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Blasorchester auf dem Neujahrsempfang des OB
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Kunst - Geschichte - Religion: Gedenkstein für den ehem. jüd. Friedhof
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Auf der Aulabühne: Literaturkurs der Q1
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Musikalischer Flashmob: Für eine offene Stadt!
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Hängung: Arbeiten zum Projekt "Kartoffel"
It's the structure, stupid! - Kulturelle Bildung an der Internationalen Schule
Schule:
Gymnasium Paulinum
Am Stadtgrabem 30
48143 Münster
paulinum@stadt-muenster.de
www.paulinum.eu

Gymnasium / Ungebundener Halbtag
 
Verantwortliche Ansprechpartner:
Jörg von Wensierski
Koordination der kulturellen Bildung
Kontaktdaten wie oben (Schule)
 
Art des kulturellen Schulprofils:
Fächerübergreifend
 
Anzahl der beteiligten Schüler:
alle Schülerinnen und Schüler
 
Vorstellung und Kurzbeschreibung:
Unterricht und Arbeitsgemeinschaften, Ausstellungen, Konzerte, Theateraufführungen und spartenübergreifende Projekte vermitteln am Gymnasium Paulinum seit vielen Jahren allen Schülerinnen und Schülern umfassende Erfahrungen im Bereich kultureller Praxis. Kulturelle Bildung ist als profilprägendes Element im Schulprogramm ebenso präsent wie im Bewusstsein aller – und eben nicht allein der unmittelbar damit befassten - Mitglieder der Schulgemeinschaft.
Die in der letzten Dekade vollzogene internationale Ausrichtung des Paulinum – mit bilingualen Bildungsgängen und einem deutlich wachsenden Anteil von Schülerinnen und Schüler mit internationaler Erfahrung – profitierte von der kulturellen Profilierung der Schule ebenso, wie sie diese Orientierung ihrerseits förderte: Unter – inzwischen selbstverständlicher – Beteiligung vieler in irgendeiner Weise „migrierter“ Kinder und Jugendlicher sind gerade große kulturelle Projekte auch der Ort, an dem die Schule sich gemeinsam ihrer neuen Identität versichert.
Allerdings zeigte sich gerade in den letzten Jahren deutlicher, dass der am Paulinum langfristig herausgebildete Status kultureller Bildung einer klareren systemischen Fundierung bedurfte: Die schulischen Organisationsstrukturen stützten die gelebte Praxis – zumal unter den Bedingungen eines insgesamt beschleunigten schulischen Umgestaltungsprozesses - nicht immer deutlich genug, und der beschriebene kulturelle "spirit" bedurfte offensichtlich professionell definierter Verantwortlichkeiten, wenn die intensive Arbeit in diesem Bereich dauerhaft gesichert werden sollte.
 
Welche Fächer sind beteiligt?
Neben den „Kernfächern“ kultureller Bildung (Kunst, Literatur, Musik) binden sich im Rahmen periodischer Projekte nahezu alle Fachbereiche und darin durchschnittlich jeweils die Hälfte der Lehrkräfte regelmäßig ein. Neben dem Fachunterricht und mit ihm verbunden existieren 3 Chöre, 1 Theater-AG, 2 Blasorchester, 1 Streicherensemble, 1 Kunst-AG, 1 Licht- und Ton-AG.
 
Beteiligte Lehrkräfte:
Kontinuierlich beteiligt sind 5 Musik-, 5 Kunst- und 3 Literaturlehrer/innen. Für die übrigen Fachschaften gilt der Hinweis unter „Fächer“.
 
Stundenvolumen:
Die Großprojekte werden im Laufe eines Schuljahres erarbeitet; Konzerte, Ausstellungen und kleinere Inszenierungen sind zumeist quartalsbezogen. Die insgesamt verfügbare Zeit entspricht der – am Paulinum durchgängig mindestens ungekürzten, z.T. erweiterten (Musikzweig) - Stundentafel des Landes NW, ergänzt um die in der Regel wöchentlich zweistündigen AG-Angebote, die in der Summe jährlich von etwa 400 Schülerinenn und Schülern durchgängig belegt werden.
 
