEISS in die nächste Runde. Die teilnehmenden Schüler_innen der 94. Oberschule in Leipzig gründeten mit Unterstützung und Beratung eines Unternehmers, der ehrenamtlich im Programm für Schülerfirmen der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung arbeitet, eine Schülerfirma, um UEBEL & NEISS weiterzuentwickeln. Marketing, Management und Produktion – so eine Schülerfirma will gut organisiert sein. Wie es auch in anderen Betrieben üblich ist, wurden die verschiedenen Aufgaben von den Schüler_innen untereinander aufgeteilt und zu festen Zeiten gearbeitet. So gab es eine Gruppe, die die Geschäftsleitung übernahm. Hier wurde ein Business Plan erstellt und wie in einer Genossenschaft Mitglieder angeworben und Anteile verkauft. Zwei weitere Gruppen entwickelten zusammen mit Tristan Schulze und Franziska Eichhorn das Design – neben T-Shirts nun auch Tücher, die ersten Kleidungsstücke der Jugendlichen, die komplett selbst hergestellt sind. Auch für diese Kollektion fand ein Fotoshooting statt, um die aktuellen Entwürfe in Szene zu setzen und bekannt zu machen. Und am Tag der offenen Tür der 94. OS gab es die Möglichkeit, die fertigen Produkte zu erwerben.

Im aktuellen Schuljahr 2015/2016 wurde die Schülerfirma von einem neuen motivierten Team übernommen.
Als Expertin in Sachen Gestaltung und Design wird die Gruppe in diesem Jahr von der Designerin und Illustratorin Wiebke Steinert unterstützt. Ziel ist es wieder ein neues Design zu entwickeln und über clevere Vertriebswege nachzudenken und diese in die Tat umzusetzen. Auch dabei dreht sich wieder alles um Grünau und die Lebenswelt der Jugendlichen.

 
Besonderheiten:
Das Projekt ist in besonderem Maße ein Zuspruch an die Lebenswelten und Erfahrungen der Jugendlichen, die daran teilnehmen und es auf ihre Weise mitgestalten. Es geht explizit darum, Jugendliche zum Entwickeln einer eigenen Sprache zu ermutigen, mit der sie Aussagen über ihre Anschauungen, Vorlieben und Themen treffen. In erster Linie gibt es dabei keine Einschränkung oder Zensur – Reflexion und Diskussion sind im Projektverlauf essentiell. Das Projekt ist zudem ein Versuch, Jugendliche innerhalb des Schulrahmens zu selbstorganisiertem Lernen und Gestalten zu motivieren, wie sie es bisher aus ihrem Schulalltag nicht kennen. Das Agieren in einer Schülerfirma ist dazu ein erster praktischer Einblick in Strukturen des Arbeitslebens.
 
Probleme und Lösungen:
Unserer Meinung nach wirkt sich die Schulstruktur generell ungünstig auf ein offen und langfristig angelegtes Projekt aus. Die Schüler_innen sind es nach acht Jahren Unterricht nicht gewohnt, eigene Ideen mit eigenen Methoden zu entwickeln und umzusetzen, längere Zeiträume auszuhalten, ohne das eigentliche Anliegen aus den Augen zu verlieren und Geduld aufzubringen. Die Projektbegleitenden mussten dahingehend umdenken, als dass sie in kleinen Schritten planten. Es war oft schwierig, den Jugendlichen zu vermitteln, dass es sich um ihr Projekt handelt, und dass sie diejenigen sind, die dessen Inhalt und Verlauf maßgeblich mitbestimmen. Oft hatten Schüler_innen großartige Ideen und Visionen, konnten diese aber bis zum nächsten Projekttreffen nicht aufrechterhalten.