Auslöser/Idee:
Bereits im Winter 2015/2016 hatte das Gymnasium Paulinum seine gelebte Praxis kultureller Bildung in einem Beitrag zu „Kinder zum Olymp!“ vorgestellt. In dem darauf folgenden Schritt des Wettbewerbs – der Einsendung zusätzlicher Dokumentationsmaterialien – scheiterten die Beteiligten aber: Für eine Bewertung in der Endrunde standen keine Unterlagen zur Verfügung.
Die interne Ursachenforschung ließ dann über akut wirksame Faktoren (Erkrankungen und besondere familiäre Belastungen einzelner besonders wichtiger kultureller Akteure) hinaus ein grundsätzlicheres Problem erkennen: Die Verantwortlichkeiten in diesem Bereich waren zum einen diffus und zum anderen ungleichmäßig verteilt, sodass mit dem temporären Ausfall einzelner besonders engagierter Mitglieder des Kollegiums die Ausgestaltung des Handlungsfeldes gestört war. Zudem stellte sich die Frage, ob nicht die Akkumulation von Zuständigkeiten und zeitgleich die Verlagerung von personellen Ressourcen in andere besonders herausfordernde Handlungsfelder gerade im kulturellen Bereich zu einer Verdichtung von Belastungen geführt hatte, denen strukturell zu begegnen war.
Ohne eine Erneuerung ihrer schulischen Organisationsstruktur war der erreichte Standard kultureller Bildung am Gymnasium Paulinum nicht länger zukunftssicher zu stabilisieren, geschweige denn unter den Bedingungen neuer Herausforderungen weiter zu entwickeln.
 