Es kam vor, dass Schüler_innen sich untereinander oder auch den Projektbegleiter_innen gegenüber mit wenig Respekt begegneten. Hier zeigte sich eine Kluft zwischen der Projektidee mit dem Anspruch des selbstorganisierten Handelns und der Schul- bzw. Lebensrealität der Jugendlichen. Denn die negative Haltung mancher Schüler_innen zielte nicht nur gegen das Projekt, sie richtete sich gegen den gesamten Schulraum. Daher war es nahezu unmöglich, diese Haltung in dem einen Projekt zu ändern. Es gab jedoch verschiedene Bemühungen die Probleme mit den jeweiligen Schüler_innen zu besprechen, in der Gruppe und auch einzeln.

Das Setting „Klassenraum“ erwies sich als zeitweise ungünstig für den Projektverlauf, doch aufgrund der Tagesstruktur war es den Schüler_innen zeitlich nicht immer möglich, an einen anderen Lernort zu gelangen. Für manche Prozesse hätte es sich als günstig erweisen können, den Lernort zu wechseln – um in ruhiger Atmosphäre zu arbeiten, um neue Impulse für die weitere Entwicklung zu erfahren oder um einfach einmal gewohnte Abläufe zu durchbrechen.

 
Anekdotisches:
Am 15. Juli 2014 eröffnete der UEBEL&NEISS-PopUp-Store für genau einen Tag. Anlass war vor allem die feierliche Premiere des Imagevideos. Durch die zentrale Lage des Geschäfts gelang es auch, den Grünauer_innen das Label UEBEL&NEISS einmal direkt vorzustellen.
Der PopUp-Store befand sich in einem leerstehenden Ladengeschäft im PEP-Einkaufszentrum, welches sich wiederum im Zentrum Grünaus befindet, unweit des noch größeren Einkaufszentrums „Allee-Center“. Hier ist immer einiges los, ein Wochenmarkt befindet sich dort ebenfalls sowie eine zentrale Straßenbahnhaltestelle. Rund um die öffentlich aufgestellten Sitzbänke versammeln sich regelmäßig Anwohner_innen zum Treff, wobei viele von ihnen auch gern Bier dazu trinken. Das Wetter dieses Julitages war ausgezeichnet, und dementsprechend herrschte auch Betriebsamkeit auf dem Platz zwischen den zwei Einkaufszentren.
Im Store gab es verschiedene Möglichkeiten UEBEL&NEISS kennen zu lernen: die Schüler_innen der Kurse waren vor Ort, um zu informieren, Schaufensterpuppen trugen UEBEL&NEISS-Shirts, die man auch kaufen konnte, Image-Poster zierten die Wände und Schaufenster, das Image-Video, feierlich erstaufgeführt, lief in Dauerschleife und die offene Siebdruckwerkstatt OFFENSIWE hatte eine Station aufgebaut, an der Textilien mit dem UEBEL&NEISS-Logo bedruckt werden konnten. Vor dem Laden war ein mobiles Fotostudio aufgebaut. Interessierte konnten sich dort mit ihrem UEBEL&NEISS-Shirt professionell vor der Grünauer Originalkulisse fotografieren lassen. Diese Aktion, aber auch der Laden an sich erregte ein hohes Aufsehen bei den Passant_innen. Viele Menschen schauten durch die Schaufenster hinein, erkundigten sich nach der Nutzung des Ladens, freuten sich über das Projekt und zeigten sich interessiert. Einige Personen aus der Bier-Treff-Gruppe kamen herüber und nahmen das Angebot des Fotografierens in Anspruch. Dafür liehen sie sich T-Shirts aus und wurden so mit in die fotografischen Annalen des Projekts aufgenommen. Es ergaben sich zudem einige Gespräche mit dem Leuten, zum Teil auch sehr persönliche.
Ein Aufsehen erregender Programmpunkt, der den Tag aktiv abrundete, war die öffentliche Tanzprobe mit Tanzlehrer und Breakdancer Matthias Buckl. Und daran nahmen nicht nur Jugendliche aus dem aktuellen Kursjahr teil, sondern auch die „älteren“, die extra zur Videopremiere gekommen waren.