Entwicklung:
In den 90er Jahren hatte die Schule mit der Akzentuierung musikalischer Bildung im sog. „Musikzweig“ begonnen und die damit gestützte Nachfrage zwischenzeitlich auch durch eine qualitativ ebenso überzeugende Bildungsarbeit in der bildenden Kunst (mit regelmäßig wechselnden Ausstellungen) und in der Theaterpraxis (u.a. jährliche deutsch- und/oder englischsprachige Inszenierungen) sichern können.
Neben den alljährlichen Weihnachtskonzerten mit über 300 Mitwirkenden und nach musikalisch dominierten Kulturprojekten („Schöpfung“ 2002, „Carmina Burana“ 2004, „Weihnachtsoratorium“ 2006) mit hoher Beteiligung fanden besonders die nun spartenübergreifend angelegten Großprojekte mit oft über 400 mitwirkenden Schülerinnen und Schülern („Third Class Titanic“ - mit Olymp-Preis - 2011, „Hölle oder Himmel“ 2013 und „Bombensicher“ 2015) viel Beachtung und banden – besonders wichtig für die Stabilisierung kultureller Bildung – auch Mitglieder anderer Fachschaften (z.B. Deutsch, Sport, Sozialwissenschaften, Geschichte, Chemie) und über die Licht- und Ton-AG auch eher technisch interessierte Schüler aktiv ein. Öffentlich wahrgenommen wird das breite Engagement auch durch regelmäßige Ensembleauftritte bei Veranstaltungen kommunaler und regionaler Institutionen (Neujahrsempfänge des Oberbürgermeisters bzw. des Regierungspräsidenten, Gedenkfeier zum Volkstrauertag u.ä.).
Thematisierte die „Third Class Titanic“ schon ausdrücklich – und unter Beteiligung vieler unmittelbar betroffener Jugendlicher – die Dilemmata einer sich auch selbst schützenden europäischen Humanität, so setzte „Hölle und Himmel“ diese kulturübergreifende Orientierung unter der Frage nach der „Hölle“ und dem „Himmel“ auch einer anderen – islamischen – Religion ebenso fort wie „Bombensicher“ die Erfahrungen syrischer und irakischer Migrant(inn)en aus der Schülerschaft des Paulinum mit historisch erschlossenen lokalen Erinnerungen an den Bombenkrieg verknüpfte, damit erneut einen Transfer zwischen Kulturen leistete und so zugleich den umfassenden Entwicklungsprozess der Internationalen Schule stützte. Öffentlich zum (kulturellen) Ausdruck kam diese Orientierung auch in einem Flash-Mob, mit dem die Schule sich an einem kommunalen „Internationalen Tag“ beteiligte.
Auch fachlich nicht kulturell definierte Kollegiumsmitglieder nähern sich dabei diesem ihnen weniger vertrauten Handlungsfeld. Exemplarisch zeigte sich dies erneut in Verknüpfung mit der internationalen Option, als 2015 in der Kooperation mit einer niederländischen Regisseurin und einer freien lokalen Theatergruppe das Konzept 'Artist in Residence', unterstützt von den – fachlich nicht unbedingt affinen - Klassenleitungen der Erprobungsstufe, ein von den Migrationserfahrungen der Schüler getragenes Theaterstück („Umzüge“) auf die Bühne brachte. Umgekehrt banden sich Kunstlehrer z.B. in naturwissenschaftlich akzentuierte Arbeitsgemeinschaften ein (z.B. farbliche Gestaltung eines „Bienenhotels“ der Natur-AG oder Land-Art im Schulwald). Konsequent achtet die Schule überhaupt bei der Einstellung neuer Lehrerinnen und Lehrer darauf, solche Kollegiumsmitglieder zu gewinnen, die für fachliche Grenzüberschreitungen offen sind, und begegnet so der latenten Gefahr einer (Selbst-) Isolierung des kulturellen Bereichs.
Die gelungene Verschränkung kultureller Bildung mit der schulischen Alltagswelt zeigt sich ebenso im Bereich sozialen Lernens. Auch Nicht-Musiker im Kollegium schätzen die stabile soziale Einbindung ihrer Schülerinnen und Schüler in das Blasorchester der Schule und die Lerneffekte der Disziplinerwartungen, denen z.B. der Kinderchor bei seinen abendlichen Auftritten mit den erwachsenen Profis der Städtischen Bühnen zu entsprechen hat. Die Beteiligung an einem der Chöre oder Orchester wird denn auch als Leistung im Rahmen des „sozialen und kulturellen Engagements“ gewertet, zu dem man am Paulinum als Mittelstufenschüler/in verpflichtet ist. Dass die Aufgaben, denen das Paulinum als städtische „Referenzschule“ bei der auch sozialen Integration von jugendlichen Migranten gerecht werden soll, in einem besonderen Umfang von deren Beteiligung an kulturellen Projekten profitieren, steht im Übrigen außer Frage.
Ein außergewöhnliches Engagement vieler und vor allem der fachlich im kulturellen Bereich verankerten Lehrerinnen und Lehrer trägt seit Jahren diese Profilierung der Schule. Diesem Engagement einen Rahmen zu geben, in dem die Beteiligten vor einer Erschöpfung ihrer Motivation geschützt sind, wurde aber nun angesichts der skizzierten kritischen Erfahrungen erkennbar wichtig. Unter dieser Zielsetzung setzte die Schule im Laufe des Schuljahres 2016/2017 deshalb zwei Strategien wirksam um: Umbau der internen Organisation und Zuständigkeiten und kontinuierliche Einbindung externer Kräfte.
 
Kooperation:
Eine wesentliche Entlastung der im kulturellen Bereich tätigen Kollegiumsmitglieder brachte die dauerhafte Einbindung weiterer externer Mitarbeiter, die aus Sondermitteln bzw. über einen Förderverein finanziert werden. Das Modell war bereits seit Jahren in der externen Leitung des schulischen Blasorchesters erprobt, die ein fachlich und pädagogisch ausgewiesener Musiker im Rahmen eines Vertrages mit dem Förderverein übernommen hatte. Ähnlich wurden die Leitung der Theater-AG, eines der Schulchöre und der chorischen Stimmbildung an externe Kräfte übertragen, die zunächst aus Drittmitteln bezahlt werden. Der Aufbau entsprechender Fördervereine, die dieses Modell ähnlich der Orchesterregelung – und damit unabhängig von den begrenzten Drittmitteln – finanziell auf Dauer tragen könnten, wurde unter Beteiligung engagierter Eltern eingeleitet.
Das Risiko, dass sich einzelne kulturelle Arbeitsfelder mit ihrer Übertragung an externe Mitarbeiter aus dem schulischen Handlungszusammenhang lösen und verselbstständigen könnten, begegnet die Schule, indem die nun praktisch entlasteten Lehrerinnen und Lehrer weiterhin organisatorisch und konzeptionell für diese ausgelagerten Bereiche zuständig bleiben.
 
Wichtigste Kooperationspartner:
Im Rahmen vielfältiger Kooperationen arbeitet die Schule regelmäßig mit dem Theater Münster, der Westfälischen Schule für Musik und dem LWL-Landesmuseum für Kunst und Kultur zusammen. Kontinuierliche Kooperationen bestehen daneben zu Aktiven der freien Theaterszene, Stimmbildnern und Orchestermusikern, Architekten und frei schaffenden Künstlern.
 
Besonderheiten:
Viele kulturelle Aktivitäten des Paulinum – wahrnehmbar in Konzerten, Theateraufführungen oder Ausstellungen - erreichen ein Niveau, auf das auch Musik- oder Kunstschulen oder theaterpädagogische Einrichtungen stolz sein dürften. Aber die Akzeptanz und Wertschätzung einer allgemein bildenden öffentlichen Schule definiert sich mindestens ebenso über andere Beiträge zu erfolgreichen Studien-, Berufs- und Lebenswegen ihrer Schülerinnen und Schüler, und als deren Fundament gelten denen selbst und ihren Eltern weiterhin vor allem die Leistungen in Kernfächern und später in den gewählten Leistungskursen. Nicht immer erleben daher auch die besonders engagierten Kunst-, Musik- oder Theaterpädagogen des Paulinum im System Schule die Anerkennung, die fortdauernd die Basis ihrer Motivation sein könnte. Gerade der oft unverkennbare Qualitätsvorsprung ihrer Arbeit gegenüber den kulturellen Leistungen mancher anderen Schulen droht damit auch eine Quelle von Frustrationen der kulturellen Akteure zu werden.
 
Probleme und Lösungen:
Im Organigramm der Schule, das unter dem Eindruck solcher Erfahrungen überarbeitet wurde, sind der Umfang des kulturellen Bereichs und die Zuständigkeiten seiner einzelnen Akteure nun herausgehoben und differenziert benannt. Als direkter Ansprechpartner des Schulleiters fungiert ein mit der Koordination der kulturellen Bildung beauftragtes Kollegiumsmitglied, das dafür (und für die unmittelbare Koordination des Bläserbereichs) auch mit einer Beförderungsstelle versehen ist. Diesen herausgehobenen Status (A14) haben auch die ihm zugeordneten Kolleg(inn)en, die ihrerseits die Arbeit in den Teilbereichen Kunst, Chöre, und darstellendes Spiel koordinieren. Im Ergebnis ist kein anderes Handlungsfeld der Schule mittels einer so differenzierten Arbeitsteilung und umfassenden Honorierung (Beförderungsstellen) in seiner Struktur gesichert: Jeder der Beteiligten weiß, wo seine Aufgaben liegen (und damit ebenso, was er anderen überlassen darf!) und wie er dafür honoriert wird.
Dabei bildet das Organigramm der Schule eine Arbeitsstruktur schematisch ab, die so auch in der Wirklichkeit existiert und sich bereits als tatsächlich fruchtbarer Lösungsansatz erwiesen hat: Spannungen, Effizienzverluste und Konflikte, die sich in der Vergangenheit durch Überlastungseffekte oder unter dem Eindruck mangelnder Anerkennung ergeben hatten, sind inzwischen deutlich abgemildert. Mit der so angepassten Organisationsstruktur einer Schule ist gewiss nicht schon die Qualität ihrer kulturellen Bildungsarbeit garantiert, aber ohne eine solche strukturelle Absicherung scheint diese nicht auf Dauer tragfähig.
 
Anekdotisches:
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